Wenn Wissenschaft auf die Straße geht, dann hat sie starke Verbündete. " Dieter Hoffmann, Wissenschaftshistoriker vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, meinte damit am Mittwochmittag schlicht das Wetter, das zwischen Sonne und Regen schwankte, sich dann aber doch für die angenehmere Variante entschied.Gutes Wetter ist für die Wissenschaftstour durch Berlin-Mitte, die Hoffmann im Rahmen des Wissenschaftssommers 2001 führt, eine wichtige Voraussetzung. Rund zwei Stunden lang lotst er die Teilnehmer durch die Straßen des historischen Zentrums der Stadt - hin zu den Gebäuden, die Berlin vor etwa hundert Jahren den Ruf eines "wissenschaftlichen Weltzentrums" einbrachten. Dass die Wissenschaftswanderer dabei kaum Gelegenheit haben, auch einen Blick ins Innere der Bauwerke zu werfen, ist schade. Es wäre in der vorgesehenen Zeit aber auch kaum zu schaffen.Die zehn Teilnehmer, die am ersten Tag gekommen waren, mussten sich sputen, um Hoffmann, der mit wehendem Mantel vorauseilte und auch vor roten Ampeln nicht zurückschreckte, auf den Fersen bleiben zu können. Zwei älteren Damen ging es offenbar zu schnell: Sie gaben nach der Hälfte der Strecke auf.Wissenschaftsgeschichte in Berlin-Mitte - das ist vor allem eine Erfolgsgeschichte von Physik und Medizin. An der 1810 gegründeten Berliner Universität (der heutigen Humboldt-Universität) forschten Geistesgrößen wie Max Planck und Albert Einstein oder Rudolf Virchow und Robert Koch. Planck stellte seine Quantentheorie der Öffentlichkeit erstmals im Jahr 1900 im Physikalischen Institut am Reichstagsufer vor, an dessen Stelle heute das Hauptstadtstudio der ARD steht; Einstein hielt seinen ersten öffentlichen Vortrag über die Allgemeine Relativitätstheorie 1915 im Gebäude der heutigen Staatsbibliothek Unter den Linden, das damals Sitz der Preußischen Akademie der Wissenschaften war. Spuren von Virchow und Koch finden sich rund um die Charité - so zum Beispiel im ehemaligen Reichsgesundheitsamt in der Luisenstraße 57, wo Koch 1882 das Tuberkulose-Bakterium entdeckte.Dieter Hoffmann informiert auf seiner Wissenschaftstour durch Berlin-Mitte über die Geschichte der Humboldt-Universität, über die Wissenschaftspolitik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie über die Forscher, die in der Stadt wirkten. Und er führt die Teilnehmer zu "dem Ort Berlins mit der größten Nobelpreisträgerdichte" - vorausgesetzt, man ist gut zu Fuß und das Wetter spielt mit.Der Berliner Museumspädagogische Dienst bietet seine Wissenschaftstouren in fünf Berliner Stadtteilen an. Die Führungen finden bis Sonntag täglich statt in Adlershof, Buch, Mitte, Charlottenburg und Dahlem. Termine und Treffpunkte für die einzelnen Streifzüge können unter folgender Telefonnummer abgefragt werden: 030 /28 39 74 44.ANDREAS TEICH Treffpunkt für eine Wissenschaftstour: Die Statue des Berliner Gelehrten Hermann von Helmholtz vor der Humboldt-Universität.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de