Pal Dardai ist dafür bekannt, immer einen flotten Spruch auf den Lippen zu haben. Auf die Frage eines Journalisten, ob denn eine mögliche Doppelspitze im Auswärtsspiel am Sonnabend bei Hannover 96 (15.30 Uhr) eine Rolle in seinen Überlegungen spiele, zog Dardai anerkennend die Augenbraue und sagte: „Sehr gute Frage. Langsam muss ich echt darüber nachdenken, dich mit in die Trainerkabine zu nehmen.“
Dardai, der mit Hertha BSC seit sechs Spielen auf einen Sieg wartet, hatte die Lacher mal wieder auf seiner Seite. Und dann gab der Übungsleiter auch noch recht ungewohnt offene Einblicke in seine Spielvorbereitungen. Man habe im Training, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, so geübt, ja. Deshalb sei die Doppelspitze mit Vedad Ibisevic und Davie Selke eine ernsthafte Überlegung. „Beide funktionieren gut zusammen. Ich werde noch mal drüberschlafen und in meinen Bauch hören.“
Der Bauch entscheidet also. Und gute Gründe, dass dieser Ja zur Doppelspitze sagt, lieferte Dauerjoker Selke zuletzt selbst. Beim wilden 3:3 gegen Hoffenheim ging nach Selkes Einwechslung ein regelrechter Ruck durch die Mannschaft. Der U21-Nationalspieler, der nach schwerer Lungenverletzung im Juli wieder auf dem besten Wege zu alter Stärke ist, bereitete den Anschlusstreffer von Mathew Leckie vor und hatte kurz vor Schluss sogar das Siegtor auf dem Fuß. „Ich habe gezeigt, dass ich komplett fit bin. Mehr kann ich nicht machen“, findet Selke. Über den elf Jahre älteren Ibisevic, der schon fünf Treffer erzielt hat, sagt Selke anerkennend. „Er macht das überragend. Aber wir können das auch zusammen.“
Torunarigha fürLuckassen, Plattenhardt statt Mittelstädt
Seit dem 28. September, dem furiosen 2:0 gegen den FC Bayern, warten die Herthaner auf einen Ligaerfolg. In Hannover sollen neben Selke und Ibisevic auch Marvin Plattenhardt und Jordan Torunarigha die Wende bringen. Ersterer, das verriet Dardai, werde anstelle des nach einer Gelbsperre zurückgekehrten Maximilian Mittelstädt spielen. „Wir brauchen seine Standards“, sagt der Trainer. Und in der Innenverteidigung wird der 21-jährige Torunarigha nach elf Wochen sein Startelf-Comeback feiern. Der DFB-Juniorennationalspieler verdrängt den formschwachen Derrick Luckassen und soll für Stabilität sorgen. Schließlich kassierte Hertha in den letzten drei Spielen zehn Treffer und damit genau so viele wie in den ersten neun (!) Spielen. „Die Mannschaft muss die Balance zwischen Offensive und Defensive finden“, meint Manager Michael Preetz, der guter Dinge ist. „Ich habe das Gefühl, dass wir langsam mal wieder dran sind.“ Wieder so eine Bauchsache.
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