Insolvenz abgewendet

Pralinenhersteller Sawade gerettet

Der älteste Pralinenhersteller Berlins muss nicht schließen. Das Unternehmer-Ehepaar Melanie und Benno Hübel hat das insolvente Unternehmen aus Reinickendorf übernommen und will nun den Betrieb modernisieren. Bald soll es auch neue Sorten geben.

Stefan Strauß
3 Min
Melanie Hübel (37) Grafik-Designerin.

Melanie Hübel (37) Grafik-Designerin.

© Sawade Lizenz

Die 50 Angestellten der Firma sollen ihre Arbeitsplätze behalten. „Die Mitarbeiter haben uns mit ihrem Engagement für Sawade und den hochwertigen Produkten sofort begeistert“, sagt Melanie Hübel. Die 37-jährige Grafik-Designerin arbeitete in verschiedenen Design- und Werbeagenturen.

Benno Hübel, 39, ist gelernter Koch. Er arbeitete im Hotel Intercontinental in Berlin und London, leitete später ein Catering-Unternehmen und wurde Unternehmensberater im Mittleren Osten. In den vergangenen zehn Jahren leitete das Ehepaar die Berliner Digitaldruckerei Koebcke und wandelte den Betrieb zum drittgrößten Fotobuchhersteller Europas. Für ihr neues Unternehmen sehen die beiden Geschäftsführer eine „erfolgreiche Zukunft“ und wollen vor allem die Bereiche Vertrieb und Marketing modernisieren.

Daran hatte es dem Pralinenhersteller Sawade bis zur Insolvenz im August 2013 erheblich gemangelt. Der Insolvenzverwalter Thorsten Martini sagte damals, die Geschäftsführung habe viele Dinge vernachlässigt. Die Produktvielfalt mit insgesamt mehr als 1000 Süßigkeiten, neben Pralinen auch Schokolade und Marzipanfiguren, sei viel zu unübersichtlich.

Im Laufe der Jahre seien „immer nur die ewig gleichen Sorten“ produziert worden, etwa Rum-Butter-Sahne-Pralinen, Joghurt-Kirsch-Trüffel, Nussbitter-Nougat. Dabei hatten die Mitarbeiter gute Ideen, was man alles verändern und verbessern könnte, etwa moderne Verpackungen, neue Sorten und ein neues Design.

Doch der frühere Geschäftsführer Thomas Spengler, sein Vater hatte Sawade nach dem Zweiten Weltkrieg übernommen, wollte nichts verändern. 2008 übernahm Thomas Spengler den Betrieb seines Vaters. Im Laufe der kommenden Jahre wurde aus dem Traditionsbetrieb Sawade, der einst Hoflieferant seiner Königlichen Hoheit Prinz Wilhelm von Preußen war, ein defizitäres Unternehmen, das am Ende zahlungsunfähig war und Insolvenz anmelden musste.

Wichtige Kunden gingen Sawade verloren, weil die frisch hergestellten Pralinen und Trüffel nicht sechs Monate lang haltbar waren, wie es Lebensmittelketten und Discounter heutzutage verlangen. Dafür gab es keine Lösung. Trotz rückläufiger Umsätze produzierte Sawade bis zu zwei Tonnen Pralinen am Tag.

Auch die drei Ladengeschäfte von Sawade am Mariendorfer Damm, in der Reichsstraße und in der Blissestraße wirken wie aus einer längst vergangenen Zeit. Neben etwa 50 Sorten Pralinen und Trüffel, akkurat in der Theke ausgelegt, irritierten Angebote wie Tee, Sekt, Kekse ebenso wie Schokoladensorten anderer Hersteller.

Im August übernahm Insolvenzverwalter Torsten Martini von der Kanzlei Leonhardt die Geschäfte. Der bisherige Chef Thomas Spengler verließ den Betrieb und zog sich zurück. Martini suchte monatelang geeignete Interessenten für die Schokoladenfabrik. Am Ende entschied er sich für Melanie und Benno Hübel. „Sie hatten das beste Konzept und den besten Preis“, sagt Martini.

Berlintypische Produktlinie

Die neuen Eigentümer haben sich viel vorgenommen. Sie investieren, wollen das Sortiment modernisieren, die Verpackungen bekommen ein neues Design. Es soll handlicher werden, auch kleinere Verpackungen sind geplant. Hübel spricht von einem neuen frischen Image. Neben den traditionellen Pralinen- und Trüffelsorten wollen die Inhaber neue Geschmacksrichtungen ausprobieren, eine berlintypische Produktlinie soll es geben, etwa Schokolade mit grünem Tee oder eine weiße Sommerschokolade mit Fruchtfüllungen wie Granatapfel. Oder Schoko-Riegel und laktosefreie Schokolade. Auch das Design der Verkaufsläden soll komplett erneuert werden, alles überschaubarer und strukturierter sein.

Als erstes besetzten die neuen Geschäftsführer die Positionen für Marketing und Vertrieb. Jahrelang gab es dafür keine Mitarbeiter. Und noch etwas hat sich gleich geändert. Die Zahl der Krankmeldungen ist gesunken, seit die Hübels in der Schokoladenfabrik arbeiten.

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