Insolvenz von Air Berlin

Der Berliner Bär ist einfach zu fett

Schon einmal ging eine Airline mit "Berlin" im Namen pleite. Ein Kommentar.

Torsten Harmsen
3 Min
Eine Propellermaschine aus der Flotte der insolventen Luftfahrtgesellschaft Air Berlin befindet im Landeanflug auf den Flughafen Berlin-Tegel. 

Eine Propellermaschine aus der Flotte der insolventen Luftfahrtgesellschaft Air Berlin befindet im Landeanflug auf den Flughafen Berlin-Tegel. 

© dpa

Das traurige Ende von Air Berlin ruft in mir die Erinnerung wach, dass ich schon einmal das Ende einer Fluggesellschaft erlebt habe, die das Wörtchen Berlin im Namen trug. Sie hieß Berline, gesprochen „Börlein“. Übrigens: Auch eine Pferdekutsche, die im 17. Jahrhundert in Brandenburg gebaut wurde, nannte sich Berline – gesprochen wie man’s schreibt. Erfunden hatte sie Philip de Chiese, der unterm Großen Kurfürsten diente. Aber das nur am Rande.

Die Fluggesellschaft Berline wurde 1991 von Mitarbeitern der liquidierten DDR-Interflug in Schönefeld gegründet. Meine einzige Begegnung mit ihr hatte ich im Frühjahr 1994. Ich wollte mit der Familie nach Tunesien fliegen. Als der Bus uns über das Vorfeld zum Flugzeug brachte, rief ich: „Ick dachte, die fliegen jar nich mehr!“ Denn da stand eine viermotorige IL-18.

Unter den Passagieren – viele von ihnen aus West-Berlin – machte sich leichte Panik breit, als sie erkannten, dass sie mit einem vor 40 Jahren entwickelten russischen Propellerflugzeug nach Afrika fliegen würden. Ein Mann beruhigte: „Aba von denen is noch nie eene runterjekommen!“

Die Maschine zog ihre Bahn durch die Wolken – mit lautem Gedröhn und Vibrationen. Aber sie lag ruhig und stabil in der Luft. Freundliche Stewardessen lasen uns jeden Wunsch von den Augen ab. Als wir in Tunesien ankamen, gab es Beifall von den erleichterten Passagieren.

Der endgültige Konkurs der Berline

Leider erreichte uns dann mitten im Urlaub die Nachricht, die Berline habe Insolvenz angemeldet. Das Aus konnte zwar noch einmal abgewendet werden, aber nach Berlin zurück ging’s bereits mit einer Boeing von Tunisair, bei der kurz vor dem Abflug noch ein Rad ausgewechselt werden musste. Dafür gab es Datteln und hübsche blau-weiße Plastikschälchen, von denen ich mir ein paar für zu Hause einsteckte. Eigentlich hätte also diese Linie pleitegehen müssen. Aber es gibt sie bis heute.

Im Oktober 1994 erfolgte der endgültige Konkurs der Berline. Auch eine andere Linie mit Berlin im Namen – die Berlin European UK – existierte nur von 1985 bis 1990. Nun verlässt uns auch noch Air Berlin (1978-2017). Man könnte glauben, dass es was mit den Namen zu tun hat.

„Logisch“, ruft mein alter Schulkumpel, „der Berliner Bär is fett und schwer. Er kann also jar nich nich fliejen.“ Doch diese Erklärung ist mir zu einfach. Schließlich haben andere Städte Löwen und Kamele im Wappen. Und geflogen wird trotzdem.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema