Der Inline-Kurs im Charlottenburger Eisstadion beginnt etwas unappetitlich, nämlich direkt auf dem Fußboden. Gut ein Dutzend Erwachsene liegen an diesem Sonnabendvormittag auf den schwarzen Gummimatten zwischen Anschnallhalle und Lauffläche. „Wir werden natürlich versuchen, das Fallen zu vermeiden. Aber wenn ihr stürzt, dann müsst ihr euch im Schwung lang machen“, sagt Trainerin Judith, die ebenfalls zu Boden gegangen ist.
Sie zeigt uns gleich noch das sogenannte Double-Kneeing – einen kontrollierten Sturz auf die durch Protektoren geschützten Knie. Wir probieren auch das aus: Und siehe da, es tut nicht weh! Judith gibt diesen Kurs zusammen mit ihrer Kollegin Ulrike, er soll an zwei Tagen in insgesamt vier Stunden die Grundtechniken des Inline-Skatens vermitteln.
Die Kunst des Anhaltens
„Ein geschützter Raum wie diese Halle ist ideal, um Skaten zu lernen“, sagt Dirk Beyer. Er ist der Chef der Eislaufschule, die im Winter Unterricht für Schlittschuhläufer und im Sommer Skaterkurse anbietet. Zwischen fünf und 60 Jahre alt seien die Teilnehmer, darunter viele Familien, sagt Beyer. Vier Kurse veranstaltet sein Unternehmen an diesem Vormittag, je zwei für Kinder und für Erwachsene, differenziert jeweils nach Teilnehmern mit und ohne Vorkenntnissen.
Den erwachsenen Anfängern erklären die Trainer nach der Sturzübung und vor dem Betreten der Lauffläche erst einmal den richtigen Stand auf den Skates: die Knie gebeugt, den Oberkörper nach vorne geneigt. „Wenn ihr runter guckt, dürft ihr eure Füße nicht sehen, weil sie von den Knien verdeckt werden“, beschreibt Judith den richtigen Winkel der Schienbeine in den Schuhen mit den Rollen.
Dann dürfen wir auf die Lauffläche der Halle. Der Bodenbelag ist superglatt, die Rollen drehen sich rasant, mit unsicheren Schritten bewegen sich alle fort. Um zum Halten zu kommen, lassen sich einige gegen die Bande plumpsen. „Ich kann nicht richtig bremsen“, gibt beispielsweise Diana zu. Deshalb sei sie hier und weil sie sicherer werden möchte. Die 40-Jährige aus Tegel ist mit ihrem Sohn Louis gekommen. Der Zehnjährige saust mit seinen neuen Inline-Skates, die er zum Geburtstag bekommen hat, in einem Kinderkurs durch die andere Hälfte der Halle.
Für die erwachsenen Anfänger ist Bremsen das nächste Projekt: Dazu üben wir, bei zunächst parallelen Skates den rechten Fuß etwas nach vorne und den Hintern noch etwas mehr nach hinten zu schieben. Als das klappt, sollen wir die Zehen des rechten Fußes anheben. So kommt der Stopper hinten am Schuh auf den Boden. Als alle ein Gefühl dafür haben, üben wir, punktgenau zum Stehen zu kommen: erst an einem gelben Hütchen, dann vor einem Partner.
Auf der Tribüne sitzen einige Angehörige. Nicht alle schauen interessiert den Skatern zu. Eine Mutter ist in ihr Buch vertieft, ein Vater telefoniert. Die Halle ist an einer Seite offen. So kann man von drinnen auf den asphaltierten Platz vor der Halle schauen. Dort hat der Kurs mit einer Aufwärmeinheit begonnen, dort wird er am zweiten Tag enden. Die Kursteilnehmer werden sich dann dem nicht ganz ebenmäßigen Asphalt stellen, auf dem auch mal ein Steinchen liegt, und der leicht abschüssigen Strecke dahinter – Pistengegebenheiten also, wie es sie etwa auf dem Tempelhofer Feld oder dem Fläming Skate gibt, zwei beliebten Skaterstrecken für Berliner.
„Im Urlaub an der Ostsee will ich auf den Radwegen skaten“, erzählt Andreas, 57, aus Charlottenburg. Seines Skates lagen Jahre im Keller, nun hat ihn das schöne Wetter animiert, sie wieder hervorzuholen. Doch allein, das merkte er rasch, kam er auf den Rollen nicht zurecht. Deshalb hat er sich für den Kurs angemeldet.
Für Kondition und Koordination
Das tun nur die wenigsten Skater – zum Leidwesen der Krankenkassen, die gegebenenfalls für die Behandlungskosten nach einem Sturz aufkommen müssen. „Beim Inline-Skaten sind vor allem die Knie, Ellbogen und Hände gefährdet“, warnt die AOK Nordost und empfiehlt, Protektoren zu tragen. Und ein Helm schützt den Kopf bei Stürzen. Die Krankenkasse rät, sich gleich zu Beginn das richtige Fahren und Fallen zeigen zu lassen. Gleichzeitig wirbt sie für das Inline-Skaten als ideales Fitnessprogramm für die ganze Familie. Koordination und Kondition würden gefördert, zugleich sei Skaten gelenkschonender als Joggen.
Stürze sind selten an diesem Vormittag in der Charlottenburger Halle. Nach 90 Minuten fällt ein erster Kursteilnehmer, aber der Mann ist rasch wieder auf den Rollen, ihm ist dank der Protektoren nichts passiert. Vielleicht hat auch schon das Sturztraining Wirkung gezeigt.
Informationen zum Lernen von Skaten
Der SCC bietet jeden Sonnabend (9.30 Uhr Anfänger und Kinder, 10.30 Uhr Fortgeschrittene) einstündige Skatekurse auf dem früheren Flughafen Tempelhof an. Preis für sechs Termine: 30 Euro. Mehr Infos im Internet unter www.scc-skating.de
Der TSC Berlin 1893 veranstaltet in Neuköllner Schulturnhallen Schnuppertrainings für Kinder (mittwochs 18.30 bis 20 Uhr) und Erwachsene (montags 19.45 bis 21.30 Uhr). Mehr Infos unter www.tsc-berlin.de/inline-skating
Der Skate- und Rollsportclub (SRC) Berlin bietet am 19. und 20. Mai ein Sicherheitstraining im Horst-Dohm-Stadion in Wilmersdorf an, die vierstündige Kurs kostet für Erwachsene 35 Euro und für Kinder 20 Euro. Daneben hat der SRC einen sechsstündigen Grundtechnik-Kurs für 45 Euro im Angebot: an drei Freitagabenden (25. Mai, 1. und 8. Juni, jeweils von 18.30 bis 20.30 Uhr) ebenfalls in dem Wilmersdorfer Stadion, Fritz-Wildung-Straße 9. Mehr Informationen und Anmeldung unter www.src-berlin.de
Die Eislaufschule (www.eislaufschule) veranstaltet weitere Kurse am 26./27. Mai. Vier Stunden Unterricht kosten 90 Euro.
Skate & Glide (www.skateandglide.de) unterrichtet im Volkspark Friedrichshain, für eine Lektion werden 39,90 Euro fällig.
Manfred Piepho (www.richtigskaten.de) verlangt für einen vierstündigen Basic-Kurs 55 Euro, für eine zweistündige Einweisung zum Bremsen 28 Euro.
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