Adam Riese, als Verfasser von Rechenbüchern im Umgang mit Zahlen versiert, wurde sich in manchen Berliner Ortsteilen wie zu Hause fühlen. An die 500 Straßen tragen statt Namen lediglich eine Nummer. Vor allem in den Randgebieten gibt es viele Familien, deren Wohnanschrift ein Einstieg in die Arithmetik ist, Verwechslungen schnell möglichDie Spitze hält die Straße 997 in Treptow. Daß in den Zahlenkolonnen dennoch Lücken klaffen, liegt daran, daß Stadtväter für manche der Nummern-Straßen einen Namenspatron gesucht haben oder sich eine Bezeichnung ausdachten, die ein Hinweis auf ihre Geschichte, Beschaffenheit oder Lage sein soll. So gibt es nun an zehn verschiedenen Stellen in Berlin eine Bahnhofstraße. Acht Berliner Straßen heißen überaus originell Berliner Straße. In sieben Ortsteilen existieren "Hauptstraßen".Aber auch die Nummern-Straßen sind nicht immer Unikate. Dies kann schnell zu Verwechslungen führen. Die Straße mit der 4 auf dem Schild beispielsweise existiert sechsmal in Berlin. Nicht anders ergeht es der Straße 7. Bei der 2 ergibt sich die zusätzliche Schwierigkeit, allein in einem Bezirk dreimal vertreten zu sein -- nämlich in Hohenschönhausen.Umbenennungen stoßen nicht nur auf GegenliebeHohenschönhausen hat angekündigt, mit den Nummern-Straßen aufzuräumen und 15 von ihnen mit einem bürgerlichen Namen auszustatten. Nach der Wende war ohnehin die Umbenennung etlicher Straßen fällig. So schloß der bezirkliche Kulturausschuß gleich einen Teil der bezifferten ein. Ausschußvorsitzende Gabriela Scholz weiß allerdings ganz gut, daß sie dabei nicht nur auf Gegenliebe stößt. Vor allem Anwohner aus Nummern-Straßen fragen, ob es denn jetzt nichts Wichtigeres zu tun gebe. Die Ausweise, Visitenkarten, Briefköpfe, die dann "entziffert" werden müßten, würden auf ihre eigene Rechnung gehen.Jürgen Krüger aus der Straße 6 in Wartenberg bleibt der Zweck dieser Namenskorrektur schleierhaft: "Ich bin gegen Verschleuderung von Steuergeldern ohne irgendwelchen Sinn", macht er seinem Herzen Luft. Kulturarbeit könne auch anders sein. Außerdem habe seine Straße schon einmal einen anderen Namen besessen: Anfang der dreißiger Jahre mußte die Richardstraße wahrscheinlich weichen, um "Groß-Berlin" gegenüber Brandenburg kenntlich zu machen. Weshalb soll nun, so fragt sich Jürgen Krüger, das Fahrrad neu erfunden und wieder ein anderer Name verliehen werden?Vorschläge liegen vorerst auf EisIn Köpenick, Spandau und Pankow -- ebenfalls ausgestattet mit Nummernleisten mi Straßenverzeichnis -- sind keine Umbenennungen geplant. Der Ortschronist von Buchholz, Dieter Geisthardt, hat schon verschiedene Versuche unternommen. Aber seine Vorschläge liegen noch auf Eis. Eigentlich sollte die Straße 53 bereits vor zwei Jahren -- zum 750. Jubiläum dieses Pankower Ortsteils -- an den jüdischen Arzt Dr. Max Markus erinnern. Der Behördenweg allerdings ist lang. Die Zustimmung der Bezirksverordneten reicht längst nicht aus. Auf weitere neue Namen, die an ehemals in Buchholz ansässige Hugenottenfamilien, Bauerngeschlechter, Gemeindevorsteher und Handwerker erinnern, soll dann zurückgegriffen werden, wenn mit dem Neubau von weiteren Wohnungen und kommunalen Einrichtungen Tatsachen geschaffen werden.
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