BERLIN, 15. Dezember. Allen Anlaufschwierigkeiten zum Trotz erwartet der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dass das Lkw-Maut-System der Betreiberfirma Toll Collect nun schon bald zum Exportschlager wird. Nach der Erteilung der vorläufigen Betriebserlaubnis durch das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) sagte BDI-Präsident Michael Rogowski der Berliner Zeitung, mit der elektronischen Gebührenerfassung für Lastwagen beginne ab Januar in Deutschland ein neues Zeitalter der Entgelterhebung im Verkehr. Damit verfüge die Bundesrepublik über "eine allen anderen Systemen überlegene Technologie, die die Tür für weitere Anwendungen weit öffnet."Weiter sagte der BDI-Chef, das Beispiel mache deutlich, dass in Deutschland Innovationen auch umgesetzt werden können. Er sehe deshalb gute Chancen, "für einen weiteren Exportschlager ,Made in Germany'". Am Mittwoch hatte das BAG der Betreiberfirma Toll Collect die vorläufige Betriebserlaubnis für das weltweit erste satellitengestützte Mautsystem für Anfang Januar erteilt - 16 Monate nach dem geplanten Start und nach einer beispiellosen Pannenserie. Auf Grund zahlreicher technischer Probleme musste der Mautstart zweimal verschoben werden. Ursprünglich sollte die Gebühr ab 31. August 2003 erhoben werden. Durch die Verschiebung sind dem Bund Mauteinnahmen in Höhe von 3,8 Milliarden Euro entgangen. Viele Verkehrsprojekte verzögerten sich. "Die Geduld hat sich aber gelohnt", sagte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) am Mittwoch. Deutschland stehe nun ein hochmodernes System zur Verfügung und es könne damit eine international führende Rolle einnehmen.Die Gebühr wird zunächst auf 12 000 Autobahn-Kilometern mit im Schnitt 12,4 Cent je gefahrenem Kilometer erhoben. Betroffen sind voraussichtlich etwa 1,4 Millionen Lkw mit einem Gewicht über zwölf Tonnen. Der Bund erwartet durch die Maut jährliche Einnahmen von rund 2,4 Milliarden Euro. Das Geld soll komplett in den Verkehrshaushalt fließen, betonte der Minister. Er kündigte zudem eine Ausdehnung der Maut auf einzelne Bundesstraßen an, falls Lkw-Fahrer darauf ausweichen sollten. Einer Pkw-Maut indes erklärte Stolpe erneut eine klare Absage. Der Minister warnte den Handel davor, im Zuge der Mauteinführung eine Preisrunde zu Lasten der Verbraucher einzuläuten: "Wir würden es nicht hinnehmen, wenn die Maut als Anlass für ungerechtfertigte Preiserhöhungen genommen wird." Es seien "nur Bruchteile von Cents", um die sich Produkte in Folge der Maut tatsächlich verteuern könnten. Bei dem Eindruck von Missbrauch "werden wir einschreiten". Dagegen bekräftigte der Einzelhandelsverband HDE, dass die Maut einen leichten Anstieg der Verbraucherpreise bewirken werde, da sich die Transportkosten durch die Maut um sieben bis acht Prozent erhöhen würden. Der Handel rechnet vor allem bei Möbeln und Großelektrogeräten mit Preiserhöhungen.Die erste Maut-Bewährungsprobe erwartet Stolpe nach Ende des Feiertagsfahrverbots in der Nacht zum 3. Januar. Dann könnten "Stausituationen entstehen". Um dies zu vermeiden, sei ein strenges Startmanagement vereinbart. Der Minister stellte zudem klar, dass Mautpreller vom ersten Tag an nicht mit Milde rechnen könnten. Analyse Seite 4------------------------------"Bei Mautprellern werden wir keine Milde walten lassen." Manfred Stolpe
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