Man müsse einem Kind die Chance geben, bestimmte Krankheiten durchzumachen, das fördere seine Entwicklung. Dieses Argument bekommt man am häufigsten von Menschen zu hören, die das Impfen grundsätzlich ablehnen. Wer so denkt, nimmt aber nicht nur in Kauf, dass das Kind schwer krank, sondern auch Opfer von Spätfolgen werden könnte. Denn erwiesenermaßen können etwa Masern und Keuchhusten zu Entzündungen des Gehirns führen. Wer nach der Pubertät an Mumps erkrankt, muss mit Schädigungen der Geschlechtsorgane rechnen. In Deutschland, einem Land mit einem hohen Standard der medizinischen Versorgung, leisten sich ein paar hunderttausend Menschen den Luxus, Impfungen generell abzulehnen. Ihre Haltung wird immer dann hinterfragt, wenn sich eine Krankheit epidemieartig ausbreitet. Das betrifft die Häufung von an Masern erkrankten Kindern im vergangenen Jahr, aber auch die jetzige Grippe-Welle. Damit wird dann auch ein anderes beliebtes Argument entkräftet, dass nämlich die meisten Krankheiten so selten geworden seien, dass es sich gar nicht lohne, den Körper beim Impfen mit den Erregern zu belasten. Sie sind aber nur deshalb selten, weil große Teile der Bevölkerung geimpft sind. Doch gerade bei Masern hat die Bereitschaft zur Immunisierung nachgelassen. Die außerdem häufig angeführten Impfkomplikationen bedeuten meistens nur die normale Auseinandersetzung des Körpers mit dem Impfstoff, die von Fieber und Wehleidigkeit bis zu einer leichten Entzündung der Haut an der Einstichstelle reichen kann. Schlimmere Folgen bleiben die Ausnahme: Die Staatliche Impfkommission empfiehlt, sich in der Risiko-Nutzen-Abwägung immer zu Gunsten der Impfung zu entscheiden. Ganz anders verhält sich mit den Pocken, einer hoch gefährlichen Infektionskrankheit, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO bereits für ausgerottet erklärt wurde. Die angespannte Lage am Golf hat die Gefahr eines biologischen Krieges heraufbeschworen. Obwohl es bis dato keine Beweise gibt, dass der Irak über Pockenerreger verfügt, werden hier zu Lande Vorbereitungen getroffen, im Ernstfall die Bevölkerung impfen zu können. Eine allgemeine Prophylaxe empfiehlt sich allerdings nicht. Denn dieser Impfstoff entspricht nicht mehr dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Entwicklung und birgt die Gefahr von gravierenden Nebenwirkungen.ORIENTIERUNG // KINDER. Schutzimpfungen bilden die Grundlage für den Aufbau körpereigener Abwehrkräfte gegen schwerwiegende Infektionskrankheiten und deren Folgen. Kinderkrankheiten wie Keuchhusten, Masern und Röteln sind keineswegs harmlos. In Deutschland gibt die am Berliner Robert-Koch-Institut angesiedelte Ständige Impfkommission (STIKO) Empfehlungen für Standardimpfungen und für den Impfschutz von Risikogruppen heraus. Der Impfkalender nennt die Termine für die frühestmögliche Immunisierung.Tetanus, Polio usw.Ab dem 2. Lebensmonat können Säuglinge geimpft werden. Kombinationspräparate reduzieren die Zahl der notwendigen Injektionen. Empfohlen wird in den ersten Wochen die Immunisierung gegen Diphtherie, Hepatitis B, Hib (Haemophilus influenzae Typ b), Keuchhusten (Pertussius), Kinderlähmung (Poliomyelitis) und Wundstarrkrampf (Tetanus) - das ist in dieser Kombination möglich. Der Impfstoff wird in bestimmten Abständen insgesamt viermal verabreicht.Masern, Mumps, Röteln.Ab dem vollendeten 11. Lebensmonat wird zur zweimaligen kombinierten Schutzimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfung) geraten. Sollten ungeimpfte bzw. nur einmal geimpfte Kinder Kontakt zu Personen mit Masern, Mumps oder Röteln haben, empfiehlt die STIKO, die Kinder innerhalb von drei Tagen gegen MMR zu impfen.Windpocken.Gegen Windpocken können gesunde Kinder ab 9 Monaten geimpft werden. Die Impfung ist für folgende Risikopatienten empfohlen: Kinder mit schwerer Neurodermitis, Leukämie, bösartigen Tumoren oder geschwächter Immunabwehr, Geschwister und Eltern dieser Kinder sowie Frauen mit Kinderwunsch und medizinisches Personal. Da die Anzahl der Komplikationen bereits im Teenageralter stark zunimmt, raten Impfexperten, auch gesunde Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren, die bisher noch nicht an Windpocken erkrankt sind, zu impfen. Damit sinkt vor allem das Risiko einer Übertragung auf Ungeborene nicht immuner schwangerer Frauen. Bei den Ungebohrenen kann das Virus Schäden verursachen.Schutz vor Pneumokokken.Die Impfung gegen Pneumokokken (Erreger von Hirnhautentzündungen oder Lungenentzündung) wird von der STIKO empfohlen für Kinder ab dem vollendeten 2. Lebensmonat oder Jugendliche mit Gedeihstörungen, chronischen Herz- und Lungenerkrankungen, Nierenschäden und Immunmangelkrankheiten. Ein erhöhtes Gesundheitsrisiko besteht auch für Frühgeborene.JUGENDLICHE.Die Entwicklung von Kindern bis zum fünften Lebensjahr wird regelmäßig in den Vorsorgeuntersuchungen von U1 bis zur U9 kontrolliert und dabei auch der Impfschutz überprüft. Für Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren gibt es mit der J1 einen speziellen Termin, der als Gesundheitscheck, Beratung und als Überprüfung des Impfschutzes gilt. Spätestens dann sollte die Tetanus-Polio-Diphtherie- und Keuchhusten-Immunisierung erneuert werden und auch der Masern-Mumps-Röteln-Impfschutz überprüft werden.ERWACHSENE.Schutz vor Grippe.Die Impfung gibt Schutz für ein Jahr und sollte im Oktober oder November, also vor Ausbruch der alljährlichen Grippewelle, durchgeführt werden. Empfohlen ist sie besonders für Menschen ab 60 Jahre, Personen mit erhöhter Gefährdung (etwa medizinisches Personal) und Menschen mit chronischen Krankheiten. Für Kinder und Jugendliche ist sie in der Regel nicht unbedingt erforderlich.Tetanus und Diphtherie.Alle zehn Jahre sollte der Impfschutz für diese Krankheiten erneuert werden. Bei längerer Impfpause kann meistens dennoch auf eine Grundimmunisierung (Mehrfachimpfung) verzichtet und nur die Auffrischung vorgenommen werden.FSME.Die Impfung gegen die durch Zecken übertragene Frühsommermeningoenzephalitis, eine virale Erkrankung des zentralen Nervensystems, wird Personen empfohlen, die sich in den Risikogebieten aufhalten. Zecken sind zwischen März und Oktober aktiv. Der Impfstoff ist auch für Kinder ab drei Jahren zugelassen, doch verläuft die Krankheit bei Kindern in der Regel leichter. Generell gilt: Je früher eine Zecke entdeckt und entfernt wird, desto geringer ist die Infektionsgefahr.Auslandsreisen Reisen in bestimmte Regionen machen Impfungen beispielsweise gegen Hepatitis A und Gelbfieber erforderlich. Informationen darüber erteilt das Tropeninstitut Berlin an der Charité, Tel. 30 11 66.Weitere Informationen im Internet unter www. kinderaerzte-im-netz. de www. rki. de/GESUND/IMPFEN/IMPFEN. HTM .UWE PULLWITT Gemeinsam kann man sich besser fürchten: Dieses Bild stammt noch aus der Zeit allgemeiner Impfpflicht.DDP/NORBERT MILLAUER
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