Wie wurde das Kuscheln erfunden? Was will die Seele essen? Wie gehen kleine Tiere schlafen? Wo geht’s denn hier zum Glück? Und überhaupt: Wieso, weshalb, warum? Zu jeder Frage scheint es ein Buch zu geben. Zu einer gibt es allerdings keins: Wie schlägt man den FC Bayern? „Ich war sogar in der Bibliothek“, sagt Pal Dardai, Trainer von Hertha BSC. „Ich habe dieses Buch gesucht – gibt es nicht.“ Eine Antwort will er trotzdem finden.
München ist für die allermeisten Mannschaften in den allerseltensten Fällen eine Fußballreise wert. Und früher, in seinem ersten Amtsjahr, so erzählt es Dardai vor dem Sonnabendspiel beim mal wieder nächsten Meister, war das so, dass seine Spieler am liebsten gar keine Tasche mitgenommen hätten. „Schnell hin, schnell zurück, bloß nicht übernachten.“ Das galt auch für die Auswärtsabenteuer in Dortmund. Und heute? Haben sie nicht nur ein bisschen Hoffnung im Gepäck. „Heute“, sagt nämlich Dardai, „haben wir den Mut, die Gier und die Qualität, etwas mitzunehmen.“
Zwei Auswärtsauftritte belegen diese These. Im Dezember gewann Hertha in Leipzig, zuletzt auch in Leverkusen. Der Eindruck, dass es Dardais Mannschaft gegen schwere Gegner leichter fällt, zu Chancen und Toren zu kommen, ist so falsch nicht. Zum Gesamtbild gehört aber auch, dass Hertha zu wechselhaft ist in den Leistungen, um als aufmüpfiger Konkurrent nach München zu fliegen. Dardai weiß das natürlich. Er sagt: „Wir machen keinen unnötigen Druck nach innen und keinen unnötigen Quatsch nach außen.“ Er hofft, dass eine minimale Erwartungen, seine Spieler maximal frei aufspielen lässt. Wie damals in Leipzig.
Option eins vs. Option zwei
Tagesform, das ist Dardais Liebling, wenn es darum geht, die Chancen auf wenigstens einen Auswärtspunkt in München realistisch einzuschätzen. Die eigene müsste bei mindestens acht Spielern überragend sein, bei den anderen wäre das Gegenteil von Vorteil. Aber auch da macht sich Herthas Trainer nichts vor: „Ich spüre selten, dass die Bayern unkonzentriert sind.“ Wobei: „Manchmal hat man das Gefühl, dass sie nicht alles geben.“ Aber: „Sie gewinnen dann trotzdem.“
Immerhin gab es das Hinspiel, dieses 2:2 im Olympiastadion, wo Ondrej Duda sein erstes und letztes Bundesligator erzielte und einen Nachmittag lang das erahnen ließ, was Dardai zu glauben weiß: dass der Mann mit der zehn tatsächlich der Spielmacher ist, der Hertha schon so lange fehlt. Im Rückspiel könnte Duda mal wieder eine Gelegenheit bekommen, seine immer größere Kritikerschar zu überzeugen. Option eins: von Anfang an und höchstens eine Stunde lang, weil er aufgrund mangelnder Fitness immer noch nicht in der Lage ist, ein ganzes Spiel durchzuhalten. Option zwei: Einwechslung in der Schlussphase, wo er laut Dardai „vielleicht mehr bewegen kann“. Wie auch immer: „Wir brauchen so einen Spieler.“ Sagt der größte Fan.
„Die Mentalität stimmt“
Was Dardai vor allem braucht, das ist Klarheit beim Konterspiel. Doch nichts spricht dafür, dass es besser wird. Hertha ist immer noch das einzige Bundesligateam, das in dieser Saison kein Kontertor erzielt hat. Dabei trainieren sie das ständig. So wie am Dienstag, als Dardai seine Offensive in Überzahl stürmen ließ – 25 Versuche, null Tore. Und dann, als es peinlich zu werden drohte, die Abwehr machen ließ – acht Versuche, null Tore. „Lachen, Männer. Die Sonne scheint. Es ist alles wunderbar“, sagte der Trainer hinterher. Als hätte er Milan Kunderas „Buch vom Lachen und Vergessen“ gelesen.
Was Dardai noch wichtig war in der Woche nach der immer noch unerklärlichen Heimneiderlage gegen Mainz, war das hier: „Ich habe kein Problem mit meinen Jungs“, sagt er. „Die Mentalität stimmt, es ist keine Charakterfrage.“ Die angekündigten Einzelgespräche finden erst vor dem Spiel in München statt. Und nach einem kurzen Blick in den Rückspiegel, werden sie wohl wieder schnell nach vorne schauen. Pal Dardai sagt: „Jeder soll Spaß haben und genießen, dass er sich mit den Besten messen kann.“ Klingt nach einem Ratgeberbuch für verunsicherte Fußballprofis.
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