Die Interessengemeinschaft (IG) Wilhelmstadt wählte am Dienstag abend einen neuen Vorstand, debattierte mit Kommunalpolitikern von SPD, CDU und FDP über die Probleme der kleinen Unternehmen rund um die Pichelsdorfer Straße und diskutierten Werbestrategien - zum Beispiel den Einsatz einer Rikscha."Ich freue mich, daß so viele Mitglieder gekommen sind", sagte Klaus-Peter Hartwich ironisch. Denn viele Sitze blieben leer. Von den 150 organisierten Unternehmern waren nicht mehr als 30 erschienen. Die Anwesenden wählten Hartwich erneut zum Vorsitzenden der IG Wilhelmstadt. Mehrere Geschäftsleute beklagten das äußere Erscheinungsbild der Pichelsdorfer Straße - angefangen von defekten Leuchtreklamen, einer schmucklosen Weihnachtsdekoration bis hin zu heruntergekommenen Häusern.Um die Konkurrenz zu den Einkaufszentren in Dallgow und am Juliusturm zu bestehen, wurde ein "Arbeitsausschuß" gebildet, der zündende Werbestrategien entwickeln soll. Hartwichs großes Vorbild für klingelnde Kassen: Helge Schneiders Erfolgshit "Katzeklo". "Das ist so schwachsinnig, daß sich das jeder merken kann. Darauf wären wir nie gekommen", sagte Baldrich bewundernd. Er schlug vor, zu Werbezwekken eine Rikscha mit abnehmbaren Dach zu kaufen. Dieser "Schwachsinn" würde den Verein allerdings rund 5 000 Mark kosten. Klaus-Jürgen Rödiger, Vorsitzender des Wirtschaftshofs Spandau, versprach sich viel von Preisausschreiben und Aktionen mit Schulen in der Wilhelmstadt. Außerdem riet er den Geschäftsleuten, Waren höherer Qualität anzubieten. In der anschließenden Diskussion stellten sich die Spandauer SPD-Fraktionsvorsitzende Monika Helbig-Dürr, Wirtschafts- und Finanzstadtrat Konrad Birkholz (CDU) und der FDP-Politiker KarlHeinz Bannasch den Fragen der Unternehmer. Heftig gestritten wurde über die Parkplatzsituation und die künftige Nutzung des Britannia-Centers an der Wilhelmstraße, das zur Zeit noch im Besitz des Bundes ist.Monika Helbig-Dürr hatte bei der Diskussion den schwersten Stand. Sie verteidigte die Parkgebührenpflicht und führte die wirtschaftlichen Schwierigkeiten darauf zurück, daß die Konsumenten stärker als früher auf jeden Pfennig achten müssen.Helbig-Dürrs Argument, daß der Bau von rund 1 000 Wohnungen für Bundesbedienste auf dem Gelände der ehemaligen britischen Kaserne an der Wilhelmstraße auch neue Kunden bringen würde, überzeugte einige Mitglieder nicht. Ein Geschäftsmann warnte vor einer "Verslumung".Wirtschaftsstadtrat Birkholz verwies darauf, daß der Kommunalpolitik in vielen Fällen die Hände gebunden seien. FDP-Politiker Bannasch forderte erneut einen Wirtschaftsgestaltungsplan für Spandau, um dem mittelständischen Gewerbe mehr "Planungs- und Investitionssicherheit" zu geben. +++
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