Die USA haben in der Nacht zum Donnerstag ihre globale Zolloffensive gestartet. Präsident Donald Trump verkündete das Inkrafttreten wenige Minuten vor Mitternacht in Washington – also um 6 Uhr morgens deutscher Zeit – auf seiner Social-Media-Plattform: „Es ist Mitternacht! Milliarden Dollar an Zöllen fließen nun in die USA!“
Die Zölle sind Teil von Trumps langfristiger Strategie, das globale Handelssystem nach dem Prinzip „Reziprozität“ neu auszurichten. In der Praxis bedeutet das: Länder, die aus Sicht Washingtons von US-Märkten profitieren, sollen nun selbst höhere Hürden für ihre Exporte in die USA in Kauf nehmen.
„Das ist eine Zäsur – es gibt jetzt offizielle, umfassende neue Zölle“, sagte Ted Murphy, Handelsexperte der Kanzlei Sidley Austin in Washington gegenüber der Financial Times. „Diese Zölle haben alles durcheinandergebracht. Wir erleben die Geburt einer neuen Handelsordnung – und das Ende der alten.“ Auch andere Fachleute betonten die Tragweite der Maßnahmen. „Wir leben jetzt in einer neuen Welt“, so Chad Bown vom Peterson Institute for International Economics. „Selbst für absolute Handelsexperten ist die Komplexität dieser Maßnahmen schlicht irre.“
EU akzeptiert 15-Prozent-Tarif
Die Europäische Union konnte in letzter Minute ein Rahmenabkommen mit den USA erzielen. Demnach wird ein pauschaler Importzoll in Höhe von 15 Prozent auf die meisten EU-Waren erhoben – unter anderem auf Autos und Pharmazeutika. Nach der Grundsatzvereinbarung warnte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor schweren negativen Folgen für die Konjunktur hierzulande. „Die deutsche Wirtschaft wird erheblichen Schaden nehmen durch diese Zölle“.
Japan und Südkorea haben mit Trump ähnliche Vereinbarungen wie die EU erzielt. Für andere Handelspartner, die kein Handelsabkommen mit den USA abgeschlossen haben, gelten Zölle in Höhe von bis zu 41 Prozent.
Andere Länder trifft es härter:
- Indien muss mit einem gestaffelten Zoll von bis zu 50 Prozent rechnen, sofern es weiterhin russisches Öl importiert.
- Brasilien wurde mit dem Höchstsatz von 50 Prozent belegt.
- Auch Laos und Myanmar zahlen nun 40 Prozent.
- Für die Schweiz werden 39 Prozent fällig.
- Kanada, bislang mit 25 Prozent belegt, muss künftig 35 Prozent entrichten – außer im Rahmen des USMCA-Freihandelsabkommens.
- Ebenfalls 35 Prozent gelten für: Irak und Serbien.
- Algerien, Bosnien-Herzegowina, Libyien und Südafrika müssen 30 Prozent zahlen.
Insgesamt sind laut Weißem Haus 39 Länder sowie der gesamte EU-Raum von einem 15-Prozent-Zoll betroffen. Weitere 21 Staaten zahlen Aufschläge von 16 bis 40 Prozent. Exportorientierte Volkswirtschaften in Südostasien gelten als besonders hart getroffen.
Die neuen Zollregeln sind das Ergebnis monatelanger Drohungen, Rückzieher und bilateraler Verhandlungen. Trumps sogenannte Reziprozitätszölle betreffen nun nahezu alle Handelspartner der USA – und markieren nach Einschätzung von Experten einen historischen Umbruch im internationalen Handelssystem.
Neue Drohungen gegen Tech-Importe
Parallel kündigte Trump einen 100-Prozent-Zoll auf ausländische Computerchips an. Die Maßnahme zielt darauf ab, mehr Technologiefirmen zur Produktion in den USA zu bewegen. Apple reagierte prompt mit der Ankündigung eines 100-Milliarden-Dollar-Investitionsprogramms.
Smartphones, Medikamente und einzelne Güter mit US-Ursprungsanteilen von über 20 Prozent sind derzeit von den neuen Zöllen ausgenommen – allerdings nur vorläufig. Beobachter rechnen mit weiteren Maßnahmen in den kommenden Wochen.
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