Hugo Chavez: Venezuela wählt Chavez-Nachfolger

Knapp sechs Wochen nach dem Tod von Staatschef Hugo Chavez waren die Venezolaner am Sonntag aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Die Bürger entscheiden damit über den künftigen Kurs des ölreichen Landes, das seit Jahren durch Chavez' sozialistische Politik geprägt war. In Umfragen klar in Führung lag der frühere Außenminister Nicolas Maduro, den Chavez vor seinem Tod Anfang März zum Wunschnachfolger erklärt hatte. Das sicherte dem 50-jährigen Ex-Busfahrer und Gewerkschaftsführer zumindest vorerst die Sympathien der „Chavistas“. Maduros zehn Jahre jüngerer Herausforderer Henrique Capriles konnte aber zuletzt aufholen und traut sich selbst einen Überraschungssieg ...

BLZ
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Knapp sechs Wochen nach dem Tod von Staatschef Hugo Chavez waren die Venezolaner am Sonntag aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Die Bürger entscheiden damit über den künftigen Kurs des ölreichen Landes, das seit Jahren durch Chavez' sozialistische Politik geprägt war. In Umfragen klar in Führung lag der frühere Außenminister Nicolas Maduro, den Chavez vor seinem Tod Anfang März zum Wunschnachfolger erklärt hatte. Das sicherte dem 50-jährigen Ex-Busfahrer und Gewerkschaftsführer zumindest vorerst die Sympathien der „Chavistas“. Maduros zehn Jahre jüngerer Herausforderer Henrique Capriles konnte aber zuletzt aufholen und traut sich selbst einen Überraschungssieg zu.

Capriles könnte den seit Chavez Tod amtierenden Präsidenten Maduro in eine Stichwahl zwingen, falls dieser die Marke von 50 Prozent der Wählerstimmen im ersten Anlauf nicht übertrifft. Zuletzt zeigte sich Maduro aber siegessicher: „Wir werden einen gigantischen Sieg erringen“, sagte er. Je größer der Abstand zu seinem Herausforderer sei, desto friedlicher werde das Land sein. Sollte ein geringerer Vorsprung herauskommen, liege das nur daran, dass die Opposition einige Venezolaner verwirrt habe.

Im Wahlkampf hatte Maduro betont, er werde den von seinem politischen Ziehvater Chavez geprägten Sozialismus des 21. Jahrhundert vorantreiben. Er sprach aber auch Schattenseiten in dem Opec-Land an - allen voran Korruption und Vetternwirtschaft in den Staatsbetrieben sowie die hohe Mordrate. Wahlberechtigt waren insgesamt 18,9 Millionen Venezolaner.

Schrille Töne und Unterstellungen

Der Wahlkampf war geprägt von schrillen Tönen und Unterstellungen. Regierung und Opposition warfen sich gegenseitig schmutzige Tricks vor. So spielte Maduro mit Macho-Sprüchen auf eine angebliche Homosexualität Capriles' an, was dessen Lager empört zurückwies. Zudem mutmaßte Maduro über ein vermeintliches Mordkomplott der USA gegen Capriles, um den Tod des Oppositionskandidaten der Regierung in die Schuhe schieben zu können und damit einen Meinungsumschwung zu bewirken.

Allgegenwärtig ist der verstorbene Chavez. „Das Rennen läuft nicht zwischen Capriles und Maduro, sondern zwischen Capriles und Chavez' Geist“, sagte die 60-jährige Rosa Elena Marcano bei einer der letzten Wahlkampfveranstaltungen der Opposition vor der Abstimmung am Sonntag.

Beide Lager haben ihre Anhänger aufgefordert, früh an die Urnen zu gehen und vor Wahlbetrug auf der Hut zu sein. Wegen des tiefen Misstrauens der rivalisierenden Gruppen könnte ein knapper Ausgang oder der Verdacht auf Unregelmäßigkeiten zu Unruhen in dem lateinamerikanischen Land führen. Die Wahllokale sollten um 18.00 Uhr Ortszeit (00.30 Uhr Montag, MESZ) schließen. Erste Wahlergebnisse wurden für Montag erwartet. Der Abstimmung wohnen rund 170 internationale Wahlbeobachter bei.

Capriles hatte im Oktober die Präsidentenwahl gegen Chavez verloren. Allerdings erzielte der Zentrumspolitiker mit 44 Prozent das beste Ergebnis, das ein Oppositionskandidat je gegen Chavez erreichte. Chavez hatte Anfang März an Krebs gestorben. Der Linkspolitiker regierte das ölreiche Land mit seiner Politik der Umverteilung und Verstaatlichung 14 Jahre lang. (rtr)

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