Hertha BSC Berlin

Wie kann Hertha gegen Bayern gewinnen?

Es muss schon viel passieren, damit Hertha BSC in München gewinnt. Aber was? Nur Sonderereignisse können den Berlinern helfen. Von verwirrten Trainern und plötzlichen Schneestürmen.

Paul Linke
5 Min
Superbayern: Niemand kann sie auf dem Weg zum nächsten Titel stoppen. Gegen Hertha können sie ja trotzdem mal verlieren.

Superbayern: Niemand kann sie auf dem Weg zum nächsten Titel stoppen. Gegen Hertha können sie ja trotzdem mal verlieren.

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Über die Unmöglichkeit, dass Hertha BSC, immerhin Tabellenvierter, beim ewigen und schon wieder Ersten FC Bayern gewinnt, ist in dieser Woche viel gesagt worden. Selbst Pal Dardai meinte: „Es wäre ein großer Witz, wenn ich sagen würde, wir fahren da hin und dann: Hurra, hurra!“ So wie es aussieht, müsste an diesem Sonnabend also schon ein mittelgroßes Fußballwunder geschehen, müssten auch noch Glück und Zufall im Quadrat addiert werden, damit die Berliner das schöne München als Sieger verlassen. Wie zuletzt beim 2:0 am 29. Oktober 1977, als Gerhard – hurra! – Grau und Bernd – hurra! – Gersdorff für Hertha trafen. Lange her. Zu lange. Es wird Zeit, dass Dardai sich richtig schlapp lachen kann. Aber was muss denn alles eintreten, damit Hertha wieder gewinnt? Eins von diesen fünf Sonderereignissen zum Beispiel.

Zwei Rote Karten: Eine reicht ja leider nicht, denn dass die Bayern zu zehnt wie zu zwölft Hurrafußball spielen können, das haben sie in dieser Saison bereits bewiesen. In Hoffenheim etwa, als der Sekundenschläfer Jérôme Boateng vom Platz flog und seine Mannschaft in Unterzahl aus einen 0:1 ein 2:1 machte. Und dann am Dienstagabend gegen Olympiakos Piräus in der Champions League, als der Tagträumer Holger Badstuber Rot sah und die Bayern ihr 3:0 zur Pause noch mühelos auf ein 4:0 steigern konnten. Nein, es müssen schon mindestens zwei Spieler sein, die der Schiedsrichter vorzeitig und möglichst früh in die Kabine schickt. Nur so könnte es sich Hertha leisten, die aus Kingsley Coman und Arjen Robben oder wem auch immer bestehende Flügelzange zu doppeln, also mit vier Mann in die Klemme zu nehmen. Blöd nur, dass die Bayern auch Zentrumsspieler haben, die einen verstärkten Personenschutz brauchen. Zwei zusätzliche Rote Karten würden sicherlich weiterhelfen – und dann wäre Hertha nur noch einen Platzverweis vom Auswärtssieg entfernt. Denn mit sechs Spielern darf keine Team weiterspielen. Nicht mal die Bayern. Auch wenn sie es könnten.

Drei Torwartfehler: 4:0, 4:0, 5:1, 4:0, 5:1, 5:0, 5:1, 2:1, 3:0 und noch mal 5:0 – macht im Schnitt 4,2:0,4 und wäre ein erwartbares Ergebnis. Jedenfalls haben die Bayern in ihren bisherigen zehn Heimspielen – Liga plus Europa – nicht so viel zugelassen. Alles andere als witzig war der Stadionbesuch vor allem für die angereisten Torhüter. Alles andere als stressig war er dagegen für Manuel Neuer. Wer unterbeschäftigt ist, neigt aber eher dazu, Fehler zu machen, und das ist die Chance für Hertha. Sollte also Neuer nicht mit Rot vom Platz fliegen, besteht noch die Hoffnung, dass er zur Abwechslung mal nicht nur gegen Mönchengladbach vorbei- oder danebengreift. Am besten gleich drei Mal. Und wenn Hertha selbst – hurra! – 1,4 Tore hineinjubelt, dann stünde am Ende vielleicht ein lustiges 4,2:4,4 auf der Anzeigetafel.

Vier Auswechslungen: Die Neunziger waren ein für viele Trainer verwirrendes Regeljahrzehnt. Nie zuvor und nie wieder danach gab es so viele Wechselfehler: Mal waren zu viele Ausländer auf dem Platz, mal zu viele Amateure. Wie vor zwanzig Jahren, als Giovanni Trapattoni den vierten profivertragslosen Jungspieler Dietmar Hamann einwechselte und die Bayern gefühlt 5,2:2,4 gegen Frankfurt gewannen. Am Ende verloren sie das Spiel am grünen Tisch. Für den Rekordjäger Pep Guardiola ist es bestimmt ein Anreiz, diesen Wechselfehlerrekord zu brechen. Besser noch: einen eigenen aufzustellen. Beim Spielstand von etwa 3,2:3,4 könnte er auf die verhängnisvolle Idee kommen, einen seiner vielen rotgefährdeten Mittelfeldspieler durch Philipp Lahm zu ersetzen. Wenn beiden dann noch entgehen sollte, dass Lahm bereits in der Abwehr spielt, wäre Herthas – hurra! – Auswärtssieg beschlossen. Spieler dürfen zwar auf zwei Positionen spielen, aber sie dürfen nicht ein- und wieder ausgewechselt werden.

Fünf Zentimeter: Als es am vergangenen Wochenende zum ersten Mal in diesem Berliner Winter schneite, zeigte Hertha, wie man seinen Gegner kaltstellt und das Ergebnis einfriert. Nach dem 1:0 schoss jedenfalls keiner mehr aufs Tor. Sollten am Sonnabend in München etwa fünf Zentimeter Neuschnee fallen und Hertha dank eines Torwartfehlers von Neuer ein frühes Hurraerlebnis haben, stehen die Chancen nicht schlecht, dass in der Kälte niemand mehr auftaut. So ein Schneesturm könnte als Hurrakan in die Geschichte eingehen.

Sechs Monate: Man sollte zurzeit keine Späße damit machen, aber vielleicht – etwa bei einem Supersuperhurrakan mit fünf Metern Neuschnee! – wird das Ganze ja noch kurzfristig abgesagt. Bei der Neuterminierung des Spiels sollte sich Hertha jedenfalls stark dafür machen, dass es erst in sechs Monaten stattfindet – Ende Mai also, nach dem letzten Spieltag. Das hat viele auswärtssiegbringende Vorteile: Ende Mai nämlich sind die Bayern, die unter Guardiola ja noch nie ein Hinrundenspiel verloren haben, seit drei Monaten Meister und seit zwei Wochen im Halbfinale der Champions League ausgeschieden. Außerdem wären die meisten Spieler bereits mit ihren Nationalteams nach Frankreich unterwegs. Kein Zeitpunkt könnte günstiger sein für das größte Hurra seit 38 Jahren. Da können die Bayern dann auch zu zwölft und mit fünf Amateuren spielen.

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