ROM. Den Termin hatte Silvio Berlusconi mit Bedacht gewählt. Vor genau 15 Jahren, am 27. und 28. März 1994, gewann der steinreiche Mailänder Unternehmer zum ersten Mal die Wahlen in Italien. Kaum jemand hatte ihm einen solchen Erfolg zugetraut, doch mit seinem bunt zusammengewürfelten Haufen, der sich "Forza Italia" nannte, stieß er in das Vakuum vor, das die schmählich untergegangene Christdemokratie in der italienischen Politik hinterlassen hatte. Heute ist Berlusconi mächtiger als je zuvor, was es dem 72-Jährigen erlaubt, endlich einen lang gehegten Wunsch zu verwirklichen: Er gründet an diesem Wochenende eine große Rechtspartei - ein Projekt, an dem er seit Jahren gearbeitet hat."Ein großer Traum wird wahr: die offizielle Geburt des Volkes der Freiheit", sagte Berlusconi denn auch am Freitag Abend auf dem Gründungskongress der Partei in Rom. Mehrere tausend Delegierte versammelten sich, um die "Forza Italia" mit der postfaschistischen Alleanza Nazionale (AN) von Gianfranco Fini sowie ein paar rechten Splittergruppen zu vereinigen. Fini war bereits damals, vor 15 Jahren, Berlusconis Partner, genauso wie Umberto Bossi mit seiner Lega Nord. Doch während der Sezessionist aus Norditalien gar nicht daran denkt, sich gänzlich dem Diktat Berlusconis zu unterwerfen, hat sich die AN bereits vergangenes Wochenende aufgelöst.Der Erfolg schweißt zusammen"Volk der Freiheit", in der italienischen Abkürzung PDL, solle die neue politische Formation heißen, hat Berlusconi bestimmt. Schon im November 2007 hatte der damalige Oppositionsführer auf einem Platz in Mailand verkündet, dass AN und Lega Nord sich seiner Forza Italia anschließen würden - ohne dass diese allerdings etwas von seinen Plänen wussten. Fini, heute als Parlamentspräsident einer der mächtigsten Politiker Italiens, reagierte zunächst mit einem brüsken Nein.Als jedoch wenige Wochen später die Mitte-Links-Regierung unter Ministerpräsident Romano Prodi ihre Mehrheit im Parlament verlor, sahen sich die Führer des rechten Lagers plötzlich wieder ganz nah an den Pfründen der Macht. Unter diesen neuen Vorzeichen vergaß Fini seine Vorbehalte rasch. Zu den Wahlen im April traten "Forza Italia" und die AN bereits gemeinsam unter dem neuen Namen an. Um tatsächlich eine neue Partei zu gründen, reichte die Zeit allerdings nicht. Der Erfolg schweißte die Partner noch enger zusammen: 47 Prozent der Stimmen konnten Berlusconi und Fini holen - ein deutlicher Sieg über die ebenfalls erst kurz zuvor gegründete, gemäßigt links auftretende Demokratische Partei.Auch wenn der Gegner unterdessen stark geschwächt und ohne Führung dasteht - das "Volk der Freiheit" ist auch als eine Antwort auf diese neue politische Kraft gedacht: Auch rechts der Mittel soll eine große Volkspartei entstehen, die notorische Parteienzersplitterung soll ein Ende haben.Fini bleibt in WartepositionSonderlich demokratisch geht es dabei nicht zu. Die "Forza Italia" war gänzlich auf die Person Berlusconis zugeschnitten, und ihre seltenen Parteitage waren allesamt bombastisch inszenierte Akklamationsveranstaltungen. Auch in der neuen Partei wird der unumschränkte Herrscher Silvio Berlusconi heißen. Er will auf dem Gründungsparteitag sogar zweimal auftreten, und es steht außer Frage, dass er zum Präsidenten gewählt wird. Gegenkandidaten sind nicht vorgesehen, obwohl die AN aus Angst, nun sang- und klanglos zu verschwinden, im letzten Augenblick sogar eine Doppelspitze forderte.Auch Fini, dem man nachsagt, sich Hoffnungen auf die Nachfolge Berlusconis zu machen, wird vorerst nur eine untergeordnete Rolle spielen. "Berlusconi genießt große Popularität", erklärte er in den letzten Tagen mehrmals artig, um gleich noch spitz hinzuzufügen, er sei ein "republikanischer" Politiker: "Berlusconi ist kein König mit einem Nachfolger."In den vergangenen Monaten gehörte Gianfranco Fini zu den wenigen Mutigen, die Berlusconi auch einmal Paroli boten. Immer wieder lässt er Berlusconi auflaufen, wenn der das Parlament noch weiter schwächen will.------------------------------Einer der reichsten Männer ItaliensSilvio Berlusconi, 1936 in Mailand geboren, machte sich nach einer kaufmännischer Ausbildung selbstständig und war als Bauunternehmer rasch erfolgreich. Sein Geld investierte er in Medienunternehmen: 1978 übernahm er einen ersten Fernsehsender, zahlreiche weitere folgten.Der Medien-Tycoon, der inzwischen auch Mehrheitsaktionär bei zwei der wichtigsten Verlagshäuser des Landes ist, zählt mit einem geschätzten Vermögen von gut sechs Milliarden Euro zu den reichsten Männern Italiens.In die Politik stieg Berlusconi 1994 ein. Mit seiner rechtsliberalen "Forza Italia" gewann er die Parlamentswahlen und wurde erstmals Regierungschef. Gegenwärtig führt er seine vierte Regierung.------------------------------Foto: Silvio Berlusconi lässt sich und seine neue Partei drei Tage lang feiern.
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