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Großrazzia

700 Polizisten gehen in Berlin gegen Kokain- und Autoschieber vor

Per illegalem Hawala-System transferierte eine Bande 165 Millionen Euro in den Libanon.

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Die Einsatzkräfte durchsuchen mehrere Objekte in Berlin.

Die Einsatzkräfte durchsuchen mehrere Objekte in Berlin.

© Morris Pudwell

Im großen Stil soll eine Bande Gewinne unter anderem aus dem Kokain-Handel gewaschen und das Geld an Hintermänner im Libanon weitergeleitet haben. Diesem Treiben setzten 700 Polizisten und Zollbeamte jetzt mit einer Großrazzia in Berlin und anderen deutschen Städten ein Ende.

Am Mittwochmorgen durchsuchten Fahnder in Berlin zahlreiche Wohnungen. Durchsuchungen hat es auch in Mittenwalde, Schönefeld, Hamburg, Essen, Mannheim und Haßloch gegeben. Insgesamt wurden 39 Wohn- und Geschäftsobjekte durchsucht. 32 Beschuldigte stehen im Fokus der Ermittlungen. Von diesen wurden sechs mit Unterstützung von Spezialeinheiten der Berliner Bereitschaftspolizei festgenommen. Sie sollten im Laufe des Tages einem Richter zum Erlass von Haftbefehlen vorgeführt werden.

Hauptbeschuldigter ist nach Angaben der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen leitet, ein 46 Jahre alter Verdächtiger aus Berlin. Laut Staatsanwaltschaft-Sprecher Julius Sterzel ist der Mann dringend verdächtig, ein international agierendes Hawala-System betrieben zu haben. Mit diesem können Kunden gegen Provision außerhalb des staatlich genehmigten Banken- und Finanzwesens Geld überweisen. Das Hawala-Banking ist in muslimischen Ländern als alternatives Überweisungssystem verbreitet, in Deutschland aber verboten. Es beruht auf dem gegenseitigen Vertrauen der Beteiligten und wird oft auch von Kriminellen genutzt.

Laut Staatsanwaltschaft soll der verhaftete Berliner einer Vielzahl von Kunden die Möglichkeit geboten haben, gegen Zahlung einer Provision Geldüberweisungen außerhalb des staatlich genehmigten Bankenwesens vor allem von Deutschland in den Libanon vorzunehmen. Zudem bestehe der Verdacht, dass Geld aus Straftaten Dritter gewaschen oder diesen für die Begehung anderer Straftaten zur Verfügung gestellt wurde. Das Transaktionsvolumen betrug nach jetzigem Stand der Ermittlungen seit November 2018 rund 165 Millionen Euro.

Lastwagen nach Afrika verkauft und das Geld in den Libanon transferiert

Einer der Kunden, ein 42-jähriger Autohändler aus Berlin-Treptow, steht im Verdacht, mit gebrauchten Lastkraftwagen aus osteuropäischen Staaten gehandelt, diese nach Afrika verkauft zu haben. In Zusammenarbeit mit einem weiteren Beschuldigten sollen die Erlöse in den Libanon transferiert worden sein. Für den Erwerb der Lastkraftwagen erhielt der beschuldigte Autohändler von dem 46-jährigen Haupttäter zwischen Januar 2019 und Juni 2020 mindestens 3,4 Millionen Euro Bargeld.

Die Hinweise auf die Bande kamen vor vier Jahren von der US-amerikanischen Drug Enforcement Administration (DEA). Sie hatte Kenntnis von einer bis dahin unbekannten Person, die illegale Gewinne aus dem Handel mit Kokain sammelte, wusch und das auf diesem Wege legalisierte Geld an die Hintermänner im Ausland weiterleitete.

Bei der Durchsuchungsaktion, an der auch das Bundeskriminalamt beteiligt war, wurden 14 Konten, Bargeld und Vermögenswerte in Höhe von etwa 1,9 Millionen Euro sowie eine Gewerbeimmobilie beschlagnahmt.

Ähnliche Geschäfte betreibt auch die im Libanon ansässige schiitische Terrororganisation Hisbolla in Europa. „Wir können solche Verbindungen nicht ausschließen, aber bisher haben wir keine Hinweise auf Terrorfinanzierung“, sagte Sterzel.

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