Herthas Schattenspieler Kalou

„Salomon ist für uns so wichtig, weil er die Tore macht“

Blau-weiße Lebensversicherung: Der Ivorer ist nie greifbar, aber immer anspielbar.

Sebastian Schmitt
3 Min
Alle Augen auf Salomon Kalou: wie hier im Martin Gropius Bau ein gefragter Mann.

Alle Augen auf Salomon Kalou: wie hier im Martin Gropius Bau ein gefragter Mann.

© Sebastian Wells

Manchmal ist lange nichts von ihm zu sehen. Dann schlägt er plötzlich zu. Stürmer Salomon Kalou, 32, bewegt sich oft zwischen den Reihen, pendelt zwischen Mittelfeld und Sturm. Wie ein Phantom oder Schattenspieler, nie greifbar, aber immer anspielbar. Zuletzt zeigte er das gegen Hoffenheim, als Hertha mit dem Rücken zur Wand stand. Kalou köpfte zum 1:1 ein, brachte die Berliner zurück ins Spiel.

„In der Bundesliga gibt es nicht viele Mannschaften, die Spieler mit solch einer Qualität haben“, sagt Chefcoach Pal Dardai. Für den Ungarn ist Herthas Toptorjäger ein Ausnahmeprofi. „Salomon ist für uns so wichtig, weil er die Tore macht.“ 

Magere drei Punkte

In der Tat ist der Ivorer so etwas wie eine blau-weiße Lebensversicherung: Das Tor gegen die Gäste aus dem Kraichgau war bereits sein achtes Saisontor. Kein anderer traf häufiger. Besonders zum Ende der Hinrunde, als Hertha gegen Augsburg in der letzten Minute noch das Remis (1:1) rettete, und mit Siegen gegen Hannover (3:1) und in Leipzig (3:2) besinnliche Weihnachten feiern konnte. In jedem Spiel traf Kalou, gegen Hannover doppelt. Die eingefahrenen Zähler sind umso wichtiger, weil die Berliner mal wieder nicht gut in die Rückrunde gestartet sind. 

Bisher sammelten sie aus vier Spielen magere drei Punkte. Ein Blick auf die kommenden Spieltage, vor allem jene auswärts, zeigt, dass der erste Sieg 2018 weiter auf sich warten lassen könnte: Am Sonnabend müssen die Herthaner zum Tabellenzweiten Leverkusen, zwei Wochen später geht es nach München, bevor sie nur eine Woche später auf Schalke ran müssen. 

„Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir mehr Druck ausüben“

Hoffnung, dass der erste Dreier bereits diese Woche eingefahren werden kann, schöpft Kalou vor allem aus der zweiten Halbzeit gegen Hoffenheim. „Die ist ein gutes Beispiel, wie ich es mir wünsche“, sagt der Champions-League-Sieger von 2012 mit dem FC Chelsea. Dardai stellte Davie Selke, dem neuen Platzhirsch im Sturmzentrum, seinen Vorgänger und Kapitän Vedad Ibisevic an die Seite.

Eine Minute später köpfte Kalou den Ausgleich. „Mit Vedad war es einfacher, weil er den Ball halten kann“, beschreibt Kalou die Auswirkungen der Umstellung. „Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir mehr Druck ausüben“, plädiert er für ein dauerhaftes System mit zwei Stürmern. „Spielen wir so, können wir in Leverkusen gewinnen.“

„Das wird nicht leicht"

Der charismatische Linksaußen spielt seit vier Jahren für Hertha. Verlass war auf ihn immer: In 120 Spielen traf er 39 mal und bereitete zehn Treffer vor – in fast jedem zweiten Spiel ist Kalou an einem Berliner Tor beteiligt. Nur für Chelsea (254 Spiele) hat er öfter gegen den Ball getreten. Kalou kennt die Bundesliga nun gut. „Jeder kann jeden schlagen. Alles ist möglich, jedes Spiel ist anders“, fasst er die Leistungsdichte zusammen.
Auch deswegen geht er die kommenden Spiele zuversichtlich an.

Gepaart mit dem Wunsch, dass Dardai offensiver spielen lässt, hofft Kalou, dass sich das immer jünger werdende Berliner Team in der Rolle des Außenseiters vielleicht wohler fühlt. Dann sei auch eine Überraschung möglich. „Das wird nicht leicht. Aber wir haben in diesen Spielen keinen Druck. Vielleicht können wir deswegen punkten“, sagt Kalou, wohl wissend, dass die Chancen noch besser stehen, wenn er seine Quote hält.

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