Vier Säulen nach historischem Vorbild stehen auf der einen Seite, kantige Stützen in moderner Architektur auf den anderen Seiten: Das Foyer des Humboldt Forums im neuen Berliner Schloss ist fast fertig. Mittendrin steht am Montag Hans-Dieter Hegner, Vorstandsmitglied der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, die für den Bau von Deutschlands größtem Kulturprojekt zuständig ist. Das Projekt sei „trotz Risiken im Zeit- und Kostenplan“, sagt er bei einer Führung über die Baustelle. Ende 2019 soll das neue Schloss fertig sein. Wann es eröffnet, steht noch nicht fest. Das soll erst nach den technischen Abnahmen entschieden werden. Über das Foyer werden die Besucher das Humboldt Forum betreten. Hier werden die Kassen sein und der etwa 20 Meter hohe Medienturm, der Auskunft über die Veranstaltungen gibt, sagt Hegner. Rund drei Millionen Besucher werden pro Jahr erwartet.
Das neue Schloss entsteht nach Plänen des italienischen Architekten Franco Stella an der gleichen Stelle, an der die Überreste des im Zweiten Weltkrieg schwerbeschädigten Schlosses 1950 gesprengt worden waren. An der Nord-, West- und Südseite sowie im Schlüterhof werden die Barockfassaden nach historischem Vorbild rekonstruiert. Die Ostseite am Spreeufer entsteht in moderner Architektur. Sie ist bereits fertiggestellt.
Erste Barockfassade zu sehen
Wie die rekonstruierte Barockfassade einmal aussehen soll, ist an der Seite zum Lustgarten zu sehen. Dort wurden die Baugerüste zum Teil bereits abgebaut. Der Rest soll bis Mitte des Jahres folgen. „Wir werden alle Fassaden im Juni 2018 sehen können“, kündigt Bau-Chef Hegner an. Die Fassade des Schlüterhofs verspreche dabei, das „schönste Stück Barock“ zu werden. Das neue Schloss soll ein modernes Kulturzentrum werden. Hauptnutzer wird die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), die hier ihre außereuropäischen Sammlungen zeigen will. Ein „Meilenstein“ bei den Arbeiten in diesem Jahr werde der Umzug der Südseeboote und Südseehäuser aus den Dahlemer Museen der SPK auf die Schloss-Baustelle sein, sagt Bau-Chef Hegner. Dies sei von Ende Mai bis August geplant. Die Ausstellungsobjekte müssen aufgrund ihrer Größe schon jetzt ins neue Schloss gebracht werden, weil es später nicht mehr geht.
Im Foyer wurden an zwei Seiten jeweils 3,50 Meter mal 5,60 Meter große Öffnungen zu den benachbarten Ausstellungsräumen vorbereitet, durch die die Ausstellungsstücke angeliefert werden. Danach werden die Öffnungen zugemauert. „Wir werden die Objekte in Kisten verpackt von Dahlem hierher bringen“, sagt Hegner. Gut geschützt und wohl temperiert sollen sie dann inmitten der Baustelle verbleiben, bis sie 2019 ausgepackt werden.
Geplant ist, dass die Besucher die Südseeboote und Häuser später beim Betreten der Ausstellungsräume zunächst von oben sehen – anschließend sollen sie zu ihnen hinabsteigen können, um sie sich von der Nähe anzusehen.
Alt und modern: Im Foyer wird das rekonstruierte Innenportal von einer Galerie in jetziger Architektursprache umrahmt.
© Thomas Uhlemann
Während außen die Fassade des neuen Schlosses Stück für Stück fertig wird, kommt innen der Ausbau voran. „Ab März 2019 werden die Museen beginnen einzuräumen“, sagt Bau-Chef Hegner. Das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst der SPK werden das zwei und dritte Geschoss nutzen. Im ersten Obergeschoss will das Land Berlin eine Ausstellung über die Geschichte der Stadt präsentieren. Ein Teil der Flächen wird von der Humboldt-Uni bespielt. Eine ausgeklügelte Klima-Technik soll dafür sorgen, dass die Räume immer wohl temperiert sind.
Durch Schlitze im Boden wird Frischluft zugeführt, durch Abzüge in der Decke verbrauchte Luft abgeleitet. Die Technikzentrale für das zweite und dritte Geschoss befindet sich im Dachgeschoss, für die anderen Geschosse ist sie im Keller untergebracht. Dort befindet sich zudem ein sogenannter Eisspeicher. Das ist ein Energiespeicher, der nachts mit dann preisgünstigem Strom beladen wird, um diesen am Tag für die Kühlung einzusetzen. Eis wird dort also gar nicht gespeichert.
Rätsel um Eröffnungstermin
Das neue Schloss soll zwar Ende 2019 „betriebsbereit“ sein, das bedeute aber nicht, dass dann schon jede Fläche fertig ist, sagt Bau-Chef Hegner. Das Restaurant auf dem Dach, das erst während der Arbeiten geplant worden sei, werde möglicherweise erst ein paar Monate später fertig. Völlig unklar ist der Eröffnungstermin für das neue Schloss.
Während der Förderverein Berliner Schloss zuletzt dafür warb, das Schloss am 14. September 2019 zu eröffnen – dem 250. Geburtstag Alexander von Humboldts –, erklärte die Schloss-Stiftung am Montag, dies sei nicht geplant. Der 250. Geburtstag Alexander von Humboldts werde zwar gebührend gefeiert, dies sei aber nicht der Eröffnungstag des Humboldt Forums, sagt der Vorstandssprecher der Stiftung, Johannes Wien. „Inwieweit bestimmte Ausstellungen stufenweise an den Start gehen, lasse ich dahin gestellt“, sagt Bau-Chef Hegner.
Barock: An der Seite zum Lustgarten sind die Baugerüste bereits gefallen und machen den Blick auf die rekonstruierte Fassade frei.
© Thomas Uhlemann
Klarer ist der Stand der Spendensammlung. Von den benötigten 105 Millionen Euro sind laut Johannes Wien 71,3 Millionen Euro eingegangen. Die Sammlung laufe „sehr gut“. Er sei zuversichtlich, das Ziel zu erreichen. Das offizielle Budget für das neue Schloss beläuft sich auf 595 Millionen Euro. Der Bund steuert davon 483 Millionen Euro bei, vom Land Berlin kommen 32 Millionen Euro. 80 Millionen Euro will der Förderverein Berliner Schloss für die Rekonstruktion der Barockfassaden sammeln. Überdies will der Verein weitere 25 Millionen Euro aufbringen, um damit die komplette Rekonstruktion der Kuppel und der Innenportale zu finanzieren.
Damit steigt das Gesamt-Budget des Projekts auf rund 620 Millionen Euro. In diesem Jahr sollen die Berliner unter anderem mit Ausstellungen, Konzerten, Filmen und Symposien auf das Humboldt Forum eingestimmt werden, kündigt Lavinia Frey, die Kulturvorständlerin der Schloss-Stiftung, am Montag an. Am 22. März eröffnet in der Humboldt Box die Ausstellung „Laut: Die Welt hören“.
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