Die Hitzewelle mit Temperaturen von teils mehr als 40 Grad hat den Markt für Klimaanlagen in Europa kräftig durcheinandergewirbelt. Besonders gefragt ist derzeit ein mobiles Gerät des chinesischen Herstellers Midea. Das Modell PortaSplit ist laut der South China Morning Post inzwischen in mehreren europäischen Ländern ausverkauft. Die Zeitung berichtet zudem, dass einzelne Geräte auf Onlineplattformen mit deutlichen Preisaufschlägen weiterverkauft werden und das Modell in sozialen Netzwerken große Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Der Erfolg des Geräts hat vor allem einen praktischen Grund. Anders als klassische Split-Klimaanlagen muss die PortaSplit nicht dauerhaft an der Hausfassade montiert werden. Stattdessen wird die Außeneinheit mit einer Halterung außen am Fenster befestigt. Nach Angaben des Herstellers ist dafür weder eine Bohrung noch eine dauerhafte Veränderung der Fassade erforderlich.
Gerade in Europa ist das ein entscheidender Vorteil. In vielen Städten erschweren Denkmalschutzauflagen oder Vorgaben von Eigentümergemeinschaften bauliche Veränderungen an Fassaden. Hinzu kommt, dass nach Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat fast jeder dritte EU-Bürger zur Miete lebt, in Deutschland sogar mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Für viele Mieter kommen fest installierte Klimaanlagen deshalb gar nicht infrage. Ein mobiles System, das sich beim Umzug einfach mitnehmen lässt, ist dadurch besonders attraktiv.
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PortaSplit: Käufer fahren quer durchs Land
Die hohe Nachfrage hat die Geräte innerhalb weniger Wochen knapp werden lassen. Im vergangenen Jahr kostete die PortaSplit noch rund 900 Euro. Inzwischen liegt der offizielle Verkaufspreis bei etwa 1200 Euro. Auf Gebrauchtplattformen werden einzelne Geräte nach Berichten der South China Morning Post sogar für mehrere tausend Euro angeboten.
In sozialen Netzwerken berichten Käufer davon, durch mehrere Städte gefahren zu sein, um noch ein Exemplar zu ergattern. Andere vergleichen das Gerät scherzhaft mit seltenen Sammelkarten. Inzwischen gibt es sogar eigene Internetseiten, die den Lagerbestand der Klimaanlage bei verschiedenen Händlern in Echtzeit verfolgen.
Auch Deutschland spürt den Ansturm
Der Boom macht sich auch hierzulande bemerkbar. Der Onlinehändler Galaxus teilte nach der jüngsten Hitzewelle mit, die Lager für Klimaanlagen und Ventilatoren seien inzwischen größtenteils leer. Nachschub aus Asien werde voraussichtlich erst nach dem Sommer erwartet.
Allein im Juni verkaufte das Unternehmen nach eigenen Angaben 38 Prozent mehr Klimaanlagen als im bisherigen Rekordmonat Juni 2025. Im ersten Halbjahr stieg der Absatz von Klimaanlagen um 36 Prozent, bei Ventilatoren sogar um 72 Prozent.
Chinas Lieferketten reagieren
Der Nachfrageboom beschäftigt inzwischen auch chinesische Logistikunternehmen. Nach Angaben der South China Morning Post werben einige Anbieter bereits mit speziellen Luftfrachtverbindungen für Klimaanlagen nach Europa. Ein Logistikunternehmen aus Shenzhen berichtete von stark gestiegenen Bestellungen aus Frankreich, Belgien und Großbritannien. Das Lager sei inzwischen „voll mit Klimaanlagen“, erklärte ein Mitarbeiter.
Klimaanlagen: Warum Europa jetzt aufrüstet
Lange galt eine fest eingebaute Klimaanlage in Europa eher als Ausnahme. Viele Wohnhäuser wurden auf kalte Winter ausgelegt. Dicke, gut gedämmte Wände halten im Winter die Wärme im Gebäude – bei immer häufigeren Hitzewellen können sie jedoch dazu beitragen, dass sich Wohnungen über Tage stark aufheizen.
Nach Angaben der Europäischen Kommission wurden rund 85 Prozent aller Gebäude in der EU vor dem Jahr 2000 errichtet. Sie entstanden überwiegend für ein gemäßigtes Klima und verfügen häufig über keine fest installierten Kühlsysteme.
Vorsicht vor Fakeshops und leeren Versprechen
Mit der stark gestiegenen Nachfrage wächst auch die Zahl unseriöser Onlineangebote. Verbraucherschützer warnen vor Internetseiten, die angeblich revolutionäre Klimaanlagen für 70 bis 140 Euro anbieten und mit Schlagworten wie „Raumfahrttechnologie“, angeblichen Testberichten oder KI-generierten Werbevideos werben. Tatsächlich erhalten Käufer nach Angaben des Verbraucherschutzportals „Watchlist Internet“ häufig lediglich einfache Ventilatoren mit geringer Kühlleistung – oder im schlimmsten Fall gar keine Ware.
Woran Käufer unseriöse Angebote erkennen
- Unrealistische Versprechen: Eine mobile Klimaanlage, die große Räume innerhalb weniger Minuten herunterkühlt, dabei kaum Strom verbraucht und nur rund 100 Euro kostet, gibt es nach Einschätzung von Verbraucherschützern nicht.
- Emotional aufgeladene Werbung: Geschichten über angebliche Erfinder oder Wundertechnologien sollen häufig Vertrauen schaffen, lassen sich aber oft nicht belegen.
- Fehlendes oder zweifelhaftes Impressum: Ein Blick auf den Firmensitz lohnt sich. Wirbt ein Anbieter mit deutscher Qualität, sitzt das Unternehmen aber im Ausland, sollten Käufer genauer hinschauen.
- Negative Bewertungen: Vor dem Kauf empfiehlt es sich, Erfahrungsberichte auf unabhängigen Bewertungsplattformen zu lesen – insbesondere die kritischen Stimmen.
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Was Betroffene tun können
Wer statt einer Klimaanlage ein minderwertiges Gerät erhält, sollte sich möglichst schnell an den Zahlungsdienstleister oder die Bank wenden. Bei Kreditkartenzahlungen kann unter Umständen ein Chargeback beantragt werden. Wurde über einen Zahlungsdienst mit Käuferschutz bezahlt, lässt sich häufig auch eine Rückerstattung beantragen. Zusätzlich empfehlen Verbraucherschützer, den Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen zu nutzen, um unseriöse Anbieter vor dem Kauf zu überprüfen.
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