München Christian Nerlinger überbrachte die gute Nachricht kurz vor Mitternacht. "Zum Glück ist es diesmal gut gegangen", sagte der Sportdirektor des FC Bayern, und er meinte damit nicht den schmeichelhaften 2:1 (1:1)-Sieg im DFB-Pokal gegen Werder Bremen, der den Münchnern den Einzug ins Achtelfinale bescherte. Es ging um Trainer Louis van Gaal und seinen ausgelassenen Jubel mit Bastian Schweinsteiger, nachdem der Nationalspieler mit seinem wuchtigen Schuss aus rund 30 Metern in der 74. Minute für die Entscheidung gesorgt hatte. In die Arme des Niederländers war Schweinsteiger danach mit viel Anlauf gesprungen, der stämmige van Gaal aber hielt dem Aufprall Stand. Unverletzt, das war die frohe Kunde Nerlingers, sei der Trainer diesmal geblieben. Anders als in der Vorsaison beim 3:2 der Bayern in Bremen in der Bundesliga, als Arjen Robben ähnlich gefährlich mit van Gaal feierte und den gestürzten Coach mit einem verwundeten Finger zurückließ.Wer es mit dem Doublegewinner und Finalisten der Champions League aus der Vorsaison hält, darf es wohl als beruhigende Botschaft werten, dass die Sorge um die Unversehrtheit des Trainers überhaupt ein Thema war. Es hätte ja auch ganz anders laufen können nach dem frühen Rückstand durch Claudio Pizarro (2.) und trotz Schweinsteigers Ausgleich (27.). Denn da war jene zehnminütige Phase Mitte der zweiten Spielhälfte, in der Werder fünf Großchancen vergab und einmal tatsächlich durch Sebastian Prödl traf, aber wegen eines angeblichen Foulspiels des Torschützen zurückgepfiffen wurde. So unter Druck zu geraten dürfe nicht passieren, sagte Schweinsteiger, aber: "Werder ist ja auch keine Wursttruppe, die spielen auch in der Champions League."Die Bremer grämten sich, dass sie nun nicht mehr im DFB-Pokal spielen, wo sie in den vergangenen beiden Jahren im Finale standen. "Wenn man so etwas pfeift, braucht man nicht mehr Fußball zu spielen. Dann gibt es keinen Zweikampf mehr", ärgerte sich Bremens Sportdirektor Klaus Allofs über den nicht gegebenen Führungstreffer genauso wie über die Abschlussschwäche bei den Großchancen. Verteidiger Prödl erkannte ebenfalls eine "glasklare Fehlentscheidung".Womit die Benachteiligten wohl richtig lagen, und selbst van Gaal bedankte sich an höchster Stelle, als er sagte, er sei froh, dass sich Fifa-Präsident Joseph Blatter noch immer gegen technische Hilfsmittel wehre. Kurz danach holte Schweinsteiger aus und verlieh Hermann Gerlands einstiger Beschreibung für einen längst vergessenen Profi eine neue Bedeutung. Über Massimilian Porcello, der mittlerweile ab und an mal in der Regionalliga für die zweite Mannschaft des Karlsruher SC kickt, hatte der Co-Trainer der Bayern einmal gesagt: "Der hat einen Schuss wie ein Pferd."Zum zweiten Mal nach dem 2:1 beim FC Basel in der Champions League sicherte Schweinsteiger in dieser Saison mit einem Doppelpack den Sieg. Zudem gelang ihm das mit seinem Tor gegen Wolfsburg zum Ligaauftakt. "Ein fantastisches Tor", schwärmte Torwart Jörg Butt, aber überraschend seien Schweinsteigers starke Auftritte nicht: "Basti hat sich im vergangenen Jahr sehr gut entwickelt und eine klasse Weltmeisterschaft gespielt. Er ist eine herausragende Persönlichkeit."Ausrutscher nicht mehr erlaubtDas allein wird aber noch nicht zu dem Ziel führen, das sich die Bayern gesteckt haben. Zwölf Punkte Rückstand sind es ja nach wie vor in der Liga, und auch wenn sich das zuletzt gefüllte Lazarett langsam lichtet, wird es mehr brauchen als einen schussgewaltigen Spieler. "Wie immer nichts", sagte Nationalspieler Thomas Müller, bedeute der Pokalsieg für die Liga: "Im Moment hat noch keiner Angst vor uns. Aber wenn wir mehr Punkte eingefahren haben, kommt die Angst vielleicht zurück." Gegen den SC Freiburg geht es nun am Freitag, anschließend reisen die Bayern in der Liga zu Borussia Mönchengladbach und empfangen den 1. FC Nürnberg. "Wir haben jetzt in der Bundesliga drei Pflichtsiege vor uns. Da ist kein Ausrutscher erlaubt", sagte Christian Nerlinger.In allen Wettbewerben sind die Bayern jetzt noch vertreten, "fantastisch" findet das Trainer Louis van Gaal angesichts der jüngsten Verletzungsmisere, "eigentlich Wahnsinn". Den erlebte Schweinsteiger kurz vor Mitternacht, als er aus der Kabine kam und eine Horde Reporter vergeblich hinter ihm herstürzte. Die gute Nachricht: Alle blieben unverletzt.------------------------------Foto: Hallo? Bastian Schweinsteiger testet sein Gehör.
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