Es gibt zwei Arten von Fußballspielen um herauszufinden, wo eine ambitionierte Mannschaft wie Hertha BSC in der Hierarchie der Bundesliga gerade angesiedelt ist. Die eine ist ein Heimspiel gegen ein Team wie Borussia Mönchengladbach, wo es zu beweisen gilt, dass man in der Lage ist, solch einen Gegner im eigenen Stadion in Schach zu halten, zu dominieren und zu besiegen. Bei dieser Prüfung ist Hertha vor einer Woche glatt durchgefallen. Die andere ist ein Auswärtsspiel bei einem Abstiegskandidaten wie Hannover 96, wo alles andere als ein dreifacher Punktgewinn als Misserfolg abgebucht werden darf. Hier gilt es, nicht wie ein furchtsamer Gast anzutreten, sondern entschlossen, selbstbewusst und offensiv. Das klappte am Freitagabend etwas besser.
Hertha-Trainer Pal Dardai hatte sich Einiges einfallen lassen, um Hannovers Trainer Michael Frontzeck zu verwirren, und kräftig umgestellt. In der Viererkette durfte sich mal wieder John Anthony Brooks versuchen, dafür rückte Fabian Lustenberger neben Per Skjelbred vor die Abwehr. Im offensiven Mittelfeld tummelte sich Vladimir Darida, der ja dank seiner Lauffreudigkeit locker zwei Positionen gleichzeitig spielen kann. Rechts verteidigte für Mitchell Weiser der 19-jährige Yanni Regäsel, der vorige Saison noch in der A-Jugend spielte, Weiser wurde im Sinne kürzerer Wege weiter vorn postiert.
Der ziemlich furchtlos agierende Regäsel bereitete mit einem Solo über rechts in der 7. Minute die erste Torannäherung der Hertha vor. Und drei Minuten später gleich noch die zweite durch Genki Haraguchi, der anstelle des gesperrten Vedad Ibisevic neben Kalou stürmte und relativ frei den Ball im Strafraum bekam (10.). Unglücklicherweise ist der Japaner abschlussmäßig kein Ibisevic.
Ungeschickte Zweikampfführung
Es war beileibe kein Sturmlauf, den die Berliner aufführten, aber sie übernahmen von Beginn an die Kontrolle, hielten Hannover zunächst relativ mühelos auf Distanz und versuchten mit ausdauernden Quer-vorwärts-zurück-und-wieder-quer-Kombinationen Löcher in Hannovers Abwehrverbund zu rupfen. Das wirkte alles nicht sehr rasant, reichte aber, um den harmlosen Gegner und dessen Publikum weitgehend einzuschläfern. Gerade als sich einige Unkonzentriertheiten ins Hertha-Spiel einzuschleichen begannen und 96 etwas munterer wurde, fiel in der 33. Minute das 1:0 für die Gäste. Typischerweise durch einen Konter, Ausgangspunkt ein Ballgewinn und Einwurf von Regäsel, über Haraguchi und Kalou, den der Ivorer geschickt abschloss.
Hannover 96 braucht offenbar einen kräftigen Pausentee, um ins Rollen zu kommen. Schon eine Woche zuvor hatten sie die Partie beim Hamburger SV nach grauenvoller erster Halbzeit gedreht, auch diesmal spielten sie nun druckvoller, Hertha lief nur noch hinterher. Aber wieder traf Kalou nach einem Konter, sein Tor in der 60. Minute beendete die kleine 96-Offensive.
Es brauchte eine sehr ungeschickte Zweikampfführung von Marvin Plattenhardt gegen Uffe Bech, um die Gastgeber durch Hiroshi Kiyotakes Elfmeter ins Spiel zu bringen (70.). Eine weitere ungeschickte Zweikampfführung, diesmal von Marcelo gegen Weiser, ermöglichte Kalou per Strafstoß seinen dritten Treffer (87.).
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