Nahostkrieg

Hisbollah startet massiven Raketenangriff auf Israel – über 150 Geschosse – Iran beteiligt?

Hisbollah feuert über 150 Raketen auf Israel. Iran spricht von gemeinsamer Operation. Was bedeutet diese neue Eskalationsstufe für die Region?

3 Min
Raketensalven aus dem Südlibanon gegen Israel am 3. März 2026.

Raketensalven aus dem Südlibanon gegen Israel am 3. März 2026.

© JALAA MAREY

Die libanesische Hisbollah hat am Mittwochabend den bislang schwersten Raketenangriff auf Israel seit der jüngsten Eskalation gestartet. Über mehrere Stunden hinweg feuerte die Miliz nach Einschätzung der israelischen Streitkräfte (IDF) mindestens 150 Raketen und Drohnen auf den Norden des Landes. Gleichzeitig griff der Iran mit ballistischen Raketen an – die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) bezeichneten den Beschuss als „gemeinsame und integrierte Operation“ mit der Hisbollah.

Hunderttausende Menschen im Norden Israels mussten wiederholt Schutzräume aufsuchen. Sirenen heulten im gesamten Galiläa, in Haifa sowie in Gemeinden bis zu 50 Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt. Im weiteren Verlauf der Nacht weiteten sich die Alarme auf Tel Aviv, Jerusalem und Teile Südisraels aus, als die IDF den Einflug einer iranischen ballistischen Rakete meldete.

Die iranischen Geschosse wurden nach Angaben der israelischen Armee von der Luftabwehr abgefangen. Auch ein Großteil der Hisbollah-Raketen wurde abgewehrt. Dennoch schlugen mehrere Projektile ein und lösten Brände aus. Zwei Personen – eine 35-jährige Frau und ein Mann in seinen Fünfzigern – wurden nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom durch umherfliegende Trümmerteile leicht verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. In der nordisraelischen Ortschaft Bi'ina traf eine Rakete ein Wohnhaus; vier weitere Personen wurden wegen akuter Angstzustände vor Ort behandelt.

Iran und Hisbollah: Koordinierter Angriff oder Zufall?

Die IRGC erklärte gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim, man habe mehrere ballistische Raketen abgefeuert, während die Hisbollah mit Drohnen und Raketen über 50 Ziele in Israel beschossen habe. Die Hisbollah selbst teilte mit, ihre Kämpfer hätten „als Reaktion auf die kriminelle Aggression gegen dutzende libanesische Städte und die südlichen Vororte Beiruts“ Ziele im Norden Israels mit „dutzenden Raketen“ im Rahmen einer neuen Operation angegriffen.

Die IDF hatte zunächst erklärt, es lägen keine Geheimdiensterkenntnisse vor, die auf eine koordinierte Aktion zwischen dem Iran und der Hisbollah hindeuteten. Die erste Salve von rund 100 Raketen wurde gegen 20 Uhr aus mehreren Gebieten im Libanon abgefeuert – zeitgleich mit einem iranischen Raketenangriff auf Zentralisrael.

Langstreckenraketen der Hisbollah schlugen zudem in offenen Gebieten ein. Da diese unbewohnte Flächen ansteuerten, wurden teils keine Sirenen ausgelöst, wie die Armee mitteilte. Bewohner Zentralisraels berichteten dennoch von Explosionsgeräuschen. Die Polizei bestätigte Schäden durch einen Einschlag in Zentralisrael; Trümmerteile abgefangener Raketen fielen in mehreren Regionen nieder.

Israel reagiert mit schweren Luftangriffen auf Beirut

Die israelische Luftwaffe antwortete nach eigenen Angaben mit einer „umfangreichen“ Angriffswelle auf Raketenwerfer und weitere Infrastruktur der Hisbollah im Südlibanon. Ziel sei es gewesen, weiteren Beschuss auf Israel zu verhindern. AFP-Korrespondenten in Beirut berichteten von schweren Explosionen und Rauchsäulen über den südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt. Libanesische Staatsmedien sprachen von mindestens sechs schweren Einschlägen in dem Gebiet.

Ein israelischer Regierungsvertreter warnte, die Seiten bewegten sich „auf eine ernsthafte Eskalation“ zu. Sollte die libanesische Regierung die Hisbollah nicht unter Kontrolle bringen, könne Israel auch zivile Infrastruktur im Libanon verstärkt angreifen, so die Drohung.

Die IDF hatte bereits zuvor gewarnt, die Hisbollah werde voraussichtlich versuchen, die Frequenz ihrer Raketen- und Drohnenangriffe zu erhöhen. Der US-Sender CNN berichtete unter Berufung auf eigene Quellen, Israel habe sich auf eine „erhebliche Ausweitung“ der Angriffe durch den Iran und die Hisbollah vorbereitet.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema