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Inseln in Berlin: Ein Hauptstadt-Kenner sagt, wo’s am schönsten ist

Natur-Idylle, prunkvolle Schlösser, Wasserfähren, Wildtiere, Badestellen und Spaziergänge: Diese fünf Berliner Inseln müssen Sie gesehen haben.

10 Min
Inselhopping in Berlin: Schöner wird’s nicht!

Inselhopping in Berlin: Schöner wird’s nicht!

© Fotoillustration: Roshanak Amini für Berliner Zeitung am Wochenende. Bilder: Imago

Trubel und Abgeschiedenheit, Adrenalin-Kicks, verrückte Museen, Shoppingmeilen, Promi-Friedhöfe und fast einsame Parks; für Familien, Wassersport-Fans, Touristen, Kiez-Kenner und alle anderen – Berlin bietet Abwechslung für alle Stimmungslagen.

Auf nichts aber können sich so viele Menschen einigen wie auf die Tatsache, dass es am Wasser eigentlich immer schön ist. Dass der Blick auf die Wogen, die Geräusche des leisen Plätscherns einfach guttun. Zwar grenzt die Ostsee quasi fast an den Speckgürtel – aber mit der BVG kommt man trotzdem nicht hin. Halb so wild, denn mit rund 3000 Seen und mehr als 30.000 Kilometern Fließgewässern sind wir wassertechnisch trotzdem gut ausgestattet.

Und da, wo es Wasser gibt, sind meist auch Inseln zu finden. Dutzende gibt es in Berlin, je nach Definition und Betrachtungsweise sollen es sogar um die 70 sein. Der Autor und Journalist Martin Demmler hat ein Buch über Berlins Inseln geschrieben (siehe unten); von 1988 bis 2018 hat er beim Sender Freies Berlin (SFB), später RBB gearbeitet.

Für die Berliner Zeitung erklärt der Berlin-Experte, welche fünf Inseln er besonders mag und warum er sie für einen Ausflug empfiehlt.


Tegeler See: Valentinswerder

„Valentinswerder ist ohne Zweifel die Perle im Tegeler See“, sagt Demmler. Mit rund 4,6 Quadratkilometern Fläche ist der Tegeler See der zweitgrößte See Berlins, nach dem Müggelsee. Ihn zu umrunden dauert – je nach Geschwindigkeit – zwischen 1,5 und zwei Stunden. Valentinswerder ist die zweitgrößte Insel im Tegeler See.

Anders als der Müggel- und der berühmte Wannsee ist der Tegeler See vor allem im Norden Berlins und auch hier vorrangig in den angrenzenden Kiezen als Ausflugsziel beliebt. Schade. Denn: „Breite Alleen, die von einem Rondell sternförmig ausgehen, bestimmen den Charakter der Insel. Historische Villen aus der Kaiserzeit, aber auch viele moderne Architektenhäuser bilden eine einzigartige Mischung“, weiß der Buchautor, der das 13 Hektar große Eiland in seinem Buch als echten Rückzugsort beschreibt.

Dort erklärt er auch, warum die Insel so heißt: „Ihren Namen verdankt die Insel dem aus Heiligensee stammenden Bauern Valentin Lemke, der hier Mitte des 18. Jahrhunderts Gemüse anbaute“, steht dort.

Noch heute befänden sich etwa 95 Prozent der Insel im Privatbesitz einer Bremer Familie, so Demmler: „Insgesamt gibt es um die 90 Grundstücke auf der Insel.“

Aber auch alternative Wohnmodelle haben ihren Platz, wie Demmler weiter erzählt: „Ein Areal, auf dem ausrangierte Bau- und Zirkuswagen zu finden sind, bietet meist jüngeren Bewohnern Übernachtungsmöglichkeiten. Viele Künstler haben auf der Insel ihr Refugium: Architekten, Schauspieler und Autoren. Dauerhaft leben allerdings nur etwa 20 Personen auf dem Eiland, das durch die Schließung des Flughafens Tegel sehr gewonnen hat.“

Wer also nur spazieren gehen und gucken will, ist auf Valentinswerder goldrichtig, findet der Autor: „Hier kann man herrlich durch die Alleen flanieren und die zahlreichen interessanten Bauten betrachten. Denn am Wochenende ist die Insel problemlos mit der Fähre zu erreichen. Leider gibt es das Gasthaus nicht mehr, das vor dem Zweiten Weltkrieg für kulinarische Genüsse sorgte. Aber ein Insel-Picknick geht immer.“

Wie kommt man hin? Mit der Fähre Tegeler See von Tegelort aus. Sie verkehrt derzeit nur von freitags bis sonntags sowie an Feiertagen, dann aber mehrfach hin und zurück. Die Tickets der privat betriebenen Fähre kosten 3,50 Euro für Erwachsene, für Kinder (unter 6 Jahren) und Fahrräder zahlt man 2,50 Euro. BVG-Tickets sind nicht gültig.


Kleiner Müggelsee: Entenwall

Über die kleine Insel Entenwall gab es vor ein paar Jahren etliche Schlagzeilen: Soll versteigert werden. Nee, doch nicht. Naturschutz ging vor Spekulationsinteresse. Eine Touri-Hochburg ist die rund 20.000 Quadratmeter große Insel bis heute nicht – vielleicht auch deshalb, weil keine Fähre hinfährt. „Man braucht ein eigenes Boot, um die mittlere der drei Inseln zwischen Bänke und Kleinem Müggelsee zu erreichen“, weiß Martin Demmler. „Die drei Inseln bilden eine Einheit, zwei von ihnen, Entenwall und Dreibock, sind auch durch eine Brücke miteinander verbunden.“

Die Bänke ist ein Seitengewässer des Müggelsees. Hier gibt es ein Naturschutzgebiet, wo die vom Aussterben bedrohte Trauerseeschwalbe brütet. Am Ufer der Insel hängen Bäume und Sträucher tief übers Wasser, sagt der Autor. „Fischreiher, Möwen und viele andere Wasservögel geben sich hier ein Stelldichein.“

Auf dem Entenwall ist es im besten Sinne wenig aufregend, wie der Insel-Kenner weiter erklärt: „Zahlreiche hübsche Wochenendhäuser sind schon vom Ufer oder von der Fähre aus zu bestaunen. In weitem Umkreis gibt es keinen Autoverkehr, hier hat man also, vor allem auch während der Woche, als Anwohner seine Ruhe.“

Es sei „eine friedliche Idylle“, so Demmlers Fazit. Und zum Schluss noch ein Tipp des Experten: „Ein Besuch lohnt auch im benachbarten Rahnsdorf, wo man sich zudem in der Müggelsee-Fischerei am Wochenende bestens mit leckeren Fischspezialitäten verwöhnen lassen kann.“

Wie kommt man hin? Auf die Insel Entenwall kommt man nur mit eigenem Boot. Sie können sich in Köpenick ein Boot, Kajak, Kanu oder SUP (Stand-up-Paddle) leihen, beispielsweise bei Kanuverleih Berlin (Am Küstergarten 18, direkt zwischen dem Kleinen Müggelsee und Neu Venedig; tgl. geöffnet von 10 bis 18 Uhr). Ein Boot kostet für eine Stunde 15 Euro, für den Tag maximal 40 Euro, für ein SUP zahlen Sie 15 Euro pro Tag.

Bei Müggelbay, dem Bootsverleih am Kleinen Müggelsee (Neuhelgoländerweg 7; tgl. von 9 bis 18.30 Uhr) können Sie sogar Pontonboote mit Badeleiter leihen (ab ca. 160 Euro pro Tag), auch Motor- und Tretboote gibt es, und man kann sie sogar über Nacht leihen. Die Preise variieren je nach Wochentag, Dauer und Saison. Der Mai gilt noch als Nebensaison, weshalb es etwas günstiger ist als von Juni bis August. Von Oktober bis März ist geschlossen.


Köpenick: Schlossinsel

Ein bisschen Metropole, ein wenig dörflicher Charme, ganz viel Geschichte – und das Ganze umgeben von Dahme und Spree. So viel uriges Berlin findet man auch nicht an jeder Ecke. Auf ihre Schlossinsel sind die Köpenicker zu Recht stolz.

„Hier befand sich schon zu slawischer Zeit eine Burg“, so Demmler. „Später errichteten die Kurfürsten ein Jagdschloss inmitten der dichten Wälder rings um Köpenick. Kronprinz Friedrich, der spätere erste König in Preußen, ließ die Vorgängerbauten abreißen und auf der Insel zwischen 1677 und 1690 ein dreigeschossiges Barockschloss bauen. Heute ist es Teil des Berliner Kunstgewerbemuseums. Die insgesamt 21 Räume mit ihren barocken Stuckdecken sind allemal einen Besuch wert.“

In der gegenüberliegenden Schlosskapelle finden regelmäßig klassische Konzerte statt, ebenso im Schlosspark. Diese kostenlosen Sommerkonzerte werden immer mittwochs gegeben und sind sehr beliebt.

Au der Köpenicker Schlossinsel steht das wunderschöne Schloss, in dem einzigartige Raumkunst des Kunstgewerbemuseums gezeigt wird.

Au der Köpenicker Schlossinsel steht das wunderschöne Schloss, in dem einzigartige Raumkunst des Kunstgewerbemuseums gezeigt wird.

© imago/NBL Bildarchiv

„Der Schlosspark ist auf drei Seiten von der Dahme umgeben“, heißt es im Buch. „Auch wenn die Gestaltung erst aus den 1960er-Jahren stammt: Zu bewundern sind zahlreiche alte Bäume, darunter eine über 350 Jahre alte Flatterulme, Schwarznuss- und Tulpenbäume, ein Ginkgo- und ein Mammutbaum sowie Magnolien und viele Rhododendronbüsche. Auch findet man Skulpturen und Gedenktafeln über den Park verteilt.“

Wie kommt man hin? Mit den Bussen der Linien 162, 164, 165 sowie den Straßenbahnlinien 27, 60, 61, 62, 63, 67 und 68; Haltestelle Schlossplatz Köpenick.


Wannsee: Pfaueninsel

Kein Berliner-Insel-Artikel ohne die Pfaueninsel! Denn sie „ist die größte und abwechslungsreichste der Inseln auf dem Berliner Stadtgebiet“, sagt Martin Demmler. „Ein Schloss, zahlreiche historische Gebäude wie die Meierei, ein Haus im Schweizer Stil und ein Kavaliershaus sind nur einige von ihnen.“

Das unumstrittene Highlight jedoch sind die namensgebenden Pfauen, die natürlicherweise im südasiatischen Dschungel leben und nahezu flugunfähig sind. Sie kommen weder weit noch hoch. Um sich aber schnell vor Feinden in Sicherheit zu bringen, reicht es allemal. Auf der Pfaueninsel dürfen sie sich frei bewegen.

„Ansonsten“, so Demmler, „ist die Insel als großer Landschaftspark im englischen Stil gestaltet. Der Rosengarten, der erste seiner Art im damaligen Preußen mit mehr als 2000 Rosenstöcken, bildet oft die Kulisse für die frei laufenden Pfauen, die auch in einer großen Voliere bestaunt werden können. Mitte der 1830er-Jahre ließ der preußische König Friedrich Wilhelm III. mehr als 800 exotische Tiere auf die Insel bringen. Sie bildeten später, nachdem man sie an Land gebracht hatte, den Grundstock des Zoologischen Gartens.“

Heute leben ein paar Dutzend Pfauen auf der Insel, aber keine 20 Menschen. Dafür ist die Insel als Ausflugsziel über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und beliebt. Seit dem Siegeszug von Social Media ist die #pfaueninsel als Fotomotiv beliebter denn je und absolut instatauglich.

„In der unvergleichlichen Mischung von Kultur und Natur ist die Pfaueninsel immer einen Besuch wert“, resümiert Demmler. „Ein großer Vorteil: die BVG bringt die Besucher bis direkt an die kleine Fähre, mit der man auf die Insel übersetzt.“ Übrigens: Hunde und Fahrräder sind auf der Pfaueninsel nicht erlaubt, ebenso wenig Autos.

Wie kommt man hin? Die Überfahrt mit der Pfaueninsel-Fähre „Luise“ dauert nur ein paar Minuten. Es ist die älteste Fährverbindung Berlins und wurde 1821 in Betrieb genommen. Sie können am Nikolskoer Weg parken und die paar Schritte bis zur Fähre laufen oder ab Bahnhof Wannsee mit dem 218er-Bus bis zur Anlegestelle fahren.

Die „Luise“ hat Platz für bis zu 150 Personen und verkehrt täglich zwischen 10 und 18 Uhr (März bis Oktober), je nach Gastaufkommen etwa alle 15 bis 20 Minuten. Tickets für Hin- und Rückfahrt sowie Parkeintritt: 6 Euro, ermäßigt 5 Euro, Familienpreis 12 Euro.


Tegeler See: Reiswerder

„Die kleine Insel Reiswerder im Tegeler See ist ein Kuriosum der besonderen Art“, sagt Martin Demmler. „Denn eigentlich handelt es sich um eine Kleingartenkolonie mit etwa 120 Lauben. Fließendes Wasser oder Strom gibt es allerdings nicht auf der Insel, abgesehen vom Vereinsheim und der Insel-Baude, wo den Kolonisten und auswärtigen Besuchern deftige Hausmannskost serviert wird.“

Es gibt schlimmere Ort zum Warten: Ein Pärchen genießt die Aussicht, bis die Reiswerder-Fähre kommt.

Es gibt schlimmere Ort zum Warten: Ein Pärchen genießt die Aussicht, bis die Reiswerder-Fähre kommt.

© Kate Schultze

Die etwa 330 mal 180 Meter große Insel, auf der keine Haustiere erlaubt sind, hat alles, was es braucht, um Ausflügler glücklich zu machen, wie der Autor aufzählt: „Einen kleinen Sandstrand, einen Kinderspielplatz, ein Vereinshaus, das hier liebevoll ‚Rathaus‘ genannt wird und wo der Vorstand unter dem Vorsitz des ‚Bürgermeisters‘ tagt. Die Vereinsmitglieder haben einen Spazierweg angelegt, der rund um die Insel und zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten führt. Besucher sind hier ausdrücklich willkommen. Für drei Euro kann man die kleine Fähre benutzen, die nur zwei Minuten von der nächsten Bushaltestelle entfernt ist.“

Wie kommt man hin? Mit dem 133er-Bus bis zur Haltestelle Weg nach Reiswerder; von dort mit der gleichnamigen Fähre übersetzen. Sie verkehrt von April bis Mitte Oktober täglich von frühmorgens bis Sonnenuntergang etwa im Halbstundentakt (im Winter fährt sie nur am Wochenende). Die „Reiswerder“ wird vom Naturfreunde-Verein betrieben, der auch die Insel vom Bezirk gepachtet hat. Es gibt auch eine Anlegestelle für Paddelboote.

Martin Demmler: „Berlins Inseln. Alle Inseln der Hauptstadt“. Jaron-Verlag, 168 Seiten, 15 Euro

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