Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro zum 1. Januar wird vor allem im ostdeutschen Hotel- und Gaststättengewerbe tiefe Spuren hinterlassen. Aufgrund teils deutlich steigender Personalkosten werde es zu Preiserhöhungen, aber auch zu Betriebsschließungen und Entlassungen kommen, prognostiziert der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in seinem Jahresbericht 2014. In Betrieben, die nach Tarif zahlen, führe der Mindestlohn zu einem Anstieg der Lohnkosten von bis zu 20 Prozent, glaubt Dehoga-Geschäftsführerin Ingrid Hartges. Andere, nicht tarifgebundene Betriebe hätten teils noch deutlichere Kostensprünge zu verkraften.
Beispiel Mecklenburg-Vorpommern mit seiner herrlichen Ostsee-Küste: Hier liegt der Tariflohn für ungelernte Anfänger vom 1. September an bei 7,50 Euro. Wenn zum 1. Januar an 8,50 Euro gezahlt werden müssen, bedeutet dies nicht nur für die unterste Stufe ein Plus von 13 Prozent. Auch die Mitarbeiter in den nächst höheren Tarifgruppen werden laut Hartges mehr Geld bekommen müssen, um weiterhin Erfahrung, Ausbildung und Engagement in der Entlohnung würdigen zu können: „Das gesamte Lohngefüge ist betroffen.“
In der Branche liege der Personalkostenanteil zwischen 25 und 40 Prozent.
Für einen mittelständischen Betrieb mit 50 Mitarbeitern werde eine Lohnerhöhung von durchgängig einem Euro pro Stunde mit Mehrkosten von rund 100 000 Euro pro Jahr zu Buche schlagen. Um dies zu kompensieren, sei ein Umsatzplus von 300 000 bis 400 000 Euro nötig, rechnet der Verband vor.
Dehoga-Präsident: 170000 Arbeitsplätze gefährdet
Doch auch in den alten Bundesländern wird der Mindestlohn negative Auswirkungen haben – so in vielen der bundesweit gut 150 000 nicht tarifgebundenen Betriebe der Branche. Schließlich sind Stundenlöhne für Küchenhilfen von fünf oder sechs Euro noch immer keine Seltenheit. Ein Sprung auf 8,50 Euro würde mithin die Personalkosten um bis zu 70 Prozent nach oben treiben. Zugleich seien die Möglichkeiten, steigende Kosten an die Gäste weiterzugeben, begrenzt, erläutert Dehoga-Geschäftsführerin Hartges: „Die Kunden reagieren sehr preissensibel.“ Soll heißen: Wird’s teurer, bleiben viele einfach weg. Dehoga-Präsident Ernst Fischer warnte, dass die Erfolge der Branche, in der 170 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze seit 2004 zusätzlich entstanden, gefährdet seien.
Denn derzeit geht es der Branche ziemlich gut. Von der gestiegenen Kaufkraft vieler Arbeitnehmer profitieren Restaurants, Bars und Cafés. In- und ausländische Touristen bescheren den Hotels und Pensionen gute Auslastungen. Mit knapp 255 Millionen Übernachtungen verbuchten Beherbergungsbetriebe 2013 ein Allzeithoch.
Dazu kam ein milder Winter, der zwar in Ski-Regionen zu Einbußen führte, dafür aber die Umsätze im Städtetourismus, der Außengastronomie und in der küstennahen Hotellerie ankurbelte. Der Umsatz in den ersten beiden Monaten des Jahres stieg im Vergleich zum Vorjahrszeitraum um 2,8 Prozent. Und in gut vier Wochen wird die Fußball-WM für überdurchschnittlichen Getränkeabsatz sorgen – sofern das Wetter mitspielt
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