Lipsa - Wie die Polizei am Montag mitteilte, ist offensichtlich erneut ein Wolf in Südbrandenburg geschossen worden. Der zuständige Revierförster habe die Polizei bereits am Freitag informiert, dass in der Nähe von Lipsa (Oberspreewald-Lausitz) ein toter Wolf gefunden wurde, der nicht eines natürlichen Todes gestorben ist.
„Das Zweijährige weibliche Tier wies zwei Schussverletzungen auf“, sagte Polizeisprecher Torsten Wendt. Der Wolfsbeauftragte der Region ließ den Kadaver zur weiteren Untersuchung in das Institut für Zoo- und Wildtierforschung nach Berlin bringen. „Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz gegen Unbekannt aufgenommen“, sagte Wendt.
Bis zu 50.000 Euro Strafe
Das Tier wurde bei Aufräumarbeiten im Wald gefunden. Der Wald heißt Ruhlander Schwarzwasser und ist in unmittelbarer Nähe der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen. Nach Bekanntwerden dieses Falles forderte die Fraktion der Grünen im Potsdamer Landtag am Montag ein schärferes Vorgehen gegen solche Täter und eine rigorose Verfolgung durch die Polizei.
Der umweltpolitische Sprecher Benjamin Raschke sagte: „Den oder die Täter solcher illegalen Wolfsabschüsse ausfindig zu machen, hat sich in der Vergangenheit als schwierig erwiesen. Aus meiner Sicht muss hier mehr getan werden und die Zuständigkeit für illegale Wolfstötungen an das Landeskriminalamt verlagert werden."
Der im 18. und 19. Jahrhundert ausgerottete Wolf ist europaweit streng geschützt und darf nicht geschossen werden. Der illegale Abschuss gilt nicht nur als Ordnungswidrigkeit, sondern als Straftat, die mit einer Strafe von bis zu 50.000 Euro in Brandenburg bestraft wird.
25 illegal geschossene Wölfe
Damit erhöht er die Bilanz der bundesweit illegal geschossenen Wölfe auf 25 Fälle. Das geht aus einer Statistik des Naturschutzbundes (Nabu) hervor, der die illegalen Abschüsse seit 2000 zählt.
Es gab auch schon einen Fall, dass in Südbrandenburg ein Wolf illegal getötet wurde, dann der Kopf des Tieres abgetrennt und der übrige Kadaver ausgerechnet unter dem Schild eines Naturschutzgebietes abgelegt wurde.
Wolfsregion Nr. 1
Die Lausitz ist die am dichtesten mit Wölfen besiedelte Region Deutschlands. Um das Jahr 2000 kamen die ersten Wölfe aus Polen nach Deutschland, bildeten erste Rudel in Sachsen und breiteten sich dann nach Norden aus und besiedelten vor allem leere ehemalige Truppenübungsplätze in Südbrandenburg.
Von den bundesweit 60 Rudeln lebten im Wolfsjahr 2016/2017 insgesamt 22 im Land Brandenburg. Außerdem wurden drei Wolfspaare offiziell nachgewiesen. Pro Rudel wird mit bis zu zehn Tieren gerechnet. Mehr als die Hälfte der Tiere lebt in der Lausitz.
Hinzu kommen fünf Gebiete, in denen nicht klar ist, ob sich dort die Rudel oder die Wolfspaare bereits niedergelassen haben oder nur auf der Wanderung sind.
Regeln für Problemwölfe
Seit Dezember vergangenen Jahres gibt es eine neue Wolfsverordnung im Land Brandenburg, in der auch definiert ist, wann eines dieser geschützten Raubtiere als Problemwolf eingestuft wird, weil er sich menschlichen Siedlungen zu oft nähert oder weil er zu oft auf Weiden die Nutztiere der Landwirte tötet.
Dort ist auch geregelt, wann ein Problemwolf geschossen werden darf. Das darf ein Jäger aber nicht selbst entscheiden, sondern dafür ist eine Ausnahmegenehmigung des Landesumweltamtes nötig.
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