St. Petersburg

In Putins Heimatstadt: Kanye West gibt Konzerte in Russland

Kanye West soll im Oktober erstmals für Konzerte nach Russland reisen. Er wäre einer der bekanntesten internationalen Künstler, die seit Beginn des Ukraine-Kriegs in Russland auftreten.

3 Min
Kanye West soll im Oktober in St. Petersburg zwei Konzerte geben.

Kanye West soll im Oktober in St. Petersburg zwei Konzerte geben.

© Evan Agostini/Invision/AP

Der amerikanische Rapper Kanye West, der sich seit 2021 offiziell Ye nennt, soll zwei Konzerte in Russland geben. Das berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf den Konzertveranstalter und den Telegram-Kanal des Stadions. Es wäre laut New York Times der erste Auftritt eines großen westlichen Künstlers in Russland seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs vor mehr als vier Jahren.

Die beiden Konzerte sind laut Tass für den 10. und 11. Oktober 2026 in der Gazprom Arena in St. Petersburg angesetzt, die laut Reuters eine Kapazität von rund 70.000 Zuschauern hat. Der Rapper tritt dort im Rahmen seiner Welttournee auf, wie der Telegram-Kanal des Stadions laut Tass mitteilte.

Berichte über hohe Nachfrage nach Tickets

West habe Russland bereits mehrfach besucht, aber noch nie ein Solokonzert im Land gegeben, berichtet Tass. Im Juni 2024 sei er zu einem privaten Besuch in Moskau gewesen. Die New York Times ergänzt, dass er bei diesem Anlass die Geburtstagsfeier eines russischen Modedesigners besucht habe.

Die Nachfrage war laut den Berichten hoch. Nach Angaben von Tass beginnen die Ticketpreise für die beiden Shows bei 9000 Rubel (rund 91 Euro). Die günstigsten Karten seien innerhalb einer Stunde ausverkauft gewesen. Die teuersten Tickets kosten laut Reuters 160.000 Rubel (etwa 1600 Euro).

Yunis Teimurkhanly, Besitzer des Helvetia, einem großen Hotel in St. Petersburg, berichtete laut New York Times von einer „Explosion an Buchungen, Anrufen und Nachrichten“ nach der Ankündigung der Konzerte.

Kanye West in der Kritik

Der Auftritt fällt in eine Zeit anhaltender Kontroversen um den Musiker. Laut Reuters sah sich West in diesem Jahr in mehreren europäischen Ländern mit Konzertabsagen und Auftrittsverboten konfrontiert – im Zusammenhang mit einer Reihe antisemitischer Äußerungen, darunter Lob für Adolf Hitler, sowie der Verwendung von NS-Symbolik.

Im Januar habe West sich für die Äußerungen entschuldigt, so Reuters, und sie auf eine nicht diagnostizierte Hirnverletzung und eine unbehandelte bipolare Störung zurückgeführt. Die New York Times berichtet, dass die britische Regierung im April angekündigt habe, Ye die Einreise zu verweigern, damit er nicht als Headliner bei einem Londoner Festival auftrete; seine Anwesenheit sei „nicht dem öffentlichen Wohl zuträglich“.

Nach Einschätzung der New York Times dürften die Pläne auch in Russland auf Kritik stoßen; konservative Aktivisten sind demnach der Ansicht, Russland solle sich stärker von westlichen Kultureinflüssen lösen. Die Zeitung zitiert den konservativen russischen Abgeordneten Vitaly Milonov, der vorschlug, West solle traditionelle russische Lieder singen: „Vielleicht hört er danach mit seinen widerlichen Eskapaden auf und wird ein normaler Mensch.“

Ab Ende des Monats wird der Rapper drei Konzerte in den USA geben, eines in New Orleans und zwei in Chicago.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema