Hinweise auf das Klima der Zukunft erwartet: Erfolgreiche Eisbohrung in Grönland

In Nordwestgrönland sind Polarforscher in bislang unerreichte Dimensionen vorgedrungen. Nach mehrjähriger Bohrtätigkeit in dem dicken Frostpanzer, der gut vier Fünftel Grönlands bedeckt, stießen sie jetzt auf Grund und förderten eine 2540 Meter lange Eissäule zutage. Sie enthält nicht nur Informationen über vergangene Erdzeitalter, sondern dürfte auch die Prognosen über die künftige Entwicklung des Weltklimas verbessern.Bei dem North Greenland Eemian Ice Core Project (Neem) versuchen Wissenschaftler aus 14 Nationen einen intakten Eiskern zu gewinnen, der bis in die letzte Warmzeit zwischen 115000 und 130000 Jahren vor unserer Zeit reicht. Bei vorangegangenen Bohrungen hatten die Polarforscher das nicht geschafft. Mit Neem ist es offenbar gelungen, in noch ältere Schichten vorzustoßen: "Unsere Bohrung liefert höchstwahrscheinlich Einblicke in die Klimageschichte der vergangenen 150000 Jahre", sagt Jorgen Peder Steffensen, einer der leitenden Wissenschaftler.Der Eiskern würde demnach vier Zeitalter umfassen: am oberen Ende die aktuelle Warmzeit, das Holozän, darunter die davor herrschende Eiszeit, dann die letzte Warmzeit, das sogenannte Eem, und zusätzlich der Übergang in eine noch weiter zurückliegende Eiszeit.Im Eem war es in Grönland etwa fünf Grad Celsius wärmer als heute; die weltweite Durchschnittstemperatur lag um ein bis zwei Grad über der heutigen. Das ist aus früheren Studien bekannt. Klimatisch ähnelt die vergangene Warmzeit dem, was Forscher heute für die Zukunft vorhersagen. Die Frage, wie sich der grönländische Eisschild damals verhielt, ist daher von großer Bedeutung. In welchem Ausmaß schmolz er? Wie stark trug das schmelzende Grönlandeis zum Anstieg des Meeresspiegels im Eem bei? Welchen Einfluss hatte das urzeitliche Klimageschehen auf die Meeresströmungen? Und wie gestaltet sich der Übergang von einer Kaltzeit in eine Warmzeit? Antworten auf solche Fragen stecken erfahrungsgemäß in Eiskernen, wie sie jetzt bei dem sechs Millionen Euro teuren Neem-Projekt gewonnen wurden.Mit ersten Untersuchungen haben die Forscher bereits in ihrem Camp im unwirtlichen Norden Grönlands begonnen. In den nächsten Jahren wird der wertvolle Fund genau analysiert - unter anderem am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (Awi) in Bremerhaven. Awi-Wissenschaftler beteiligen sich seit dem Beginn des Projekts im Jahr 2007 an Neem. Die ersten Ergebnisse werden voraussichtlich im kommenden Jahr in den großen Fachmagazinen Nature und Science ...

BLZ
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In Nordwestgrönland sind Polarforscher in bislang unerreichte Dimensionen vorgedrungen. Nach mehrjähriger Bohrtätigkeit in dem dicken Frostpanzer, der gut vier Fünftel Grönlands bedeckt, stießen sie jetzt auf Grund und förderten eine 2540 Meter lange Eissäule zutage. Sie enthält nicht nur Informationen über vergangene Erdzeitalter, sondern dürfte auch die Prognosen über die künftige Entwicklung des Weltklimas verbessern.Bei dem North Greenland Eemian Ice Core Project (Neem) versuchen Wissenschaftler aus 14 Nationen einen intakten Eiskern zu gewinnen, der bis in die letzte Warmzeit zwischen 115000 und 130000 Jahren vor unserer Zeit reicht. Bei vorangegangenen Bohrungen hatten die Polarforscher das nicht geschafft. Mit Neem ist es offenbar gelungen, in noch ältere Schichten vorzustoßen: "Unsere Bohrung liefert höchstwahrscheinlich Einblicke in die Klimageschichte der vergangenen 150000 Jahre", sagt Jorgen Peder Steffensen, einer der leitenden Wissenschaftler.Der Eiskern würde demnach vier Zeitalter umfassen: am oberen Ende die aktuelle Warmzeit, das Holozän, darunter die davor herrschende Eiszeit, dann die letzte Warmzeit, das sogenannte Eem, und zusätzlich der Übergang in eine noch weiter zurückliegende Eiszeit.Im Eem war es in Grönland etwa fünf Grad Celsius wärmer als heute; die weltweite Durchschnittstemperatur lag um ein bis zwei Grad über der heutigen. Das ist aus früheren Studien bekannt. Klimatisch ähnelt die vergangene Warmzeit dem, was Forscher heute für die Zukunft vorhersagen. Die Frage, wie sich der grönländische Eisschild damals verhielt, ist daher von großer Bedeutung. In welchem Ausmaß schmolz er? Wie stark trug das schmelzende Grönlandeis zum Anstieg des Meeresspiegels im Eem bei? Welchen Einfluss hatte das urzeitliche Klimageschehen auf die Meeresströmungen? Und wie gestaltet sich der Übergang von einer Kaltzeit in eine Warmzeit? Antworten auf solche Fragen stecken erfahrungsgemäß in Eiskernen, wie sie jetzt bei dem sechs Millionen Euro teuren Neem-Projekt gewonnen wurden.Mit ersten Untersuchungen haben die Forscher bereits in ihrem Camp im unwirtlichen Norden Grönlands begonnen. In den nächsten Jahren wird der wertvolle Fund genau analysiert - unter anderem am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (Awi) in Bremerhaven. Awi-Wissenschaftler beteiligen sich seit dem Beginn des Projekts im Jahr 2007 an Neem. Die ersten Ergebnisse werden voraussichtlich im kommenden Jahr in den großen Fachmagazinen Nature und Science veröffentlicht.

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