Das Team von Trainer Jos Luhukay hätte dieses Duell gegen eine Mannschaft, die immer mehr Richtung Liga-Spitze marschieren will, durchaus gewinnen können. Es hätte auch ein Remis geben können, mit dem sogar VfL-Trainer Dieter Hecking einverstanden gewesen wäre. Der sagte: „Mit einem 1:1 wäre ich zufrieden gewesen.“ Doch Hertha BSC verlor gar noch diesen Fight nach einer 1:0-Führung mit 1:2, weil die Mannschaft a) die Effizienz bei zahlreichen Chancen vermissen ließ, b) wieder einmal bei einer Standardsituation, dieses Mal nach einem Eckball, nicht auf der Höhe war und c) weil der VfL das Team mit der insgesamt höheren Qualität, Cleverness und Kompaktheit darstellte. Herthas Manager Michael Preetz klagte: „Das ist sehr ärgerlich. Es ist nicht das erste Mal, dass wir gegen eine Spitzenmannschaft das bessere Team sind und verlieren. Uns hat nach der Führung das zweite Tor gefehlt.“
Klassische Aufstellung bei Hertha
Luhukay hatte vor dem Spiel eindringlich vor Wolfsburg gewarnt und wie selten zuvor die Qualitäten der Gäste gepriesen. „Die gehören zu den Besten der Liga, und sie werden in Zukunft nicht aufzuhalten sein. Sie besitzen sehr große Möglichkeiten.“ Berlins Trainer vertraute zu Beginn im Olympiastadion vor 40 648 Zuschauern der Elf, die vor einer Woche 3:0 beim Hamburger SV gewonnen hatte. Doch er verzichtete gestern auf überraschende Experimente und stellte die meisten Profis im Gegensatz zum Auftritt in Hamburg wieder auf ihre angestammten Positionen. So verteidigte Peter Pekarik wieder auf der rechten und Johannes van den Bergh auf der linken Seite. Dafür rückte der oft umständlich agierende Sami Allagui auf die linke Außenbahn und Marcel Ndjeng auf die rechte offensive Seite.
Hertha begann forsch, und VfL-Coach Hecking monierte später, dass sich seine Mannschaft „schwer getan hat, ins Spiel zu kommen – vom Kopf und von den Beinen her“. Folgerichtig fiel das 1:0 für Hertha BSC (20.). Nach Vorarbeit von Adrián Ramos und Sami Allagui und viel Verwirrung im VfL-Strafraum kam der fleißige Norweger Per Skjelbred zum Schuss. Sein erster Versuch wurde noch im Getümmel abgeblockt, sein Nachschuss saß. Es war der zweite Saisontreffer für die Leihgabe des Hamburger SV, der ebenso wie Cigerci im Sommer von Preetz endgültig verpflichtet werden soll.
Danach hätte der heftig umworbene Adrián Ramos wieder einmal zum Helden des Spiels werden können, doch dem Kolumbianer versagten die Nerven. Nach einem Fehlpass von Slobodan Medojevic stürmte Ramos plötzlich frei Richtrung VfL-Torhüter Diego Benaglio und versuchte sich an einem filigranen Heber. Doch der Ball flog über das Tor (35.). Es war nicht die letzte gute Chance für den Torjäger, aber auch andere Berliner Profis gingen zu leichtfertig mit besten Gelegenheiten um – so wie Allagui und der eingewechselte Änis Ben-Hatira.
Dritte Niederlage nach vier Rückrundenspielen
„Heute war entscheidend, dass wir nicht die letzte Entschlossenheit zum zweiten Tor hatten“, bemängelte Jos Luhukay. Das aber war nur die eine negative Geschichte. Beim 1:1 durch einen Kopfball nach Ecke stand der Schütze Robin Knoche – immerhin 1,90 Meter groß – völlig frei und köpfte den Ball locker ein (59.). Das 1:2 nach 78 Minuten entsprang einem Sonntagsschuss von Daniel Caligiuri und untermauerte die enorme Effizienz des VfL.
Herthas Innenverteidiger Sebastian Langkamp, der eine gute Partie ablieferte, schimpfte: „Beim Eckball darf der Knoche nicht völlig frei stehen. Das kann nicht sein.“ Und Kapitän Lewan Kobiaschwili, der erneut den verletzten Fabian Lustenberger vertrat, sagte: „Entscheidend war, dass uns das 2:0 nicht gelungen ist, aber dann hätten wir wenigstens das 1:0 nach Hause bringen müssen.“ Jos Luhukay wollte seinem Team aber keine Vorwürfe machen. Dennoch bleibt unterm Strich die dritte Niederlage im vierten Rückrundenspiel. „Bitter“ lautete das meistgebrauchte Wort danach.
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