Im Stolzenhagener Zeltplatzstreit haben sich die Fronten verhärtet

Amt läßt die Zäune verbrennen

Elke Kaldasch
2 Min

Die Situation auf dem Campingplatz Stolzenhagen spitzt sich zu: Am gestrigen Donnerstag gegen 7 Uhr haben Mitarbeiter der Bauhöfe des Amtes Wandlitz die Tore zum "Feriencenter Stolzenhagener See" aufgebrochen und mit dem Abriß der Einzäunung begonnen. An allen Zugängen wurden Schilder mit der Aufschrift "Privateigentum. Betreten verboten." angebracht. Am frühen Nachmittag loderten Flammen weithin sichtbar auf der Badestelle am See. Die Freiwillige Feuerwehr des Ortes verbrannte die Holzzaunfelder. Hintergrund des erbitterten Streites zwischen der Gemeinde und den Campern ist der geplante Ausbau des Geländes zwischen dem Stolzenhagener und dem Wandlitzer See. Den bisherigen Zeltplatznutzern war am 15. März gekündigt worden, ob wohl sie ihre Jahrespacht für 1999 in Höhe von 2 000 Mark bezahlt hatten (wir berichteten)."Wir haben mit unserer Pacht den Zaun und die Tore finanziert, die jetzt einfach abgerissen wurden", sagte Christine Anders, Vorstandsmitglied des Campervereins. Gemeinsam mit anderen Campern stand sie vor dem brennenden Scheiterhaufen fassungslos. Noch am Vortag hatten sich die Camper mit einem "Offenen Brief" an die Gemeindevertreter und Einwohner von Stolzenhagen gewandt: "Lassen Sie uns bei der künftigen Gestaltung und Nutzung des Campingplatzes am Stolzenhagener See über das Jahr 1999 hinaus Partner sein. Auch wir wollen einen modernisierten Platz, der uns noch viele Jahre Stätte der Erholung und Stolzenhagen ein touristisches Aushängeschild sein kann."Amtsdirektor Reinhold Dellmann verstand die Aufregung nicht. "Bei den begonnenen Arbeiten handelt es sich ausschließlich um Maßnahmen zur Verkehrssicherheit. Der von den abgerückten Campern hinterlassene Müll wird weggeräumt, marode Zaunfelder werden abgerissen", so der Amtsdirektor. Nach seiner Auffassung ist die Gemeinde nicht nur Eigentümerin des vier Hektar großen Geländes, sondern auch der Einzäunung. Mit den angebrachten Schildern wollte man den Zutritt "Unbefugter" verhindern. Dellmann kündigte weitere Baumaßnahmen an. So soll die Badestelle hergerichtet werden. 60 000 Mark stehen dafür zur Verfügung. "Die Badestelle wird eingezäunt, es werden Parkplätze gebaut und im Sommer wird Eintritt kassiert", sagt Dellmann.Eckhart Beleites, Präsident des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) e. V., kritisierte das Handeln der Gemeinde als "Wildwestmanier". "Offenbar ist dem Amt bewußt geworden, daß es rein rechtlich nichts gegen die Camper unternehmen kann. Jetzt wird mit Schikane versucht, die Familien zu vertreiben. Erst wurde der Strom abgestellt, jetzt wird die Einzäunung niedergerissen und damit dem Vandalismus Tür und Tor geöffnet", sagte Beleites.

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