BERLIN. Natürlich trug Heinz Wewering noch seinen Goldhelm, die Trophäe des deutschen Fahrerchampions. Natürlich saß darunter auch noch seine blau getönte Pilotenbrille, die so groß ist, dass Victoria Beckham vor Neid erblassen würde. Wewering ist der mit Abstand erfolgreichste deutsche Trabrennfahrer, und er versucht, das durch sein Erscheinungsbild auf der Rennbahn zu unterstreichen. Nach dem Stutenderby, dem zweitwichtigsten Lauf der Derbywoche in Mariendorf, aber war Wewering verärgert und überrascht.Die meisten hatten erwartet, dass er sich mit Vita di Quattro den Sieg im kleinen Derby nicht würde nehmen lassen. Aber Sekunden nach Start des Rennens, sagte die Rennleitung durch: "Nummer zwei disqualifiziert rot." Vita di Quattro hatte einen verbotenen Galoppschritt eingelegt. "Normalerweise ist sie sehr trabsicher", sagte Wewering. "Aber nach 100 Metern ist sie mit dem Bein hinten eingeknickt und dann gesprungen. Ein Bruchteil von einer Sekunde. Dabei war die Chance nach den Vorläufen groß. Sie war die beste Zeit gelaufen." Wewering hoffte noch auf das B-Finale. Er wurde Letzter.Sein Scheitern im Hauptlauf eröffnete den anderen Gespannen die Chance auf den Siegpreis von 37 500 Euro. Penthesilea mit dem schwedischen Spitzenfahrer Björn Goop versuchte es von vorn. Das ging für die Stute aus Berliner Besitz lange gut, bis zur Zielgeraden. Dann kam Beautiful Rose mit Thomas Panschow im Sulky auf und fuhr als Erste durchs Ziel. Penthesilea wurde Zweite vor Her Way, gefahren von Heiner Christiansen. Ein Ausgang, mit dem kaum jemand gerechnet hatte. "Der Rennverlauf war für uns sehr gut. Ohne viel Aufwand sind wir in eine gute Position gekommen", sagte Panschow. Ab wann er gedacht habe, dass es klappen könne mit dem Sieg? "Schon nach dem letzten Start in Recklinghausen habe ich gedacht, dass wir gewinnen."Durch den Sieg von Beautiful Rose taucht der Name Wewering doch in der Siegerliste auf. Als Züchterinnen firmieren Sonja und Marie-Charlott Wewering, die geschiedene zweite Ehefrau und die Tochter des Mannes. Das Pferd gehört Doris Wilhelm, seiner ehemaligen Schwiegermutter.Suche nach einem neuen SystemDie Derbywoche in Berlin ist eine der wenigen Gelegenheiten, zu der sich dieser verschlungene Sport in altem Glanz präsentieren kann. Max Stadler, der umstrittene Präsident des Hauptverbandes für Traberzucht und -rennen (HVT), hatte für Freitag eine Außerordentliche Mitgliederversammlung der insolventen Dachorganisation einberufen, um sein Rettungskonzept durchzusetzen. Der HVT zieht um, von Kaarst auf das Gelände des Berliner Trabrenn-Vereins in Mariendorf. Zudem werden die Leitung der Rennen sowie die Schiedsgerichtsbarkeit beim HVT zentralisiert.Als nächstes Projekt will er das Wettsystem neu organisieren - eine schwierige Aufgabe, herrscht doch Verwirrung, wie es mit den privaten und staatlichen Anbietern von Sportwetten weitergehen soll. Deshalb ist es für Stadler schwer, Partner zu gewinnen, obwohl die Pferdewetten von dem juristischen Streit eigentlich nicht betroffen sind. Aber nach dem Abstimmungserfolg am Freitag traten die Sorgen um Insolvenz und Zukunftsangst in den Hintergrund.------------------------------Foto: Überraschender Sieger: Beautiful Rose mit Thomas Panschow (r.).
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