Helmholtzkiez hatte abgelehnt: Chance auf autofreien Kiez verpasst

Südafrika zeigt, wie es geht: Johannesburg begeistert sich für ein großes Umweltprojekt, das in Berlin bisher kaum Unterstützung fand. Es geht um das Eco-Mobility World Festival. Es sollte eigentlich im Mai 2015 rund um den Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg stattfinden. Einen Monat lang, so die Idee, verzichten die etwa 20 000 Bewohner des Viertels freiwillig auf ihre ...

BLZ
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Südafrika zeigt, wie es geht: Johannesburg begeistert sich für ein großes Umweltprojekt, das in Berlin bisher kaum Unterstützung fand. Es geht um das Eco-Mobility World Festival. Es sollte eigentlich im Mai 2015 rund um den Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg stattfinden. Einen Monat lang, so die Idee, verzichten die etwa 20 000 Bewohner des Viertels freiwillig auf ihre Autos.

Stattdessen steigen sie um auf Fahrräder, Rikschas, E-Bikes, Elektroautos und elektrisch betriebene Busse. Ihre Benziner und Dieselautos stellen die Bewohner auf eigens bewachten Parkplätzen außerhalb des Gebietes ab. Die autofreien Straßen nutzen Kinder zum Spielen, Cafés stellen ihre Stühle auf die Parkplätze, Bühnen werden aufgebaut. Soweit die Theorie. Bisher suchte der Weltstädteverband Iclei, ein weltweiter Zusammenschluss von Städten, Gemeinden und Landkreisen für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung, vergeblich nach politischer Unterstützung in Berlin.

Vor wenigen Tagen waren Iclei-Vertreter vier Tage lang in der südafrikanischen Großstadt Johannesburg. Dort stellten sie dem Bürgermeister Parks Tau und seinem Stab ihr Projekt ausführlich vor. Und sie bekamen viel Zustimmung. „Die Stadtführung von Johannesburg ist außerordentlich ambitioniert“, sagt Otto-Zimmermann, Kreativdirektor des Eco-Mobility Festivals. Es gab mehrere Workshops, die Politiker nahmen sich viel Zeit und fuhren mit ihren deutschen Gästen durch Johannesburg, um ein geeignete Viertel für das Vorhaben zu finden. „Die Stadt ist ein ernstzunehmender Kandidat“, sagt Otto-Zimmermann. Noch im Juli will Johannesburg eine Entscheidung treffen.

Auch in London gibt es eine Initiative, die einen Monat lang ein abgasfreies Viertel testen will. „London wäre auch sehr gut geeignet“, sagt Otto-Zimmermann. Dieses Interesse hätte sich der Organisator auch in Berlin gewünscht. Doch weder vom Senat noch vom Bezirk Pankow gab es bisher die nötige Unterstützung. Im Gegenteil: Der Pankower Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) bezeichnete das Projekt im Mai als „Zwangsbeglückung“ und erklärte es schnell für beendet. Otto-Zimmermann sagt: „Die Stadt und ihre Führung muss so ein Festival auch wollen.“ Es fehle die Begeisterung. „In Berlin begegnen uns nur Skepsis, Nachdenklichkeit und Vorbehalte“, sagt er.

Dabei hält der Verband die Stadt, insbesondere Prenzlauer Berg, als besonders geeignet für so ein Öko-Experiment. Berlin sei innovations- und experimentierfreudig und habe die Chance, sich als Stadt der Zukunft zu profilieren, sagt Iclei-Generalsekretär Gino Van Begin.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) betonte noch im Mai 2014, Berlin werde sich bis zum Jahr 2020 zu einem „international anerkannten Vorbild der Elektromobilität entwickeln“. Doch zu den Plänen des Festivals äußerte er sich bisher nicht. „In anderen Städten haben sich die Bürgermeister als Veranstalter an die Spitze gesetzt“, sagt Otto-Zimmermann und stellt nun verärgert klar: „Wir sind keine Bittsteller.“

Prinzip der Freiwilligkeit

Bereits im September 2013 haben die Organisatoren so ein Experiment durchgeführt. In der südkoreanischen Millionen-Metropole Suwon verzichteten damals 4.300 Bewohner eines Stadtteils auf ihre Autos und fuhren mit Rädern und Elektrofahrzeugen. Eine Million Besucher kamen in das abgasfreie Viertel. Die Stadt sanierte in dieser Zeit für neun Millionen Euro die Straßen. Das Motto des Festivals lautete: „Eine Nachbarschaft, ein Monat, keine Autos“.

In Pankow haben SPD und Grüne vergangene Woche nun beschlossen, einen zweiten Anlauf zu starten, damit das Festival doch noch im Mai 2015 am Helmholtzplatz stattfindet. Dann tagt auch der 3. Weltkongress „EcoMobility 2015“ in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg. Die Pankower Politiker betonen, beim Festival müsse nun das „Prinzip der Freiwilligkeit“ gelten, es dürfe keine Gebote und Verbote geben. Wer während des Festivals also weiter sein Auto nutzen will, könne das auch tun.

Für Organisator Otto-Zimmermann wäre das dann aber schon „eine ganz andere Veranstaltung“, sagt er. „Das ist kein Festival, das wir wollen.“ Es klingt, als habe er Berlin längst aufgegeben.

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