BERLIN Ulrich Homburg gab sich ziemlich wortkarg. Dabei hatte der für den Personenverkehr zuständige Bahn-Vorstand eine gute Nachricht zu überbringen: Der Schienenkonzern verzichtet im Fernverkehr auf eine Preiserhöhung für 2011 - zum ersten Mal seit acht Jahren. "Wir lassen den Ankündigungen für eine Kunden- und Qualitätsoffensive Taten folgen", sagte Homburg.Hoffnung auf neue KundenEs gehe darum, die Bahn im Konkurrenzkampf mit dem Auto und dem Flugzeug zu stärken und neue Kunden zu gewinnen. Ist das Einfrieren der Preise eine Reaktion auf die Pannenserie bei der Bahn in diesem Jahr? Homburgs Antwort: "Ich stelle diesen Bezug nicht her." Allerdings seien die technischen Probleme "hochgradig unerfreulich" gewesen, sagte er mit Verweis auf viele Zugausfälle sowohl im Winter als auch Sommer. Im Regional- und Nahverkehr allerdings erhöht die Bahn die Preise zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember im Schnitt um 1,9 Prozent. Verbraucherschützer zeigten dafür zum Teil Verständnis und lobten zugleich den Verzicht auf höhere Preise im Fernverkehr. "Das ist nach der jüngsten Qualitätsoffensive ein weiterer Schritt auf die Kunden zu", sagte der Bahnexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel der Berliner Zeitung. Die Erhöhung im Nahverkehr sei vertretbar, da sie unter dem Preisanstieg der Verkehrsverbünde liege. Der Chef des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, sagte: "Einen Preisanstieg auch im Fernverkehr hätte sich die Bahn angesichts der vielen Qualitätsmängel gar nicht leisten können." Für die höheren Ticketpreise im Nahverkehr zeigte Naumann ebenfalls Verständnis: "Hier ist die Politik gefragt, die den Nahverkehr finanziert. Wenn die Kostensteigerungen, die es im Nahverkehr einfach gibt, nicht durch höhere Regionalisierungsmittel aufgefangen werden, darf man sich nicht wundern, wenn die Preise dort steigen." Die Bahnexpertin des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Heidi Tischmann, zeigte sich dagegen verwundert über die höheren Nahverkehrstarife: "Dort hat sich ebenso wenig für die Kunden verbessert wie im Fernverkehr, deshalb kann ich die höheren Preise nicht nachvollziehen."Homburg begründete den Anstieg mit der "allgemeinen Kostensteigerung". Dazu zählten höhere Energiepreise und Personalkosten. Die Bahn verhalte sich hier im Einklang mit der Branche, die die Preise sogar um 2,4 Prozent erhöhe. Der Manager erinnerte daran, dass bereits 60 Prozent der Erlöse der Bahn in dieser Sparte aus Kooperationen kommen.Steigen werden auch die Preise für Spezialfahrkarten im Regionalverkehr. Das Schöne-Wochenende-Ticket kostet künftig am Schalter 41 Euro, im Internet und am Automaten 39 Euro - zwei Euro mehr als bislang. Ländertickets werden einen Euro teurer. Zugleich will die Bahn das Quer-durchs-Land-Ticket wieder einführen. Damit können Kunden für 42 Euro in Regionalzügen wochentags durch Deutschland reisen.------------------------------Foto: Was kostet das Ticket? Zumindest bei Fernreisen bleiben die Preise stabil.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de