Die weitgehende Blockade der Straße von Hormus infolge des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran hat unerwartete Folgen für die Tierwelt vor Südafrika: Tausende Kilometer vom Kriegsgebiet entfernt steigt die Gefahr tödlicher Kollisionen zwischen Frachtschiffen und Walen. Darauf machte ein wissenschaftlicher Bericht aufmerksam, der diesen Monat der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) vorgelegt wurde, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet.
Verfasst wurde der Bericht von Els Vermeulen, Leiterin der Walforschungsabteilung der Universität Pretoria. Sie verweist laut AFP auf eine „erhebliche räumliche Überlappung“ zwischen Schifffahrtsrouten und den Wandergebieten der Meeressäuger, darunter der Südkaper. Gegenüber der BBC erklärte Vermeulen, ihr Team habe Verbreitungsmodelle verschiedener Walarten rund um das Westkap mit Schifffahrtsrouten abgeglichen, um Risikozonen zu identifizieren.
Schiffe vermehrt am Kap der Guten Hoffnung
Auslöser der Verlagerung war laut AFP zunächst der Überfall der jemenitischen Huthi-Rebellen auf den britischen Frachter „Galaxy Leader“ im Jahr 2023. Der Ende Februar begonnene Krieg gegen den Iran und dessen Blockade der Hormus-Meerenge verschärften die Lage. Reedereien schicken ihre Schiffe nun bevorzugt um das Kap der Guten Hoffnung. Nach Daten des IWF-Beobachtungsdienstes Portwatch fuhren zwischen dem 1. März und 24. April dieses Jahres 89 Handelsschiffe um Südafrika - im Vorjahreszeitraum waren es 44.
Vermeulen schilderte AFP, der schnelle Schiffsverkehr habe sich zuletzt vervierfacht. Chris Johnson von der WWF-Walschutzinitiative ergänzte, die Tiere hätten keine Zeit gehabt, sich anzupassen. Gegenüber der BBC räumte Vermeulen ein, das Ausmaß sei schwer zu beziffern, da die meisten Kollisionen weit vor der Küste passierten und die Kadaver auf den Meeresboden sinken - ein Phänomen, das sie „cryptic mortality“ nennt.
Der IWC-Bericht schlägt laut AFP konkrete Maßnahmen vor: Eine Verlegung der Routen weiter vor die Küste könne das Kollisionsrisiko um 20 bis 50 Prozent senken, bei einer Fahrtverlängerung von nur 20 Seemeilen. Die Reederei MSC hat bereits Routen vor Sri Lanka und Griechenland angepasst. Estelle van der Merwe vom Ocean Action Network nannte gegenüber AFP zudem Warn-Apps und KI-gestützte Kameras als Optionen. Südafrikas Umweltministerium versicherte AFP, alle Lösungen würden geprüft.
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