Indien und Südkorea haben in Seoul mehrere Abkommen zur Verteidigungszusammenarbeit unterzeichnet. Das teilte das indische Verteidigungsministerium am Mittwoch mit.
Der indische Verteidigungsminister Rajnath Singh und sein südkoreanischer Amtskollege Ahn Gyu-back schlossen laut der Mitteilung drei Absichtserklärungen: zur Cyberverteidigung, zur Ausbildungskooperation zwischen der indischen und der südkoreanischen Hochschule für Verteidigungsstudien sowie zu gemeinsamen Friedenseinsätzen der Vereinten Nationen. Beide Minister bekräftigten ihr Bekenntnis zu einem freien, offenen und auf Regeln gegründeten Indo-Pazifik.
Singh traf in Seoul zudem den südkoreanischen Minister für Rüstungsbeschaffung, Lee Yong-chul. Beide Seiten verständigten sich auf gemeinsame Entwicklung, Produktion und Export von Rüstungsgütern. Erörtert wurde auch ein Fahrplan für das Programm KIND-X, eine gemeinsame Initiative beider Länder zur Verzahnung ihrer Innovationsnetzwerke im Verteidigungsbereich.
Unter dem Namen KIND-X wollen Indien und Südkorea ihre Zusammenarbeit bei Rüstungsentwicklung und Militärtechnik ausbauen. Nach indischen Angaben sollen Firmen, Forschungseinrichtungen und staatliche Stellen beider Länder leichter gemeinsame Projekte auf den Weg bringen – etwa bei Cybertechnik, Sensoren, Halbleitern, Künstlicher Intelligenz, autonomen Systemen, Quantentechnik und Raumfahrtfähigkeiten. Indien will ausländische Rüstungspartner stärker in Entwicklung, Produktion und Export einbinden; Südkorea bekommt dadurch besseren Zugang zum indischen Markt und zur Fertigungsbasis des Landes.
Industrieabkommen unterzeichnet
Im Anschluss leitete Singh ein Treffen mit Vertretern der Rüstungsindustrie beider Länder. Dabei unterzeichneten der indische Mischkonzern Larsen & Toubro und das südkoreanische Unternehmen Hanwha zwei Vereinbarungen zur Zusammenarbeit.
Hanwha Aerospace ist der zentrale Rüstungsarm der südkoreanischen Hanwha-Gruppe und einer der wichtigsten Anbieter klassischer Landsysteme aus Südkorea. Zum Portfolio gehören unter anderem die Panzerhaubitze K9, Munitionsfahrzeuge, gepanzerte Fahrzeuge wie der Redback sowie das Raketenartilleriesystem Chunmoo. Reuters bezeichnete Hanwha Aerospace als größten Rüstungskonzern Südkoreas; das Unternehmen hat seit 2022 Aufträge unter anderem aus Polen, Rumänien und Norwegen erhalten und setzt bei Exporten auf lokale Produktion in den Abnehmerländern.
Wie die indische Tageszeitung The Indian Express berichtete, nannte Singh das Treffen mit Ahn sehr produktiv. Indien sehe in der Technologie Südkoreas und der eigenen Fertigungsbasis eine Grundlage für die gemeinsame Entwicklung moderner Verteidigungssysteme.
Indien und Südkorea verfolgen gemeinsame Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen. Beide Seiten wollen im Indo-Pazifik bei maritimer Sicherheit, Cyberabwehr, Rüstungsproduktion und neuen Militärtechnologien zusammenarbeiten; wirtschaftlich geht es um stabilere Lieferketten, kritische Technologien, Schiffbau, Stahl, Energie und kritische Mineralien. Reibung gibt es vor allem in der Handelspolitik: Neu-Delhi dringt bei der Überarbeitung des Wirtschaftsabkommens CEPA auf ausgewogeneren Handel, während Seoul besseren Zugang zum indischen Markt sucht.
Der Besuch in Südkorea war die zweite Etappe einer Reise Singhs, die zuvor nach Vietnam geführt hatte.
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