Im winzigen Kreuzberger Kellerkino ist Platz für vieles, was die großen Häuser links liegen lassen: Von Jahreszeit zu Jahreszeit

Eine Adresse für Feinschmecker: Dresdner Str. 125. Über zwanzig gepolsterte Sitzplätze verfügt das Etablissement im Keller, der Rotwein ist ausgezeichnet, und die Spezialität des Hauses heißt seit neuestem "Quattro Stagioni - Vier Jahreszeiten".Doch das schmale Haus, das Anfang des Jahrhunderts als Fleischerei gebaut wurde und zuletzt eine Druckerei beherbergte, ist nicht etwa ein neues Ristorante, sondern ein ganz spezielles Kino, von zahlreichen Filmfreaks nicht nur wegen der Popcorn-Maschine und der Wohnküchen-Atmosphäre heiß geliebt. Seit 1992 zeigen Thorsten Schneider und seine Mitstreiter vom gemeinnützigen Verein "No-Budget-Filmservice" im Kreuzberger "Kellerkino" alles, was gut und nicht teuer ist - vom Home-Made-Splatter "Berlin Snuff" und "Mutantenterror" über das bittersüße Neuköllner Melo "Nah am Wasser" bis zum Dauerbrenner "Rollo Aller", Henrik Peschels Hommage an "Nordsee ist Mordsee" mit King Rocko Schamoni. Berühmtestes Aushängeschild des "Kellerkinos" jedoch war bislang die "Frühlingsrolle", eine Art permanentes Kurzfilmfestival, bei dem das Publikum jeweils einen Monatssieger kürte, der einmal im Jahr in der "Ultra-Frühlingsrolle" präsentiert wurde. Die beiden letztplazierten Filme wurden durch "Nachrücker" ersetzt.Neuerdings wechselt das Kurzfilmprogramm komplett, und zwar mit der Jahreszeit. Inhaltliche Analogien sind damit jedoch nicht garantiert. Die aktuelle "Frühlingsrolle" zumindest offenbart sich der aufblühenden Natur zum Trotz eher schwermütig, düster-bizarr und melancholisch. Doch daß das Programm "viel Tod und so" bietet, erklärt Thorsten Schneider mit den eingesandten Filmen: "Wir suchen ständig schwarze, groteske, komische und unterhaltsame Kurzfilme." Ob die "Sommerrolle" vergnüglicheres Material bietet, kann ab Freitag begutachtet werden.Die Mission "Kellerkino" nahm ihren Anfang mit drei Filmen von Matthias Drawe: "Die Kunst, ein Mann zu sein", "Der König von Kreuzberg" und "Elfenbeinturm". Für die längst zu Berliner Kultstreifen avancierten Werke fanden sich nämlich keine Abspielstätten. Also schuf man sich einfach eine. Dabei ist das Kino selbst nur eine der Vereinsaktivitäten. Der "No-Budget-Filmservice" verleiht auch Geräte und hält Kurse in Bereichen wie Drehbuch und Kamera ab. Und so unkompliziert, wie man einen Film für eine der "Vier Jahreszeiten" einreichen kann ("Einfach vorbeibringen!"), so leicht kann man gemeinsam mit den Machern des Kellerkinos auch eine Filmidee verwirklichen: "Einfach vorbeikommen!"Im aktuellen Programm finden sich auch eine Videodokumentation über die "Edelweißpiraten", Norbert Schliewes mit dem Hessischen Filmpreis ausgezeichnete 16-Millimeter-Produktion "Now What" und in der Reihe "Ausgegraben" zwei Perlen des Trashfilms, Jess Francos genial dilettantischer "Jack the Ripper" mit Klaus Kinski und "U 4 000 - Panik unter dem Meer" von "Godzilla"-Urvater Inoshiro Honda. ...

BLZ
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Eine Adresse für Feinschmecker: Dresdner Str. 125. Über zwanzig gepolsterte Sitzplätze verfügt das Etablissement im Keller, der Rotwein ist ausgezeichnet, und die Spezialität des Hauses heißt seit neuestem "Quattro Stagioni - Vier Jahreszeiten".Doch das schmale Haus, das Anfang des Jahrhunderts als Fleischerei gebaut wurde und zuletzt eine Druckerei beherbergte, ist nicht etwa ein neues Ristorante, sondern ein ganz spezielles Kino, von zahlreichen Filmfreaks nicht nur wegen der Popcorn-Maschine und der Wohnküchen-Atmosphäre heiß geliebt. Seit 1992 zeigen Thorsten Schneider und seine Mitstreiter vom gemeinnützigen Verein "No-Budget-Filmservice" im Kreuzberger "Kellerkino" alles, was gut und nicht teuer ist - vom Home-Made-Splatter "Berlin Snuff" und "Mutantenterror" über das bittersüße Neuköllner Melo "Nah am Wasser" bis zum Dauerbrenner "Rollo Aller", Henrik Peschels Hommage an "Nordsee ist Mordsee" mit King Rocko Schamoni. Berühmtestes Aushängeschild des "Kellerkinos" jedoch war bislang die "Frühlingsrolle", eine Art permanentes Kurzfilmfestival, bei dem das Publikum jeweils einen Monatssieger kürte, der einmal im Jahr in der "Ultra-Frühlingsrolle" präsentiert wurde. Die beiden letztplazierten Filme wurden durch "Nachrücker" ersetzt.Neuerdings wechselt das Kurzfilmprogramm komplett, und zwar mit der Jahreszeit. Inhaltliche Analogien sind damit jedoch nicht garantiert. Die aktuelle "Frühlingsrolle" zumindest offenbart sich der aufblühenden Natur zum Trotz eher schwermütig, düster-bizarr und melancholisch. Doch daß das Programm "viel Tod und so" bietet, erklärt Thorsten Schneider mit den eingesandten Filmen: "Wir suchen ständig schwarze, groteske, komische und unterhaltsame Kurzfilme." Ob die "Sommerrolle" vergnüglicheres Material bietet, kann ab Freitag begutachtet werden.Die Mission "Kellerkino" nahm ihren Anfang mit drei Filmen von Matthias Drawe: "Die Kunst, ein Mann zu sein", "Der König von Kreuzberg" und "Elfenbeinturm". Für die längst zu Berliner Kultstreifen avancierten Werke fanden sich nämlich keine Abspielstätten. Also schuf man sich einfach eine. Dabei ist das Kino selbst nur eine der Vereinsaktivitäten. Der "No-Budget-Filmservice" verleiht auch Geräte und hält Kurse in Bereichen wie Drehbuch und Kamera ab. Und so unkompliziert, wie man einen Film für eine der "Vier Jahreszeiten" einreichen kann ("Einfach vorbeibringen!"), so leicht kann man gemeinsam mit den Machern des Kellerkinos auch eine Filmidee verwirklichen: "Einfach vorbeikommen!"Im aktuellen Programm finden sich auch eine Videodokumentation über die "Edelweißpiraten", Norbert Schliewes mit dem Hessischen Filmpreis ausgezeichnete 16-Millimeter-Produktion "Now What" und in der Reihe "Ausgegraben" zwei Perlen des Trashfilms, Jess Francos genial dilettantischer "Jack the Ripper" mit Klaus Kinski und "U 4 000 - Panik unter dem Meer" von "Godzilla"-Urvater Inoshiro Honda. +++

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