„Herzensbrecher“ im ZDF

Oh Gott, Herr Pfarrer!

„Herzensbrecher“ ist eine ZDF-Vorabendserie so ganz nach dem Regelwerk - eine Familiengeschichte aus dem prallen Leben der protestantischen Geistlichkeit. An diesem Sonnabend läuft die erste Folge.

Marcus Bäcker
3 Min
Cooler Pfarrer, störrisches Kind

Cooler Pfarrer, störrisches Kind

© zdf/Frank Dicks Lizenz

Gerade erst ist Andreas Tabarius aufgewacht, da ist auch schon die schönste Kissenschlacht im Gange. Drei seiner Söhne machen mit, der vierte und älteste weist mahnend auf die Uhrzeit hin. Jetzt aber hurtig! Wo wohl die Mutter ist? Andreas weiß, was das Regelwerk „Vorabendserien für das deutsche Fernsehen“ verlangt, er greift in eine der zahlreichen Umzugskisten im Schlafzimmer und erwischt – das Bild einer schönen Frau. Melancholischer Blick. Aha, tot. Wäre das auch schon mal geklärt.

So beginnt diese neue Familienserie. Geschrieben hat sie Christian Pfannenschmidt, Schöpfer unter anderem der ZDF-Serie „Girl Friends“ und diverser Folgen der ARD-Reihe „Der Schwarzwaldhof“. Der Mann weiß, was so ein Format verlangt, und erfüllt den Auftrag derart stockkonservativ, dass „Herzensbrecher“ ein Erfolg werden muss – zumindest bei allen, die um diese Uhrzeit Serien im ZDF schauen wollen.

Andreas ist nämlich nicht nur alleinerziehender Vater, sondern auch ein unkonventioneller Pfarrer, wie man sich unkonventionelle Pfarrer (Jeans, Turnschuhe, Schlag bei den Frauen) in Vorabendserien vorstellt. Zum ersten Gottesdienst in seiner neuen Gemeinde in Bonn erscheint er verspätet, und als er zu seinen Schäfchen spricht, betritt ein kleines Mädchen das Gotteshaus und verlangt Kirchenasyl. So etwas passiert in evangelischen Gemeinden in Bonn andauernd.

Pfarrers Machtkampf mit dem Gemeinderat

Warum Paula ausgebüxt ist und nicht mehr zu ihrer Familie zurück will, diese Frage wird zuverlässig bis 20.15 Uhr geklärt. Eine erhellende Familienzusammenkunft endet mit dem dramaturgisch wertvollen Kollaps der Paula-Oma, danach haben sich wieder alle lieb. Doch schon nächste Woche wartet ja die zweite Schnurre aus dem prallen Leben der protestantischen Geistlichkeit, und damit die ZDF-Vorabendserienzuschauer wieder einschalten, lässt das Drehbuch ihnen einige Handlungsstränge vielversprechend vor der Nase baumeln.

Zum Beispiel des Pfarrers Machtkampf mit der kühlen Gemeinderatsvorsitzenden – wie der sich wohl entwickelt, wie der wohl endet? Oder die sich abzeichnende Frauengeschichte, da will man doch dran bleiben! Andreas gerät auf dem Friedhof mit einer hübschen Frau aneinander (man denkt sich seinen Teil), Minuten später fällt ihm ein, dass er eine Sekretärin braucht (man denkt sich einen weiteren Teil), bald wird klar, dass besagte hübsche Frau einen Job sucht (man kommt aus dem Denken gar nicht mehr heraus), und als sie vor seiner Haustür steht, öffnet der muskulöse Hausherr diese oben ohne.

Und so greift ein Rädchen geschmeidig in das andere, man bestaunt routiniertes Handwerk und gut aussehende Schauspieler, deren Charaktere – wenn sie sympathisch rüberkommen sollen – so sympathisch rüberkommen, dass es kracht. Und dabei war von der denkwürdigsten Szene noch gar nicht die Rede. Da sucht der Pfarrer das Zwiegespräch mit seiner toten Frau, und was macht Regisseur Christian Theede? Lässt diese wiederauferstehen, setzt sie in die Kirchenbank, gestattet dem Witwer eine tröstliche Plauderei. Und das zwei Tage nach Halloween, einen Tag nach Allerheiligen, am Abend von Allerseelen. Oh Gott, Herr Pfarrer!

Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen, zehn Folgen, sonnabends, 19.25 Uhr, ZDF

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