Indien

Auf zum Mars!

Einmal mehr versucht Indien, der Welt zu zeigen, dass die Nation zu den gleichen technologischen Leistungen in der Lage ist wie die Besten – nur billiger.

Willi Germund
2 Min
Pünktlich startete „Mangalyaan“ zur ersten indischen Mars-Mission.

Pünktlich startete „Mangalyaan“ zur ersten indischen Mars-Mission.

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Pünktlich startete am Dienstag „Mangalyaan“ (Hindi für Marsvehikel) von der Insel Shriharikota im Golf von Bengalen zur ersten indischen Marsmission. Der Preis des Unterfangens, das einen 1350 Kilogramm schweren Robotersatelliten in eine Umlaufbahn um den Roten Planeten bringen soll: ganze 73 Millionen US-Dollar, ein Bruchteil des Geldes, das die USA, Russland und Europa jeweils für ihre Missionen ausgaben.

Doch bevor die 300-tägige Reise zu dem 780 Millionen Kilometer entfernten Planeten zum Erfolg wird, muss noch ein Hindernis überwunden werden. „Mangalyaan“ braucht einen zusätzlichen Raketenschub, um die Erdumlaufbahn zu verlassen. Das ist ein schwieriges Untefangen.

Doch das störte Indiens Medien nicht, die das Ereignis feierten. Das Land benötigt dringend einen Schuss Selbstbewusstsein. Da fügt es sich bestens, dass der große Nachbar China bislang mit seinen Mars-Missionen gescheitert ist. Andere asiatische Staaten wie Japan und Südkorea schafften es ebenfalls noch nicht zum Roten Planeten. Seit 1960 gab es etwa 45 Missionen, aber nur die Hälfte waren erfolgreich.

Koppillil Radhakrishnan, der Chef der Raumfahrtbehörde Isro, dementiert energisch jede Vermutung, die Mission sei Teil eines asiatischen Wettrennens im All.„Es ist mehr ein Wettlauf gegen uns selbst“, sagt der Wissenschaftler. Am Montag war er noch mit einer Attrappe des Marsroboters zu einem 2000 Jahre alten Tempel des Hindu-Gottes Venkateswara gepilgert.

Der Verdacht ist dennoch nicht entkräftet. Schließlich kündigte Premierminister Manmohan Singh das Vorhaben erst vor 15 Monaten an, kurz nachdem die Chinesen erneut gescheitert waren. Das indische Raumfahrtprogramm ist zudem angesichts der extremen Armut im Land sehr umstritten. Befürworter argumentieren, die Raumfahrt fördere die ökonomische Entwicklung. Sowohl die Regierung als auch die Isro schweigen aber über einen zentralen Aspekt ihrer Ambitionen im Weltall: Sie sind eng verwoben mit den staatlichen Rüstungsanstrengungen. Gerade die Raketentechnik, die nun für die Marsmission eingesetzt wird, ist von strategischer Bedeutung für Indiens Versuche, ballistische Raketen mit Atomsprengköpfen zu bauen.

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