Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich so stark verbessert, dass die Chancen auf einen unerwartet kräftigen Aufschwung deutlich gestiegen sind. Der Geschäftsklima-Index des Ifo-Instituts legte im November um fast zwei Punkte auf 109,3 Punkte zu und erreichte den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren. Experten hatten nur mit einer kleinen Zunahme gerechnet. Als sehr gut schätzen die 7000 befragten Manager die aktuelle Lage ihrer Firma ein. Mittlerweile aber äußern sie sich auch positiver zu den Erwartungen für die nächsten Monate.
Einer der wichtigsten Konjunkturindikatoren signalisiert damit eine überraschend kraftvolle Belebung. Gerade erst hat der Sachverständigenrat ein Wachstum von 0,4 Prozent in diesem und von 1,6 Prozent im nächsten Jahr vorhergesagt. Analysten diskutieren nun bereits darüber, ob vor allem 2014 mehr drin sein könnte. Der Ifo-Index mache Hoffnung auf stärkeres Wachstum, schreibt die Commerzbank. Die guten Zahlen seien kein Zufall, betont die Bank Unicredit. Sie passten zu dem Bild von Deutschland als dynamische Volkswirtschaft mit zwei Motoren. Die Exporte auch in die Euro-Zone legten zu. Aber auch die Binnennachfrage, angetrieben von der hohen Beschäftigung, Lohnsteigerungen und der geringen Inflation, trage zum Wachstum bei.
Zudem kommen die Investitionen in Schwung, die als Schwachpunkt der deutschen Konjunktur galten und gelten. Darauf deuten Daten des Statistischen Bundesamtes hin. Demnach sorgten vor allem anziehende Investitionen dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt im Zeitraum Juli bis September um 0,3 Prozent stieg. Die Exporte legten wegen der schwächelnden Weltwirtschaft nur um 0,1 Prozent zu, während die Importe um 0,8 Prozent kletterten. Vor allem die Unternehmen trieben die Konjunktur an. Sie gaben 0,5 Prozent mehr für Ausrüstungen wie Maschinen, Geräte und Fahrzeuge aus. Offenbar lassen sie sich von den niedrigen Zinsen und der Hoffnung auf eine Ende der Euro-Krise bewegen, ihre Investitionszurückhaltung aufzugeben.
Stärkere Binnennachfrage
Die aktuellen Daten dürften die Debatte über die deutschen Exportüberschüsse beleben. Einerseits begründeten die Manager ihre Zuversicht in der Ifo-Umfrage gerade mit ihrer Einschätzung, dass die Ausfuhren steigen werden. Andererseits spricht die Entwicklung im dritten Quartal eher für eine stärkere Binnennachfrage. „Die oft geforderte Neuausrichtung der deutschen Wirtschaft ist bereits im Gange“, sagte Carsten Brzeski, Volkswirt der Bank ING. „Die jüngste Kritik am deutschen Wachstumsmodell schaut ein bisschen aus wie Weinen über vergossene Milch.“
Die EU-Kommission prüft derzeit, ob die enormen Leistungsbilanzüberschusse der Bundesrepublik die Ungleichgewichte in der Euro-Zone verschärfen. Darüber wollten in Brüssel die Euro-Finanzminister beraten. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält die Kritik zwar für unbegründet, will aber das Verfahren gegen Deutschland akzeptieren. Eurogruppen-Chef Dijsselbloem bezweifelte dagegen, ob es überhaupt sinnvoll sei, Länder mit Überschüssen kontrollieren zu lassen. „Vielleicht werden wir am Ende feststellen, dass wir solche Analysen nicht mehr brauchen“, sagte der Holländer dem Handelsblatt.
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