Energiemärkte

Indien und China unter Druck: Experten erwarten Anstieg des Ölpreises

US-Sanktionen treiben die Ölpreise um sechs Prozent hoch. Indien und China überdenken russische Importe. Doch was passiert, wenn beide Großabnehmer aussteigen?

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Wird künstlich knapper: Erdöl

Wird künstlich knapper: Erdöl

© Paul Buck/dpa

Der globale Ölmarkt steht nach neuen US-Sanktionen gegen die russischen Produzenten Rosneft und Lukoil unter spürbarem Druck. Die Preise für Rohöl zogen zuletzt um etwa sechs Prozent an und internationale Analysten rechnen mit weiteren Ausschlägen, sollte sich die Versorgungslage durch verschärfte Restriktionen weiter zuspitzen.

Die beiden Konzerne Rosneft und Lukoil fördern gemeinsam täglich mehr als fünf Millionen Barrel Rohöl und repräsentieren rund die Hälfte der russischen Produktion. Branchenexperte Warren Patterson vom niederländischen Finanzdienstleister ING warnt: „Diese Sanktionen haben das Potenzial, den Ölmarkt sehr stark zu stören.“

Die negativen Auswirkungen auf den weltweiten Handel treffen insbesondere Staaten, die bislang große Mengen russischen Öls bezogen haben.

Indien prüft Erdöleinfuhr aus Russland

Indien, bislang einer der wichtigsten Kunden Russlands, prüft angesichts der angespannten Lage und neuer Vorgaben aus den USA und Europa eine Umstellung seiner Importstrategien.

Die indische Reliance Industries kündigte an, sämtliche neue Vorschriften zu erfüllen und sich gegebenenfalls an die Empfehlungen der Regierung zu halten: „Reliance wird voll mit den Vorgaben zur Sicherung der Energiesicherheit in Indien konform gehen“, so ein Unternehmenssprecher.

Indien: Weniger Öl aus Russland, mehr aus Nahost

Berichten zufolge könnte Indien die Einfuhren russischen Öls in den kommenden Monaten weiter zurückfahren und stattdessen verstärkt auf Lieferungen aus Westasien und Nordamerika setzen. Laut aktuellen Daten des Marktdienstleisters Kpler sanken Indiens Importe aus Russland im September gegenüber dem Vormonat um mehr als sechs Prozent auf 1,6 Millionen Barrel pro Tag.

Im gleichen Zeitraum stiegen die Bezüge aus dem Irak, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten um rund sieben Prozent.

Russische Lieferströme bislang stabil

Trotz weitreichender Sanktionen haben sich die russischen Lieferströme bislang stabil gehalten. Doch Fachleute warnen vor Unsicherheiten.

Nach Einschätzung der ING könnte der Rohölpreis bei einer vollständigen Einstellung der Exporte nach Indien auf 70 bis 75 US-Dollar pro Barrel steigen, während bislang ein Durchschnittspreis von 57 Dollar prognostiziert wurde.

Auch chinesische Raffinerien haben Berichten zufolge nach Bekanntgabe der Sanktionen einige russische Lieferungen storniert, was die Unsicherheit über die weitere Entwicklung zusätzlich erhöht. Analystin Riya Singh von Emkay Global Financial Services kommentiert: „Wenn sowohl Indien als auch China ihre Käufe zurückfahren, könnte die Neuordnung der Handelsströme die Ölpreise weiter antreiben.“

Hohe Erwartungen in Opec-Treffen

Dazu beobachtet der Markt gespannt das nächste Treffen der OPEC+, bei dem die Fördermengen für Dezember diskutiert werden sollen. Die Erwartung weiterer Produktionsanhebungen trifft angesichts der aktuellen Unsicherheiten rund um russische Lieferungen auf zusätzliche Volatilität am Markt.

„Sorgen über Ausfälle bei den russischen Exporten dürften die Preise stützen, auch wenn im Vorfeld des nächsten OPEC+-Treffens Spekulationen über eine weitere Erhöhung der Produktion zunehmen werden“, so Barbara Lambrecht von der Commerzbank.

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