Berlin - Apple hat ein neues Terrain für seine Produkte entdeckt: Das Wohnzimmer. Der Home Pod ist ein interaktiver Lautsprecher, der mit künstlicher Intelligenz arbeitet. Wir erläutern, warum stationäre Geräte das nächste große Ding in der Hightechwelt werden können.
Was ist der Home Pod genau?
Aus der Ferne kann man den Home Pod mit einer Tischlampe oder einer Blumenvase verwechseln. Es handelt sich um ein zylinderförmiges Gerät mit abgerundeten Ecken, das einerseits als Lautsprecher dienen soll. Andererseits befindet sich im Innern ein Computer, der mit Sprache gesteuert werden kann. Da werkelt eine Weiterentwicklung des digitalen Assistenten Siri, der schon in iPhones eingesetzt wird.
Was will Apple mit dem Gerät erreichen?
Experten warfen dem weltgrößten Computerkonzern vor, seit geraumer Zeit nichts Neues mehr präsent zu haben und immer stärker vom iPhone abhängig zu werden, das für mehr als zwei Drittel der Einnahmen steht. Der Home Pod soll ein neues Geschäftsfeld öffnen. Konzernchef Tim Cook sagte in einem Interview mit der Finanznachrichtenagentur Bloomberg, das Gerät habe das Zeug dazu, das Musik-Erlebnis zu Hause neu zu erfinden. Es soll eng mit dem Musik-Streaming Apple Music verknüpft werden. Über Sprachbefehle kann der Nutzer seine Lieblingsmusik aus einer gigantischen Bibliothek von Songs abrufen. Zugleich sammelt die Software alle möglichen Daten der Kunden und kann daraus Empfehlungen für neue Songs generieren.
Wird es bei Musik bleiben?
Nein. Der Home Pod kann auch mit der Beleuchtung in der Wohnung und allen möglichen anderen Geräten verknüpft werden. So lassen sich Lampen und Fernseher oder auch Waschmaschine und Backofen steuern und kontrollieren. Geräte wie der Home Pod können überdies zum Online-Einkaufen oder als Hausaufgabenhilfe eingesetzt werden oder helfen, die Termine der Familie zu organisieren. Hinzu kommen dürfte eine enge Verknüpfung mit dem mit dem iPhone und seinen Apps. Auch soll das Gerät mit dem Bezahldienst Apple Pay bei E-Commerce-Transaktionen zusammengeschaltet werden.
Gibt es Alternativen zum Home Pod?
Wie bei allen Neuerungen ist Apple auch bei den interaktiven Lautsprechern nicht die Nummer eins. Mit Google Home ist seit einigen Monaten ein auch optisch vergleichbares Produkt auf dem US-Markt. Marktführer ist aber der Echo-Lautsprecher von Amazon, der mit dem Sprachassistenten Alexa arbeitet. 4,2 Millionen Exemplare davon wurden im vierten Quartal des vorigen Jahres verkauft, was nach dem Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Strategy Analytics einem Marktanteil von 88 Prozent entspricht. Wegen der großen Nachfrage, gab es bei Echo im Weihnachtsgeschäft Lieferengpässe, Kunden mussten mehrere Wochen auf das Gerät warten.
Worauf beruht der Erfolg der schlauen Lautsprecher?
Echo ist zuallererst ein hochwertiger Lautsprecher, der zu einem günstigen Preis verkauft wird. Er kostet knapp 180 Euro. Experten gehen davon aus, dass Amazon mit dem Gerät selbst kein Geld verdient. Apple will mit 349 Dollar erheblich höher einsteigen. Knapp 350 Euro dürfte der Lautsprecher kosten, wenn er nächstes Jahr hierzulande in den Handel kommt.
Wie wird sich der Markt für die schlauen Lautsprecher entwickeln?
Die Experten von Strategy Analytics rechnen damit, dass schon in diesem Jahr mit den Geräten weltweit fast 90 Milliarden Dollar umgesetzt werden können. Die Erlöse sollen bis 2022 auf 155 Milliarden wachsen, wobei die USA als mit Abstand größter Markt betrachtet werden.
Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?
Das ist nach Ansicht von Datenschutzexperten das größte Problem. Sprachsteuerung bedeutet auch, dass das Gerät die Gespräche daheim mithören kann, wenn man die Mikrophone, der Home Po verfügt über sechs, nicht ausschaltet. Es handelt sich bei den interaktiven Laufsprechern also auch um einen großen Lauschangriff der US-Konzerne. Aus den Daten können Empfehlungen für die Nutzer generiert werden. Datenschützer wie der Verein Digitalcourage befürchten aber auch, dass dies auch zu einer Entmündigung kommen könnte, weil eines Tages der Algorithmus dem Nutzer sagt, was er zu tun und was er zu lassen hat. Auch die Bundesbeauftragte für Datenschutz, Andrea Voßhoff, betont immer wieder , dass die Geräte „kritisch zu bewerten“ seien. Es sei nicht nachvollziehbar, „wie, in welchem Umfang und wo die erfassten Informationen verarbeitet werden", sagte sie in einem Interview anlässlich der Markteinführung von Echo.
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