Erinnerungskultur

Gegen Opferkonkurrenz: Es gibt auch in Deutschland kein isoliertes Gedenken

Der amerikanische Holocaustforscher Michael Rothberg fordert, die Vielfalt der Erinnerungen anzuerkennen. Ein Essay auf der Grundlage seines neuen Buches.

Michael Rothberg
9 Min
Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin.

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin.

© dpa/Christoph Soeder

Derweil haben mehrere Migrationswellen die Demografie der Bundesrepublik verändert. Ein großer Teil der Bevölkerung hat heute nichtdeutsche Wurzeln. Menschen aus Einwandererfamilien tragen mitunter kontroverse Erinnerungen an Akte politischer Gewalt und an Genozide mit sich, die sich außerhalb Deutschlands zugetragen haben. Viele Migranten bringen etwa traumatische Erfahrungen extremer Gewalt in ihren Heimatländern mit. Die Migration der letzten Jahre – und auch die Corona-Pandemie – verdeutlichen noch dem letzten Zweifler, dass die globalen Kommunikationsnetze uns mittlerweile mit den entlegensten Winkeln der Erde verbinden. Es gibt keine isolierte deutsche Kultur mehr, schon gar keine isolierte deutsche Erinnerungskultur – wobei fraglich ist, ob Letztere überhaupt je existiert hat.

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