Immer mehr Verbraucher kaufen fair gehandelte Produkte - das hilft Kleinbauern gerade in schweren Zeiten

Kaffee für das gute Gewissen

Lisa Hemmerich
3 Min

BERLIN. Trotz Wirtschafts- und Finanzkrise haben die deutschen Verbraucher 2008 sehr viel öfter zu Produkten aus fairem Handel gegriffen als in den Vorjahren. Mit insgesamt 266 Millionen Euro stieg der Umsatz um 38 Prozent im Vergleich zu 2007, teilte der Branchenverband Forum Fairer Handel gestern in Berlin mit. "Das Ergebnis ist erfreulich, aber wir sind noch lange nicht zufrieden", sagte der Vorsitzende Hans-Christoph Bill. "266 Millionen sind nur etwa drei Euro pro Kopf."Über dem MarktpreisGerade in Krisenzeiten stelle der Kauf fair gehandelter Produkte für die Produzenten eine enorme Unterstützung dar. Die weltweite Finanzkrise treffe die Kleinbauern besonders hart wegen der steigenden Preise für Nahrung, Brennstoffe und Dünger. Gleichzeitig sei der Zugang zu Krediten erschwert. Fairer Handel hilft den Produzenten, indem Händler den meist in Entwicklungsländern beheimateten Herstellern Preise zahlen, die teilweise deutlich über dem Marktpreis liegen. Bill fordert deshalb von der Bundesregierung, dass sie "gerechten" Handel stärker unterstütze und als Vorbild vorangehe.Verkaufsschlager unter den fair gehandelten Produkten war 2008 nach wie vor der Kaffee mit rund 5 200 Tonnen. Aber auch die Nachfrage nach anderen Produkten legte deutlich zu. So stieg der Absatz von Fruchtsäften um 80 Prozent, Zucker verzeichnete immerhin ein Plus von knapp 60 Prozent. Selbst viele Niedrigverdiener unterstützen den fairen Handel. Insgesamt 44 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren gaben in einer von dem Verband in Auftrag gegebenen Umfrage an, schon einmal Fair-Trade-Produkte gekauft zu haben. Das entspricht einem Zuwachs von rund 4,3 Millionen Kunden im Vergleich zu 2007."Der Vertrieb in den Discountern macht sicherlich einen hohen Anteil an der Steigerungsrate aus", sagte Bill. Der Handel von Fair-Trade-Produkten über diese Schiene stoße zwar auf Kritik, aber jede Absatzsteigerung komme den Produzenten zugute. Mittlerweile würden knapp die Hälfte der mit einem Fair-Trade-Siegel zertifizierten Produkte über Supermärkte und Discounter verkauft, rund ein Viertel über den Naturkost- und Biohandel und lediglich zehn Prozent über Eine-Welt-Läden.Im Gegensatz zu den ökologisch hergestellten Lebensmitteln ist die Nachfrage nach fair gehandelten Produkten ungebrochen. Bill sieht dafür zwei Gründe: "Wir haben das Absatzniveau von Bioprodukten noch nicht erreicht und die Leute merken, dass Bio nicht gesünder macht." Die Mehrerlöse durch den fairen Handel kämen dagegen mit Sicherheit beim Kleinbauern an. Dabei schließt fairer Handel biologischen Anbau nicht aus. Rund 75 Prozent der Fair-Trade-Produkte stammen aus dieser Anbauform. Inzwischen profitieren weltweit rund 820 Kleinbauernkooperativen und Plantagen von den Vorzügen des fairen Handels.

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