Angenommen also, man würde gemütlich bei einem Bier zusammensitzen, und das Olympiastadion müsste plötzlich erst seufzen, schluchzen und dann anfangen, diese Geschichte zu erzählen. Wie seine große Liebe, diese Hertha B., am Donnerstag vorbeigekommen ist und sagte: „Hey, Oly, wir hatten ja echt ne hammergeile Zeit, weeste noch, Champions League und so, aber mal ehrlich, wir passen nicht mehr zusammen, trotz deiner Größe hab’ ich so ein Gefühl, dass du mich einengst, sorry, aber hey, tu mir doch bitte den Gefallen und bleib noch acht Jahre bei mir, bis ich was Besseres gefunden habe, okay, Oly?“
Futsch ist der Kontakt zu Platz vier
Leider kann das Olympiastadion nicht sprechen. Und dass am Freitagabend vor dem Spiel der treulosen Hertha gegen Hoffenheim das Netz, die Musikanlage und die Beleuchtung unter dem Dach aussetzten, das lag vielleicht an einem bissigen Marder im Sicherungskasten oder daran, dass es neue Sparziele gibt im Westend, aber ganz bestimmt nicht daran, dass da jemand traurig war. Und ein bisschen zickig auch. „Nur nach Hause gehen wir nicht“ … seufz, schluchz.
Jetzt aber Schluss mit der Gefühlsduselei. Der Abend solle nämlich „Berlins fetteste After Work Party werden“, so stand es zumindest in der Spielankündigung des Partyhauptstadtklubs. Und gefeiert wurde am Ende ja tatsächlich. Nur eben nicht vor der Ostkurve. Hertha verlor 1:3 (1:1) und so den Kontakt zu Platz vier. Trainer Pal Dardai sagte: „Nach der Roten Karte hat uns der liebe Gott geholfen. Leider ist zum Schluss nicht mehr rausgekommen. Verdienter Sieg für Hoffenheim. Die Champions League ist ein Tick zuviel für uns.“
Berlins Per Skjelbred (l) und Vladimir Darida und Hoffenheims Kerem Demirbay (M.) kämpfen um den Ball.
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Den ersten Hit des Abends legte aber Alexander Esswein auf. Gut eine Viertelstunde war gespielt, als der Flügelspieler den einzigen Fußballtanzschritt zeigte, den auch wirklich jeder Kreisligakicker beherrscht: Ball rechts, selbst links vorbei. Doch weil Esswein bekanntlich international schnell ist, ging alles gut. Der Flachpass in den Rücken der Hoffenheimer Abwehr kam an. Nur Salomon Kalous Schuss wollte nicht über die Linie, weil zu einem Rücken immer auch ein Bauch gehört.
Egal, Esswein kennt eine zweite Einlage, die in den Niederungen des Fußballs gerne in Perfektion gezeigt wird. Nach gut einer halben Stunde trat er also mit so viel Effet am Ball vorbei, dass dieser nicht anders konnte, als bei Peter Pekarik zu landen, der ihn dann wohl aus Mangel an Alternativen ins kurze Eck beförderte. Denn das war wirklich der allerunwahrscheinlichste Torfall, der eintreten konnte.
Handspiel, Elfmeter, Gelbe Karte
Pekarik hat in seinen zuvor 114 Spielen für Hertha genau nullmal getroffen. Genauso oft übrigens wie nur Maximilian Mittelstädt, allerdings in 104 Spielen weniger. Dafür hat der Linksverteidiger nur wenige Minuten später ein erstes Tor verschuldet. Handspiel, Elfmeter, Gelbe Karte und der Ausgleich durch Andrej Kramaric. Danach wurde der Dancefloor erst mal geschlossen.
In der Pause zeigten die Fans mal wieder ihre Abneigung gegen die Trikotfarbe Pink. Eine auf Tapete gedruckte Liebeserklärung an das, schnief, Olympiastadion war nicht zu sehen. Auch kein Wort zu Brandenburg. Vielleicht war die Vorbereitungszeit zu knapp. Die zweite Partyhälfte begann dann mit vielen harten Schritten und Tritten, aber das gestreckte Bein von Mittelstädt war eher am Ball interessiert als an Hoffenheims Nadiem Amiri.
Berlins Mannschaftskapitän Vedad Ibisevic (r) hält sich nach dem Platzverweis für Mittelstädt die Hände vors Gesicht.
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Der Schiedsrichter sah die Szene trotzdem anders und schickte Mittelstädt mit Gelb und Rot in die After Hour. Eine halbe Stunde ging es ja noch weiter. Und erst mal mit zwei dumpfen Bassschlägen, weil Kramaric die Latte und im Nachschuss den Pfosten getroffen hatte. Kerem Demirbay, noch mal Pfosten, machte daraus einen Hoffenheimer Dreiklang. Wäre Torwart Rune Jarstein nicht katzenhaft schnell unten und oben und wieder unten gewesen, dann hätte es auch richtig geklingelt.
Niklas Süle traf
Der seine Ärmchen nur kurz bedeckende, dafür mit Daunenjacke ausgestattete Julian Nagelsmann, hatte mehrmals zum Tänzchen angesetzt. Doch erst fünfzehn Minuten vor dem Ende musste der Gästetrainer seine Jubelbewegung nicht mehr abwürgen. Niklas Süle hatte nicht die Latte, nicht den Pfosten, sondern den Winkel getroffen. Ein echter Partyblocker war das schon, und noch mieser wurde die Stimmung, als Kramaric kurz vor Schluss das 1:3 erzielte. Da hatte das Olympiastadion nichts mehr zu sagen.
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