Hahohe

Karrieren am Tabellenende

Was aus den Ex-Herthanern Okoronkwo und Ben-Hatira geworden ist.

Michael Jahn
4 Min
Die Ex-Herthaner Solomon Okoronkwo (l.) und Änis Ben-Hatira.

Die Ex-Herthaner Solomon Okoronkwo (l.) und Änis Ben-Hatira.

© dpa/Collage: BLZ

Am zurückliegenden Sonnabend war ich mit dem Abschied meines Lieblingsspielers Marcelinho beschäftigt. Im Spielerhotel, dem noblen „Titanic“ am Gendarmenmarkt, liefen mir ja sämtliche Profis über den Weg, die beim großen Abschiedsspiel für den Brasilianer dabei sein wollten und sich später ein schönes Duell lieferten, das ja bekanntlich mit 8:7 für eine Auswahl aus Brasilien gegen eine Hertha-All-Star-Truppe endete. Es war wie bei einem riesigen Klassentreffen.

Ich traf etwa die beiden Weltmeister mit der Selecao von 1994 in den USA, die Brasilianer Carlos Dunga und Paulo Sergio. Als Dunga damals in Los Angeles im Rose-Bowl-Stadion von Pasadena den goldenen WM-Pokal nach dem Finale gegen Italien (0:0/3:2 nach Elfmeterschießen) in die Höhe reckte, war ich als Reporter der Berliner Zeitung vor Ort. Eine tolle, eine aufregende Zeit. Auch mit solch erfolgreichen Profis wie Giovane Elber oder dem stets etwas verrückten Ailton konnte ich kurz sprechen. Und natürlich mit vielen ehemaligen Hertha-Recken.

Im Hotel war eine illustre Truppe versammelt mit einst glanzvollen Fußballern. Es waren aber auch Spieler dabei, die noch am Ball sind und eine schier unendliche Liste an Vereinen als Arbeitgeber in ihrer Vita zu stehen haben und deren Karriere sicherlich nicht nach Plan gelaufen ist. Viele Einschnitte säumen ihren Weg.

Immer kleinere Vereine

Solch ein Beispiel ist der immer lustige Nigerianer Solomon Okoronkwo, der im Abschiedsspiel von Marcelinho immerhin drei Tore schoss. Der inzwischen 30-jährige Stürmer kam als junger, schlaksiger Mann einst zu Hertha, spielte von 2005 bis 2008 in der Ersten Liga, schaffte 39 Spiele und vier Tore. Ein großes Talent!

Als er Berlin schließlich verließ, weil er sich in der Ersten Bundesliga nicht durchsetzen konnte, ging seine Leistungskurve nach unten und die Vereine, in denen er sein Geld verdiente, wurden immer kleiner und unbedeutender. Sie hießen Rot-Weiß Essen, Saturn Ramenskoje in Moskau, Aalesund FK in Norwegen, Pecsi FC in Ungarn, Erzgebirge Aue, SV Sandhausen, 1. FC Saarbrücken. Seit Januar 2017 stürmt er für die TSG Neustrelitz in der Regionalliga Nordost. Beim abgeschlagenen Tabellenletzten, der vor dem Abstieg in die Oberliga steht!

Noch am Sonnabend also spielte Solomon, ein sympathischer Typ, im Olympiastadion erfrischend beim Marcelinho-Abschied, am Sonntag verstärkte er Neustrelitz im Duell gegen Meuselwitz (2:2) vor 454 Zuschauern. Egal, wo er spiele, er gebe immer alles, sagte mit Solomon. Immerhin hat er eine olympische Silbermedaille zu Hause im Schrank. 2008 in Peking spielte er bei Olympia für Nigeria, absolvierte alle sechs Spiele und stand im Endspiel gegen Argentinien (0:1). Das kann ihm niemand mehr nehmen.

Ben-Hatira bald Café-Besitzer?

Auch der umstrittene Änis Ben-Hatira, 28, lief mir über den Weg. Der Mann, der an guten Tagen bei Hertha die Gegner mit seinen Tricks und seinem Tempo schwindlig spielen konnte, war gut gelaunt. Seine Stationen als Profi: Hamburger SV, Hertha BSC, Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98. In Darmstadt trennten sich die Wege von Spieler und Verein in der Winterpause. Ende Januar kam er in der türkischen Süper-Lig unter und spielt beim Tabellenletzten Gaziantepspor in Südanatolien. „Es war der einzige Klub, der mich im Winter noch kurzfristig verpflichtet hat“, sagte mir Änis. Er fühle sich dort wohl, sei gut aufgenommen worden.


Ha-Ho-He

Michael Jahn war mehr als zwanzig Jahre als Hertha-Reporter der Berliner Zeitung am Ball. Noch immer verfolgt er genau den Weg des populärsten Berliner Fußballvereins. Jede Woche widmet sich Jahn an dieser Stelle in seiner Kolumne Ha-Ho-He den Ereignissen rund um den Ball.


Der Abstand zu den Plätzen 17 und 16 in der Liga beträgt nur je einen Punkt und Ben-Hatira glaubt fest an den Klassenerhalt. Sein Vertrag läuft bis Saisonende. In der Millionenstadt Gaziantep gehe es friedlich zu, berichtete er. Im nächsten Spiel, am 2. April, trifft er mit seinem Team auf Osmanlispor in Ankara. Dort ist Jürgen Röber der Sportdirektor.

Mir fiel noch ein Zeitungsbericht aus Gießen in die Hände. Dort heißt es, dass Ben-Hatira mit seinem Freund, dem Basketballer Achmadschah Zazai (einst Gießen46ers, derzeit beim Mitteldeutschen BC) in Gießens Innenstadt ein Café aufmachen werde. Na Bitte! Karrieren nehmen oft einen ungewöhnlichen Verlauf und gehen längst nicht immer steil nach oben. Das war bei einigen Akteuren rund um das Abschiedsspiel von Marcelinho gut zu beobachten.

Darauf ein etwas wehmütiges Ha-Ho-He!

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