Fußball: Zweite Bundesliga

Hertha BSC: Die Frage nach dem Aufstieg ist für Pal Dardai eine Provokation

Die Mannschaft des Hertha-Trainers zeigt in Braunschweig erneut, weshalb es in dieser Saison nicht für höhere Tabellenregionen reicht.

BLZ mit dpa
4 Min
Andreas Bouchalakis (r.) leitete mit seinem Fehlpass das 0:1 ein – nicht sein erster Fehler im Trikot von Hertha BSC.

Andreas Bouchalakis (r.) leitete mit seinem Fehlpass das 0:1 ein – nicht sein erster Fehler im Trikot von Hertha BSC.

© Jan-Philipp Burmann/City-Press

Fabian Reese schmiss verärgert seine Trinkflasche auf den Rasen. Der emsige Arbeiter und Flügelsprinter von Hertha BSC ärgerte sich über den vergebenen dritten Sieg in Folge beim 1:1 bei Eintracht Braunschweig. „Es war nach unserem Ausgleich ein Spiel auf ein Tor – so sind es unter dem Strich zwei Punkte zu wenig für uns“, sagte Reese nach dem Spiel, in dem Hertha einmal mehr zeigte, dass für einen möglichen Eingriff in den Aufstiegskampf die nötige Beständigkeit fehlt.

Mit 33 Punkten liegt Hertha nach dem 23. Spieltag in der 2. Liga neun Zähler hinter einem direkten Aufstiegsrang. „Zwölf Spiele, zwölf Siege.“ Diese mutige Forderung Reeses vor der Partie in Braunschweig für das letzte Saisondrittel ist jedenfalls gleich nach dem ersten Auftritt bei der Eintracht futsch.

Pal Dardai will von Aufstiegsträumen gar nichts hören

Hertha-Trainer Pal Dardai will von Aufstiegsträumen sowieso nichts wissen und sieht die Frage nach der Bundesliga-Rückkehr der Berliner als Provokation an. „Wenn Hertha aufsteigen soll, müssen wir zehnmal gewinnen. Wir schaffen es ja nicht mal, dreimal zu gewinnen“, sagte Herthas Rekordspieler und verwies auf den vergangenen Dezember, als Hertha nach zwei Siegen hintereinander zum Jahresabschluss nur ein torloses Remis gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten VfL Osnabrück zustande brachte: „Es war wieder eine Lähmung da, wie vor dem Spiel in Osnabrück. Dieses Mal haben wir von Anfang eine Blockade gehabt, waren gelähmt und haben uns versteckt.“

Dabei seien es nicht die jungen Spieler wie Pascal Klemens, Linus Gechter oder die Dardai-Brüder, die zu Fehlern oder Passivität neigen: „Die machen keine Fehler. Wie die uns helfen, ist riesig.“ Dardai kritisiert die vermeintlichen Führungsspieler, die er auf dem Platz als verlängerten Arm des Trainers vermisst. Wie den 30-jährigem Andreas Bouchalakis, der mit seinem Fehlpass im eigenen Strafraum das frühe Gegentor durch Fabio Kaufmann (14. Minute) ermöglichte und damit die Lethargie der Mannschaft im ersten Spielabschnitt verdeutlichte.

„Ob es Kopf oder Qualität ist? Unsere zentralen Spieler waren gelähmt in der ersten Halbzeit. Wenn ich Sechser bin, dann heißt es scannen, das heißt Schulterblick. Mein Spieler, wie schon in Kaiserslautern, spielt den Ball und es klingelt. Das ist schon eine Frage der Qualität. Zur Halbzeit war ich froh, dass es nur 1:0 stand“, sagte Dardai, „dann haben wir viel geändert und es ist eine andere Mannschaft auf den Platz zurückgekommen.“

Auf eine lautstarke Ansage an seine Spieler aber verzichtete der Trainer, sprach das Gesehene sachlich an: „Einige haben gedacht, dass ich in der Pause schimpfen werde und dass die Tafel kaputtgeht. Aber ich bin ganz ruhig geblieben. Ich habe nur über taktische Dinge geredet. Ich habe nur gesagt, ihr seid wieder wie gelähmt“, so Dardai, der in der Halbzeit zwei personelle Veränderungen vornahm.

Haris Tabakovic und Ibrahim Maza bringen Tempo ins Hertha-Spiel

Mit der Einwechslung von Haris Tabakovic und Ibrahim Maza nahm seine Mannschaft Tempo auf, die sieben Minuten nach Wiederanpfiff mit dem Ausgleich durch den erst 18 Jahre alten Maza mit dessen erstem Ligatreffer im dritten Einsatz belohnt wurde. „Der Trainer musste in der Pause nicht viel sagen, nach dieser ersten Hälfte hatten wir etwas gutzumachen, mussten ein anderes Gesicht zeigen“, sagte Reese. Aber auch dieses Gesicht reichte nicht zum Sieg – trotz Überzahl nach der Roten Karte des Braunschweigers Hazan Kurucay (77.). „Die richtige Großchance war nicht da“, sagte Dardai, der mit dem Überzahlspiel nicht zufrieden war und den Punkt in Braunschweig, den er schon vor dem Spiel prognostiziert hatte, gerne mitnahm: „Wir sind im Soll.“

Im Gegensatz zum Trainer hat der ambitionierte Reese, der am Donnerstag seinen Vertrag bei den Berlinern vorzeitig bis 2028 verlängert hatte, den Traum vom Aufstieg mit Hertha noch nicht aufgegeben. „Es bleiben elf Spiele, die Marschroute ist unverändert. Wir brauchen Siege und sollten damit am Freitag anfangen“, sagte der Außenstürmer vor dem Duell gegen den Tabellenzweiten und Reeses ehemaligen Verein Holstein Kiel (18.30 Uhr, Sky). Lähmungen dürfen sich die Spieler dann nicht erlauben.

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