Zweite Fußball-Bundesliga

Hertha BSC: Die weiter offenen Fragen um Pal Dardai überdecken die Saison

Auf dem Platz verabschiedet sich Hertha BSC mit einem Sieg für diese Saison aus dem Olympiastadion. Doch neben dem Feld sorgen zwei Aufreger für Gesprächsstoff.

BLZ mit dpa
4 Min
Worauf sich Sportdirektor Benjamin Weber, Trainer Pal Dardai und Geschäftsführer Thomas E. Herrich (v.l.) in ihren Gesprächen geeinigt haben, ließ Hertha BSC vor und nach dem Spiel offen.

Worauf sich Sportdirektor Benjamin Weber, Trainer Pal Dardai und Geschäftsführer Thomas E. Herrich (v.l.) in ihren Gesprächen geeinigt haben, ließ Hertha BSC vor und nach dem Spiel offen.

© City-Press

Warmer Applaus begleitete Trainer Pal Dardai beim Gang in die Katakomben des Berliner Olympiastadions. Doch ist es ein Abschied auf Dauer oder nur ein „Auf Wiedersehen“ bis zur nächsten Saison? Das blieb auch nach dem souveränen 3:1 (2:1) von Hertha BSC gegen den 1. FC Kaiserslautern am vorletzten Spieltag der Zweiten Bundesliga offiziell unklar.

Pal Dardai ist traurig

Zumindest in den Worten von Geschäftsführer Thomas E. Herrich: „Wir haben vertrauliche Gespräche in dieser Woche geführt, die sportliche Leitung. Wir haben gesagt, dass wir die in der kommenden Woche fortsetzen werden. Wenn es etwas zu vermelden gibt, vermelden wir das“, sagte der 60-Jährige. Zuvor hatten am Samstagvormittag übereinstimmende Medienberichte ein anderes Bild gezeichnet: Es sei beschlossene Sache, dass der Ungar in der kommenden Saison nicht mehr auf der Bank der Berliner sitze, hieß es.

Auch Dardai vermied vor und nach der Partie sowohl eine explizite Bestätigung als auch ein Dementi. Zwischen den Zeilen klang aber alles nach einem Abgang. „Für mich ist es ein normaler Tag. Ich bin 30 Jahre hier. Das ist meine 120. Verabschiedung hier“, sagte die Klub-Legende, die seit 1997 mit kurzen Unterbrechungen für die Hertha tätig ist. Im Sommer läuft Dardais Vertrag aus.

Er werde jetzt den Tag mit seiner Familie und seinem Hund genießen. „Dann trinke ich ein Bier, später Wein und Zigarre“, sagte er. Von Sonntag bis Dienstag hat die Mannschaft frei, danach gehe die Vorbereitung auf das letzte Saisonspiel in Osnabrück los. Stolz sei er auf die Arbeit der Mannschaft wie auch auf seine eigene und die des Trainerstabs in einer schwierigen Saison. Es klang auch wie eine Verteidigung der durchwachsenen und schwierigen Spielzeit. „Ich bin immer ein Mensch, der positiv denkt. Ich bin traurig, wir haben viel aufgebaut. Ein Jahr habe ich mit den Jungs trainiert und weiterentwickelt, aber so ist das Trainerleben“, hatte Dardai vor dem Spiel am Mikrofon von Sky gesagt.

Die Namen möglicher Nachfolger kursieren schon seit Wochen in den Medien. Aussichtsreiche Kandidaten sollen demnach der derzeitige Nürnberg-Coach Cristian Fiél und der ehemalige Augsburger Trainer Enrico Maaßen sein. „Ich habe ja Vertrag hier, deshalb mache ich mir darüber keine Gedanken“, antwortete Fiél nach dem Spiel seiner Mannschaft auf eine Nachfrage dazu.

Drei Hertha-Tore und großer Fan-Zuspruch

In Berlin geriet auch etwas in den Hintergrund, dass sich Hertha mit einer der besten Saisonleistungen für die große Unterstützung der Fans bedankte. Torjäger Haris Tabakovic per Foulelfmeter (19. Minute), Jeremy Dudziak (45.+3) und Fabian Reese (67.) trafen am vorletzten Spieltag der Zweiten Bundesliga für die Gastgeber. Marlon Ritter hatte zwischenzeitlich per direktem Freistoß ausgeglichen (39.).

Als komplette Revanche für das enttäuschende Aus gegen die Lauterer im Pokal-Viertelfinale Ende Januar dürfte das Spiel aber nicht taugen. Der FCK trifft im Finale im Olympiastadion am 25. Mai auf den neuen Meister Bayer Leverkusen.

Mehr als 67.000 Fans kamen am Sonnabend ins Stadion, obwohl es sportlich für Hertha um nichts mehr ging. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Hauptstadtklub auf dem Platz zu selten sein Potenzial abrief – eines der Argumente, die Kritiker immer wieder gegen Dardai vorbrachten.

Hertha BSC reagiert auf Spekulationen um den Investor

Dazu kommt eine weitere Baustelle abseits des Platzes. Zuletzt hatte es Medienberichte über Probleme bei anderen Klubs gegeben, die ebenfalls mit dem Hertha-Investor 777 zusammenarbeiten. Mancherorts regte sich auch Protest. Auf Nachfragen der Fans reagierte Hertha noch vor der Partie. „An dieser Stelle gilt es festzustellen, dass die 777 Football Group sämtliche vertraglichen Verpflichtungen gegenüber uns nicht nur erfüllt, sondern sogar vereinbarte Zahlungen frühzeitig geleistet hat“, teilte der Verein mit.

Die Investoren aus den USA seien für Hertha ein vertragstreuer Partner. „Wir beteiligen uns auch nicht an Spekulationen aus der Presse“, ergänzte Herrich zu diesem Punkt. Um alles andere als Spekulationen aber handelt es sich bei den Medienberichten vom Samstagvormittag zur Trainerfrage. Die lässt der Verein vor dem letzten Saisonspiel weiter offen, obwohl sie doch offenbar intern schon beantwortet ist. Pal Dardai und den Fans von Hertha BSC hat das die Chance genommen, sich richtig voneinander zu verabschieden.

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