Herthas Profis in der Zwangspause

DFB sperrt Kraft, Mijatovic und Kobiaschwili

Das Schiedsgericht des DFB sperrt Herthas Profis Kraft, Mijatovic und Kobiaschwili – den Georgier für siebeneinhalb Monate. Immerhin hatte der 34-Jährige versucht, den Schiedrichter Stark mit einem Kinnhaken niederzustrecken.

Martin Henkel
3 Min
Mund abputzen, weitermachen: Lewan Kobiaschwili wertet seine Strafe.

Mund abputzen, weitermachen: Lewan Kobiaschwili wertet seine Strafe.

© dapd Lizenz

Beide sind angemessen. Und sie liegen unter dem geforderten Strafmaß – was letztlich auch Lewan Kobiaschwili positiv in seine Strafe hineinempfinden kann, wenngleich der Georgier ein ganz anderes Büßmaß zu verknusen hat: Er wurde für siebeneinhalb Monate gesperrt.

Kinnhaken hinterließ Hämatom

Das klingt gewaltig – und ist es auch, wenn man bedenkt, dass die bisher längste Strafe in der Bundesligageschichte vor knapp 36 Jahren Timo Konietzka auferlegt wurde: sechs Monate für ein vergleichbares Vergehen. Mit siebeneinhalb Monaten bleibt Herthas Kapitän jedoch viereinhalb unter der Forderung des DFB-Kontrollausschusses. Immerhin hatte der 34-Jährige versucht, Stark mit einem Kinnhaken niederzustrecken, traf ihn allerdings nur im Nacken und hinterließ zur letztendlich allgemeinen Erleichterung lediglich ein Hämatom. Das Sportgericht bewertete den Angriff auf einen Unparteiischen als besonders verwerflich, zogen von der Strafe aber mildernd Kobiaschwilis Geständnis ab. Sie dachten zudem ans Geld. Der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz erklärte: „Bei der Bemessung der Sperre wurde insbesondere sein Geständnis berücksichtigt. Im Übrigen erleidet der Spieler durch die Sperre hohe Einkommensverluste.“

Gut möglich, dass Kobiaschwili sich in der Jugend das Karriere-Ende ausgemalt hat – und dabei nicht das Schiedsgericht des DFB vor Augen hatte. Aber siebeneinhalb Monate Freizeit sind auch in Anbetracht seines Alters verschmerzbar, zumal zwei davon in die Sommerferien fallen. Und weil die Sperre deshalb nur bis zum 31. Dezember geht, ist er just zum Rückrundenstart wieder dabei. „Meine Familie und ich haben in der letzten Zeit sehr gelitten“, kommentierte Kobiaschwili entsprechend, „daher bin ich jetzt sehr froh. Ich werde dieses Urteil akzeptieren, damit ich weiter Fußball spielen kann.“

Zumindest hat er so lange noch Vertrag. Ob der unlängst verpflichtete Trainer Jos Luhukay ihm ein Plätzchen freihält, ist freilich dahingestellt. Kobiaschwili gehört zur Generation der Fahrstuhl-Herthaner, die in drei Jahren zwei Mal abgestiegen sind und damit die Frage aufwerfen, ob es mit ihnen für die Erste Liga überhaupt reicht. Das gilt mindestens auch für Mijatovic, bei Kraft fällt die Bayern-Ausbildung ins Gewicht, die immerhin seinen damaligen Trainer Louis van Gaal dazu animierte, ihn zur Rückrunde der Saison 2009/2010 mehrere Monate ins Tor zu stellen.

Lell ruft: „Feige Sau!“

Aber eine hundertprozentige Garantie für Erfolg ist auch das nicht. Siehe den schweren Talentverfall bei Christian Lell: Der frühere Bayern-Profi war vor zwei Jahren an die Spree gewechselt, aber gehalten, was seine Biografie versprach, hat er nicht. Stattdessen zeigte er im Abstiegskampf die gleichen Fähigkeiten, die Luhukay jetzt zwingen, drei neue Kapitäne zu bestimmen. Lell soll Stark nach der Partie am Arm gezogen und als „feige Sau“ bezeichnet haben. Zusätzlich bespuckte er Fortunas Spieler Assani Lukimya-Mulongoti.

Geurteilt hat der DFB in dieser Sache noch nicht, aber das ficht Hertha schon nicht mehr an. Dem Vernehmen soll wenigstens Lell abgegeben werden. Manager Michael Preetz schloss die Vielsperren-Causa deshalb gestern mit den Worten: „Jetzt können wir uns auf die anstehende Saison vorbereiten.“

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