Ken-Betwa-Projekt

Indien: Polizei räumt Protestcamp gegen Ken-Betwa-Staudammprojekt im Tigerschutzgebiet

Mehr als 7000 Familien sollen für den Milliardenbau zur Verbindung zweier Flüsse umgesiedelt werden. Aktivisten werfen den Behörden Korruption und gebrochene Zusagen vor.

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Bauern und Angehörige indigener Gemeinschaften protestieren in Chhatarpur gegen das Ken-Betwa-Projekt.

Bauern und Angehörige indigener Gemeinschaften protestieren in Chhatarpur gegen das Ken-Betwa-Projekt.

© Ani/imago

Die Polizei im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh hat am Sonntagmorgen (Ortszeit) ein Protestlager gegen das Ken-Betwa-Projekt zur Verbindung der beiden Flüsse geräumt. Nach Angaben der Zeitung The Indian Express führten Einsatzkräfte den Sozialaktivisten und Anführer der Proteste, Amit Bhatnagar, nach 14 Tagen Hungerstreik im Dorf Kupi im Distrikt Chhatarpur vom Protestort ab. Rund 150 weitere Demonstranten seien in Busse gesetzt und in den benachbarten Bezirk Panna gebracht worden.

Der stellvertretende Polizeichef von Chhatarpur, Aditya Patle, erklärte gegenüber dem Blatt, Bhatnagar sei nicht verhaftet, sondern wegen seines Gesundheitszustands in ein örtliches Krankenhaus gebracht worden. Die übrigen Festgesetzten stammten überwiegend nicht aus der Umgebung, sondern aus Panna. Ihr Protest habe sich gegen andere Staudammprojekte gerichtet.

Gegenüber der Times of India begründete Patle den Einsatz zusätzlich mit Sicherheitsbedenken: Wegen des Monsunregens sei der Wasserstand des Barana gestiegen, das Gelände an einer Baustelle für eine Brücke gelte als unsicher.

Milliardenprojekt mit langer Vorgeschichte

Die Idee, das wasserreiche Ken-Einzugsgebiet mit dem trockeneren Betwa-Becken zu verbinden, geht auf einen nationalen Plan zur Flussvernetzung aus den 1980er Jahren zurück. 2005 unterzeichneten die Zentralregierung sowie die Bundesstaaten Madhya Pradesh und Uttar Pradesh eine Grundsatzvereinbarung, der endgültige Umsetzungsvertrag folgte nach jahrelangem Streit über Wasseranteile und Umweltauflagen erst im März 2021. Den Grundstein setzte Premierminister Narendra Modi im Dezember 2024 in Khajuraho, wie unter anderem The Hindu berichtete.

Herzstück des Vorhabens ist der 77 Meter hohe Daudhan-Staudamm im Tigerschutzgebiet Panna, von dem aus ein rund 221 Kilometer langer Kanal Wasser in den Betwa leiten soll. Nach Angaben des indischen Wasserministeriums soll das Projekt jährlich etwa 1,06 Millionen Hektar Ackerland bewässern, 6,2 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgen und 130 Megawatt Strom aus Wasser- und Solarkraft erzeugen. Die Gesamtkosten bezifferte die Regierung zuletzt mit rund 446 Milliarden Rupien, umgerechnet etwa 4,8 Milliarden Euro.

Streit um Umsiedlungen und Umweltfolgen

Nach Angaben von The Indian Express sind mehr als 7000 Familien in 22 Dörfern von Umsiedlungen betroffen. Das Umweltmagazin Down To Earth berichtete, die Proteste seien bereits im April aufgeflammt und nach Zusagen der Verwaltung ausgesetzt worden. Wesentliche Versprechungen zu Umsiedlung und Entschädigung seien nicht eingehalten worden.

Der Aktivist Bhatnagar sprach dem Magazin zufolge von 50.000 Menschen, die durch das Vorhaben ihr Land, ihren Zugang zu Wasser und ihre Lebensgrundlagen verlieren, sowie von 4,6 Millionen betroffenen Bäumen im Naturschutzgebiet Panna. Laut The Indian Express werden rund 98 Quadratkilometer des Panna-Reservats überflutet und damit Kernlebensräume von Tigern, Geiern und Gharial-Krokodilen zerschnitten.

Vorwürfe zu Entschädigungen

Die Protestführerin Divya Ahirwar warf der Polizei laut Times of India vor, gegen die Teilnehmer des Camps vorgegangen zu sein, um Korruptionsvorwürfe zum Schweigen zu bringen. Bhatnagar hatte vor dem Polizeieinsatz gegenüber The Indian Express von zahlreichen Unregelmäßigkeiten bei der Auszahlung von Entschädigungen gesprochen. So seien Protokolle mehrerer Dorfversammlungen wortgleich, Gelder seien teils an Personen ohne Bezug zu den betroffenen Dörfern geflossen.

Der Bezirksvorsteher von Chhatarpur, Parth Jaiswal, wies die Vorwürfe zurück. Von 176 erfassten Teilnehmern des Protests seien nur etwa zehn Prozent direkt vom Ken-Betwa-Projekt betroffen. Unregelmäßigkeiten in den Sitzungsprotokollen der Dörfer habe es nicht gegeben.

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