Das Bundeskriminalamt ist am Dienstag mit bundesweiten Razzien gegen eine Gruppe vorgegangen, die für Hunderte Bombendrohungen verantwortlich sein soll. Es gab Durchsuchungen bei vier teilweise noch minderjährigen Beschuldigten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen sowie einem jugendlichen Zeugen in Sachsen-Anhalt, wie die Behörde in Wiesbaden mitteilte.
Die Verdächtigen sollen E-Mails mit vorgetäuschten Drohungen etwa an Schulen und Bahnhöfe geschickt haben. Der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main zufolge sind die vier männlichen Verdächtigen zwischen 16 und 23 Jahren alt und deutsche Staatsbürger. „Hinweise auf eine politische Motivation der Taten bestehen derzeit nicht“, teilte ein Sprecher der Behörde, die in dem Fall gemeinsam mit dem BKA ermittelt, der Nachrichtenagentur AFP mit.
Bombendrohungen sorgten für Hunderte Polizeieinsätze
Die Drohungen hatten weitreichende Folgen. Nach Angaben des Bundeskriminalamts lösten die E-Mails „in Hunderten Fällen“ teils groß angelegte Polizeieinsätze und Evakuierungen aus. So kam es zu Evakuierungen von zwei Einkaufszentren, einer Sperrung des Bahnhofs Neunkirchen und Einstellung des Bahnverkehrs, der Räumung des Funkhauses des MDR in Magdeburg sowie die Räumung und Schließung einer Schule in Bad Hersfeld. Laut Bundeskriminalamt waren die vier Verdächtigen durch Ermittlungen nach Drohungen in Österreich ins Visier geraten.
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Die Verdächtigen hätten dabei „als Teil einer überregional agierenden Tätergruppierung“ agiert, hieß es. Die Gruppe soll sich rein virtuell zusammengeschlossen und in einer geschlossenen Messenger-Gruppe mit der Bezeichnung „Schweinetreff“ miteinander kommuniziert haben. „Ziel der Täter soll es gewesen sein, den öffentlichen Frieden unter Androhung von Straftaten zum Nachteil von Leib und Leben zu stören, größtmögliche Einsatzlagen auszulösen und größtmögliche Verunsicherung in der Bevölkerung zu erzeugen, um sich an der dadurch ausgelösten Reaktion der Sicherheitsbehörden sowie der damit verbundenen Aufmerksamkeit zu erfreuen“, heißt es.
Mutmaßlich um die Aufmerksamkeit zu verstärken, wiesen die Drohmails häufig auch eine islamistische Intention beziehungsweise einen islamistischen Bezug auf. Eine religiös motivierte Tatmotivation konnte im Rahmen der Ermittlungen allerdings nicht belegt werden. Bei den Durchsuchungen seien Beweismittel wie elektronische Geräte und Speichermedien beschlagnahmt worden. Von Festnahmen war nicht die Rede.
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