Alexanderplatz

Baubeginn des Monarch-Towers startet ohne Bauarbeiten

Kurz vor Ablauf der Frist wurde Baubeginn angezeigt, doch es passiert nichts.

Ulrich Paul
5 Min
So soll der Monarch-Tower mal aussehen. Doch der Baubeginn des Towers startete ohne Bauarbeiten.  

So soll der Monarch-Tower mal aussehen. Doch der Baubeginn des Towers startete ohne Bauarbeiten.  

© MonArch Group

Zur Einhaltung des Termins hat sich Monarch gegenüber dem Land Berlin verpflichtet, wie es in Senatskreisen heißt. So wollte Berlin den Investor dazu bringen, sein Projekt in absehbarer Zeit zu realisieren und nicht damit zu spekulieren. Sollte die Bauverpflichtung nicht eingehalten werden, drohen dem Investor Vertragsstrafen bis zum Rückkauf des Grundstücks durch das Land Berlin – jedenfalls, solange der Investor die Verzögerung selbst zu vertreten hat.

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Kritiker der Hochhauspläne sehen bereits die Chance, die ungeliebte Wolkenkratzer-Vision zu kippen. „Monarch hat mehrmals die Frist für den Baubeginn versäumt“, sagt die Linken-Abgeordnete Katalin Gennburg. „Berlin darf keine Zugeständnisse mehr machen, sondern muss jetzt den Stecker ziehen.“ Ziel müsse sein, das Grundstück wieder in Landeshand zu bringen. Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) müsse „endlich Zähne zeigen und die weitere Spekulation unterbinden“, fordert Gennburg.

Monarch-Tower am Alexanderplatz war nur einer von vielen geplanten Türmen   

Auf dem Monarch-Grundstück soll nach Plänen des Architekturbüros Ortner + Ortner ein Turm mit 35 Stockwerken entstehen. Geplant sind 377 Wohnungen mit Größen von 30 bis 250 Quadratmetern. Zwei Etagen sind für eine Club-Lounge, ein Kino, einen Pool mit Gym-Bereich, Wellness-Spa sowie Konferenz-Räume und Restaurant reserviert.

„Für Berlin wäre es ein Glücksfall, wenn uns der pompöse Turm für den internationalen Jetset erspart bleibt, da er für die Stadt keinen Zweck hat, sondern lediglich die Kassen der Immobilienhaie füllt“, sagt Gennburg. „Berlin braucht keine Monarchen, sondern preiswerte Wohnungen und Raum zum Leben und Produzieren“, so die Linken-Abgeordnete.

Das Grundstück könnte sich bei einer anderen Nutzung räumlich auf das gemeinwohlorientierte Haus der Statistik beziehen, argumentiert Gennburg – und damit „die Verwertungspläne“ für den Alex nach dem Entwurf des Architekten Hans Kollhoff von 1993 durchkreuzen. „Es muss endlich Schluss sein mit den irrigen Fantasien, den Alex mit Konsumtempeln und Hochglanzriesen vollzuknallen“, fordert Gennburg.

Der Kollhoff-Plan sah den Bau von fast einem Dutzend Türme rund um den Alex vor. Sie sollten 150 Meter in den Himmel wachsen. Überall, wo es derzeit noch kein Baurecht für einen 150 Meter hohen Turm gibt, versucht Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke), die Hochhäuser schrumpfen zu lassen – auf 130 Meter. Die Türme sollen sich damit am Hotel Park Inn orientieren und weniger in Konkurrenz zum Fernsehturm treten.

Verhindert ein Tunnel den Bau des Monarch-Towers? 

Beim Monarch-Turm ist eine Verringerung der Höhe ohne Zustimmung des Bauherrn nicht möglich. Denn für den 150 Meter hohen Turm liegt bereits die Baugenehmigung vor, mit Datum vom 21. Februar 2018. Die Genehmigung gilt drei Jahre. Interessant beim Monarch-Projekt: Der Investor hat mit Datum vom 15. Juli 2019 offiziell den Baubeginn angezeigt, wie das Bezirksamt Mitte auf Anfrage erklärte.

Damit hat der Investor formal die Frist zum Baubeginn eingehalten. Ob das reicht, um im Zweifel einer Vertragsstrafe zu entgehen, wird sich zeigen. Wenn es nach Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) geht, hätte der Investor einen etwaigen Verstoß gegen die Bauverpflichtung aber ohnehin nicht zu vertreten. Gothe sagt, „komplizierte Abstimmungsprozesse“ der Behörden hätten den Investor vom Beginn der Arbeiten abgehalten. Dabei sei es um den Autotunnel in der Grunerstraße gegangen, der in unmittelbarer Nähe zur Baustelle verläuft.

Probleme mit einem Tunnel gibt es auch bei einem anderen Hochhausprojekt am Alex. Und zwar beim geplanten Bau eines Wohnturms durch den US-Investor Hines. Hines will neben dem Grundstück mit dem Elektronikmarkt Saturn einen Turm nach Plänen des Star-Architekten Frank O. Gehry errichten. 


Alexanderplatz

Der Kollhoff-Plan: Der Hochhausplan für den Alex ist 26 Jahre alt. Nach dem preisgekrönten Entwurf des Architekten Hans Kollhoff von 1993 sollten zehn 150 Meter hohe Türme entstehen. Viele Häuser aus der DDR-Zeit sollten abgerissen werden, darunter das heutige Hotel Park Inn und das Haus des Reisens. Der Plan wurde nicht umgesetzt, da die Häuser funktionierten.

Der überarbeitete Plan: Im Jahr 2015 ließ der Senat den Kollhoff-Plan überarbeiten. Danach sollten mehr Gebäude aus der DDR-Zeit stehen bleiben, die vorher abgerissen werden sollten. Das Haus des Reisens und das Haus des Berliner Verlags wurden sogar unter Denkmalschutz gestellt. Es waren aber weiterhin neun bis zu 150 Meter hohe Türme möglich.

Der Lompscher-Plan: Zusammen mit den Eigentümern will die seit Ende 2016 amtierende Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) erreichen, dass die Hochhäuser schrumpfen. Sie sollen sich, soweit möglich, am Hotel Park Inn orientieren und eine Höhe von 130 Meter nicht überschreiten. Der Blick auf den Fernsehturm soll weniger stark beeinträchtigt werden. 


Die Arbeiten am Bebauungsplan liegen aber solange auf Eis, bis sich Hines und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf eine Vereinbarung zum Schutz des Betriebs auf der U-Bahn-Linie 5 verständigt haben.

Neben Monarch und Hines will auch Unternehmen Covivo einen Büroturm bauen 

Grund: Das Hochhaus von Hines soll auf einem aus dem Jahr 1930 stammenden Fundamentblock errichtet werden. Durch diesen Block verläuft der Tunnel der U-Bahn-Linie 5.

Die BVG befürchtet, der Tunnel könnte im Havariefall voll Wasser laufen, denn die Röhre liegt im Grundwasser. Experten halten den Hochhaus-Bau aber grundsätzlich für machbar. Favorisiert wird dem Vernehmen nach eine Variante, bei der der Tunnel saniert oder abschnittsweise erneuert wird. Der BVG-Aufsichtsrat soll sich im September mit dem Thema befassen. Außer Monarch und Hines will das Unternehmen Covivio zwischen dem Hotel Park Inn und dem Hines-Grundstück einen Büroturm sowie Wohnungen und Geschäfte errichten.

Den im vergangenen Jahr entschiedenen Wettbewerb gewann das Architekturbüro Sauerbruch&Hutton. Auf der anderen Seite des Park Inn könnte Covivio ein zweites Hochhaus bauen. Überlegungen für weitere Hochhäuser gibt es zudem für die Flächen neben dem Kaufhof und im Büroblock der TLG Immobilien, dem großen langen Gebäuderiegel entlang der Alexanderstraße.   

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