DUBAI. Schon der Auftakt war perfekt. Kein Geringerer als George Clooney eröffnete das diesjährige Dubai International Film Festival. Eine Idealbesetzung, denn Clooney gilt nicht nur als Hollywoods Schönster, sondern auch Unbestechlichster. Sein Film "Michael Clayton" war der Auftakt zu einem Reigen von 141 Filmen aus 40 Ländern, die bis Sonntag am Golf gezeigt werden. Zugleich kann das Festival mit einem großen Defilee an Star-Gästen aufwarten: In diesen Tagen sind unter anderem die Kino-Größen Sharon Stone, Michelle Yeoh, Gloria Estefan, Hayden Christensen und Mira Nair sowie die Schriftsteller Paulo Coelho und Khaled Hosseini in Dubai."In Dubai wollen wir das Unmögliche möglich machen", erklärte der Direktor des Festivals, Abdulhamid Juma. Das verwundert nicht, in dem Emirat am Persischen Golf gibt es Skipisten in der Shopping Mall, einen Stadtteil in Form einer Palme mitten im Meer und viele andere spektakuläre Bauprojekte. Es gibt hier auch mehr Galas als echte Premieren, viele Filme waren schon auf anderen Festivals zu sehen. Doch das Treiben am Roten Teppich ist auf jeden Fall bunter als anderswo. Die Männer tragen die arabischen Traditionstrachten, die Dashdashas, bei den Frauen gibt es Varianten von tief verschleiert bis tief dekolletiert. Auffallend muss es hier immer sein, selbst der Schleier ist oft dick mit Strass oder Goldstickereien verziert. "In Dubai ist man nie overdressed", lautet der simple Bekleidungscode in der Boomtown.Um George Clooney zu sehen, kam sogar Scheich Ahmed bin Saeed Al Maktoum in die Festivalstadt in Madinat Jumeirah. Es war der einzige Auftritt des Herrschers beim Filmfest, und eine große Ehre für den Gast aus Hollywood, der in Dubai schon "Syriana" gedreht hat. "Wir alle sollten nicht das Wenige betonen, das uns unterscheidet, sondern das Viele, was wir teilen", sagte Clooney in seiner Begrüßung. "Und die Kunst ist der beste Weg, um sich gegenseitig seine Kulturen nahe zu bringen." Riesenapplaus, Gejohle und Tumulte gab es, als Clooney bei einem Podiumsgespräch auf 300 zumeist weibliche Gäste traf. Fast jede Frage wurde mit einem enthusiastischen "I love you, George!" eingeleitet. Dann wurde aber mit politischem Interesse nachgefragt. Der Krieg im Irak, die US-Außenpolitik - Clooney gab zu jedem Thema kluge Kommentare ab wie eine Art Elder Statesman im Smoking, um dann wieder gehörig herumzualbern. "Was ich tun würde, wenn ich unbekannt wäre? Wahrscheinlich in Amsterdam in irgendeiner Hasch-Bar sitzen. Oder hier eine Shisha, eine Wasserpfeife, rauchen." Live ist Clooney amüsanter als jeder Film. Und war für umgerechnet vier Euro Eintritt ein Schnäppchen.Für einen Abend mit Sharon Stone musste man da schon tiefer in die Tasche greifen. Für 110 000 Dollar (75 000 Euro) konnte man ein Dinner mit der Diva samt privater Filmvorführung ersteigern. Das Ganze allerdings für einen guten Zweck, die Aids-Forschung. Denn zum ersten Mal fand auch die Gala der Aids-Stiftung amfAR, sonst ein Glamour-Höhepunkt der Festivals in Cannes oder Sundance, in Dubai statt. Die Gastgeberin Sharon Stone lockte jedem Gast nicht nur 2 000 Dollar Eintritt aus der Tasche, sondern brachte sie auch noch dazu, immense Summen bei der Live-Auktion zu zahlen. Ein goldener Computer, ein Oldtimer aus der eigenen Garage, das besagte Dinner - Sharon Stone schien selbst völlig aus dem Häuschen, als sie den Erlös des Abends verkündete: drei Millionen Dollar (rund zwei Millionen Euro).Ein weiteres Highlight war das erste Live-Konzert von Gloria Estefan im Mittleren Osten. Die 5 000 Fans im Amphitheater der Dubai Media City tobten. Das Konzert ergänzte eine Dokumentation über die Musik Kubas, die Glorias Mann Emilio Estefan im Festival zeigt. Auch die in New York lebende Filmemacherin Mira Nair ist angereist. Sie erklärte ihre Anwesenheit so: "Jetzt, wo wir so viel über den Mittleren Osten hören, ist es Zeit, sich mal den Mittleren Osten von innen anzusehen." Tatsächlich, jeder der geladenen Prominenten hat Ambitionen im Gepäck: Clooney etwa kämpft für Darfur, Sharon Stone und Mira Nair gegen Aids. Dubai hat sich seine Gäste exzellent ausgesucht. Es sind allesamt engagierte Künstler, die der Wunsch nach Veränderung antreibt. Dubai will kein Kommerz-Festival sein, sondern hat sich die Völkerverständigung auf die Fahne geschrieben. Verbindender Glamour kann dabei nicht schaden.------------------------------Foto: George Clooney bei der Eröffnung des Filmfests in DubaiFoto: Die Schauspielerin Sharon Stone sammelte in Dubai Geld für die Aids-Forschung und vergoss ein paar Tränen.
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